Schaake: „Ein historischer Tag“

Straßen in Wolfhagen nach jüdischen Ehrenbürgern Lutz Kann und Ralph Mollerick benannt

Neue Straßennamen für Wolfhagen: Stadtverordnetenvorsteher Christoph Lübcke (links) und Bürgermeister Reinhard Schaake mit den zunächst symbolischen Schildern der neuen Straßennamen im künftigen Wohngebiet Kurfürstenstraße. Die Straßen werden nach dem Willen des Parlaments nach den beiden Ehrenbürgern der Stadt, Ralph Mollerick und dem bereits verstorbenen Lutz Kann benannt werden.
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Neue Straßennamen für Wolfhagen: Stadtverordnetenvorsteher Christoph Lübcke (links) und Bürgermeister Reinhard Schaake mit den zunächst symbolischen Schildern der neuen Straßennamen im künftigen Wohngebiet Kurfürstenstraße. Die Straßen werden nach dem Willen des Parlaments nach den beiden Ehrenbürgern der Stadt, Ralph Mollerick und dem bereits verstorbenen Lutz Kann benannt werden.

Ralph W. Mollerick und Lutz Kann, das sind Wolfhagens einzige beiden Ehrenbürger. Nun werden zwei Straßen im künftigen Wohngebiet an der Kurfürstenstraße ihre Namen tragen.

Wolfhagen – Diesen Beschluss fasste das Wolfhager Parlament am Donnerstagabend in einem feierlichen und zugleich emotionalen Moment.

Aus Lake Worth in Florida war Ralph Mollerick zugeschaltet, der an diesem Tag seinen 91. Geburtstag feierte, und aus Tel Aviv in Israel Shlomo Kann, Sohn des bereits verstorbenen Lutz Kann. Mollerick und Kann sind Juden, die ihre ersten Lebensjahre in Wolfhagen verbrachten, mit dem Erstarken des Nationalsozialismus aber aus ihrer Heimat gedrängt wurden und denen im Februar 2013 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Wolfhagen verliehen wurde.

„Es ist etwas Unglaubliches passiert. Er wird aus seinem Grab kommen“, sagte Shlomo Kann. Er meinte damit seinen Vater. Er freue sich sehr über die Entscheidung des Parlaments. Seinem Vater würde es sicherlich ähnlich gehen, könnte er es noch erleben. „Ich hätte nie gedacht, dass das möglich wird.“ Und auch Ralph Mollerick verfolgte die kleine Zeremonie, bei der ein Trio der Musikschule musizierte, bewegt. „Ich bin ein Wolfhager“, grüßte er aus der Ferne in die Stadt seiner Kindheit.

Verfolgten die Parlamentssitzung live: Der 91-jährige Ralph Mollerick (oben links) in Florida und Shlomo Kann, Sohn von Lutz Kann, in Israel. Im Bild oben rechts sind Reinhard Schaake und Christoph Lübcke zu sehen.

Stadtverordnetenvorsteher Christoph Lübcke (CDU) betonte die Wichtigkeit der Beziehung zwischen Juden und Christen, gerade jetzt. Die Gefahr des Antisemitismus sei in weiten Teilen der Welt wieder verankert. Lange sei die Feindschaft gegenüber Juden nicht sichtbar gewesen, doch nun flamme der Antisemitismus erneut auf. Hass und Hetze nähmen wieder zu. „Wir dürfen nicht schweigen“, deshalb sei es das richtige Signal, zwei Straßen nach den Männern zu benennen, die in Wolfhagen als Juden geboren wurden.

Bürgermeister Reinhard Schaake bezeichnete den Donnerstag sogar als einen „historischen Tag“. Das neue Parlament habe seinen ersten Arbeitstag, Straßen würden künftig die Namen ihrer Ehrenbürger tragen und das alles am Tag des 91. Geburtstages von Ralph Mollerick. „Mit dieser Entscheidung zeigen wir, dass wir zu euch stehen und ihr unsere Freunde seid“, sagte Schaake, der beide Familien in Israel und den USA bereits besucht hat.

In Abstimmung mit Ralph Mollerick, der als Wolfgang Möllerich 1930 geboren wurde, wird die Straße in Anlehnung an seinen deutschen Namen demnächst Ralph-Möllerich-Straße heißen. Bereits im April 2018 hatte das Wolfhager Parlament im Beisein des damals 87-jährigen Mollerick den einstimmigen Beschluss gefasst, Straßen im Stadtgebiet auf die Namen beider Ehrenbürger taufen zu wollen. (Antje Thon)

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