Stephan Sulke nach Abstinenz wieder erfolgreich auf der Bühne

Mit viel Weisheit ausgestattet: Stephan Sulke in Wolfhagen Kulturladen. Foto: Neubauer

Wolfhagen. Wer nicht gewusst hat, dass es Stephan Sulke (72) ist, der auf der Bühne im fast ausverkauften Kulturladen am Freitagabend ein Konzert gab, der hätte ihn wirklich für den „Typ von nebenan" halten können. Genauso heißt sein Programm, mit dem er nach einigen Jahren Abstinenz wieder auf der Bühne erfolgreich auftritt.

Im Gegensatz zu dem großen Flügel, der Gitarre und der Hammondorgel, die die gesamte Bühne einnahmen, wirkte der Schweizer Liedermacher eher unscheinbar, mit altersmilder Weisheit ausgestattet. Doch schon mit seinem ersten Lied „Oh Gott, komm doch mal runter“, das er unter Einbeziehung des Publikums a cappella sang, zeigte er seine eigentliche Stärke: starke Lieder mit guten, deutschen Texten.

Mit rauchiger, teilweise brüchiger Stimme sang er vom „Typ von nebenan, der nachts nicht schlafen kann“, über „Opa, der müde und alt ist“ und in „Weißt du noch?“ über Entstehung und Verlust einer Liebe. Ungewöhnlich sein allerneuester Song, der noch gar keine Melodie hat. Kurzerhand erzählte er dem Publikum von dem Lied „Edelmetallalter“, das von Menschen mit Ersatz im Mund und Titan in der Hüfte handelt. Die Zuschauer nickten zustimmend oder lachten herzhaft, denn Stephan Sulke hatte wohl das Durchschnittsalter seines Publikums richtig eingeschätzt. Zwischendurch immer wieder seine wunderschönen, vom Publikum mehrfach gewünschten Liebeslieder: berührend, aber frei von Kitsch und Pathos. Andächtige Stille bei den Zuschauern. Sinn für Humor bewies Stephan Sulke mit seinen Liedern über die „Blödheit“, denn „Blöde haben es leichter“ und vor allem im „Umweltschutzalptraumsong“. Dabei machte er sich über das Finanzamt lustig, das fürs Ein- und Ausatmen einen Sauerstoffbenutzungsschein verlangt.

Zur Auflockerung gab es zwischendurch ein paar amüsante Geschichten und lustige Witze.

Dann endlich nach eineinhalb Stunden brachte Sulke seinen größten Erfolg: das Uschi-Lied. Erstmal kam Bewegung in das Publikum, als es gemeinsam mit dem Liedermacher „Ach, Uschi mach kein Quatsch, ach, Uschi, komm sei lieb zu mir!“ mit voller Inbrunst in den Raum schmetterte.

Sulke witzelte: „90 Prozent der Zuschauer kommen sowieso nur wegen dieses Liedes in meine Konzerte.“ Aber das Wolfhager Publikum bewies, dass es zu den zehn Prozent gehört, die nicht nur das Uschi-Lied von Stephan Sulke mögen. Als sich der Künstler nach zwei Stunden voller feinfühliger, melancholischer, nachdenklicher und lustiger Lieder verabschiedete, gab es stürmischen Beifall und einige Zugaben.

Von Ursula Neubauer

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