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Fahrbahnreparatur: Mit der Flitsche auf der heißen Piste

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Von: Norbert Müller

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Typische Sommerarbeit für die Straßenmeisterei: Lukas Wöllenstein (von links), Azubi Max König und Stefan Finis mit einer neuen Fuhre Asphalt, der heiß eingebaut werden muss.
Typische Sommerarbeit für die Straßenmeisterei: Lukas Wöllenstein (von links), Azubi Max König und Stefan Finis mit einer neuen Fuhre Asphalt, der heiß eingebaut werden muss. © Norbert Müller

Bei heißem, trockenem Wetter machen sich die Mitarbeiter der Straßenmeisterei auf, um Straßenschäden zu reparieren. Regen und Kälte können sie bei diesem Job nicht gebrauchen.

Wolfhager Land – „Das Wetter ist ideal“, freut sich Till Berg, perfekt, um die Schäden an der Straße zwischen Nothfelden und Niederelsungen zu reparieren. An diesem Vormittag zeigt das Thermometer bereits eine Temperatur jenseits der 30-Grad-Marke an, und die Kolonne der Straßenmeisterei Wolfhagen, die heute „schwarz einbaut“, wie sie sagen, wenn Löcher und Risse in der Fahrbahn mit Asphalt ausgebessert werden, schwitzen bereits um die Wette.

Berg, Ingenieur der Straßenmeisterei Wolfhagen, ist vor allem deshalb begeistert, weil die schwarze Masse, die hier zum Ausbügeln der Schadstellen eingesetzt wird, nur im heißen Zustand verarbeitet werden kann. Am Morgen ist „das Schwarze“, das heute auf die Piste aufgetragen wird, in einem Mischwerk in Kassel abgeholt worden. Dazu nimmt ein Lastwagen der Meisterei einen Thermo-Container huckepack, in dem die Masse nicht so schnell auskühlt. Aber bei Außentemperaturen um die 30 Grad, weiß Berg, bleibt der Asphalt sowieso lange genug streichfähig.

Pflegearbeit: Mit einem Spachtel reinigt Stefan Finis zwischendurch immer mal wieder die Flitsche von anhaftenden Asphaltresten.
Pflegearbeit: Mit einem Spachtel reinigt Stefan Finis zwischendurch immer mal wieder die Flitsche von anhaftenden Asphaltresten. © Norbert Müller

„Der Asphalt muss heiß eingebaut werden, weil das Bitumen fließfähig sein muss. Die Viskosität wird durch die Hitze beeinflusst. Der Asphalt muss deshalb beim Aufbringen mindestens 160 Grad haben, damit er sich gut verarbeiten und verdichten lässt“, erklärt der Experte. Und je kälter es draußen ist, desto schneller erkaltet auch der Asphalt – da hilft am Ende dann auch kein Thermo-Container.

Flächen bis zehn Quadratmeter

Vier bis fünf Tonnen des zähflüssigen Reparaturmaterials passen in den Container. „Wie weit man damit kommt, hängt davon ab, wie tief und großflächig die Schadstellen sind“, sagt Till Berg. Flächen bis zu zehn Quadratmeter schafft eine Kolonne der Straßenmeisterei noch mit eigenen Mitteln, Was größer ist, wird ausgeschrieben und an Fachfirmen vergeben, die dann großflächig abfräsen und mit einem Asphaltfertiger die Lücke eben und plan wieder schließen.

Baustelle absichern

Heute ist Handarbeit angesagt für die fünfköpfige Kolonne. Als Erstes haben die Männer den Abschnitt, den sie bearbeiten, mit zwei Baustellenampeln und rot-weißen Leitkegeln abgesichert. Einspurig wird der Verkehr vorbeigeführt, wobei die Männer trotzdem ständig wachsam sein müssen. Denn kaum schaltet die Ampel vor den Wartenden auf Grün, wird Gas gegeben.

„Im Sommer stehen wir im Wege, und im Winter bei Eis und Schnee können wir für die Autofahrer mit unseren Räumfahrzeugen nicht schnell genug da sein“, knurrt Heinz-Werner Weinreich, der schon seit gut 30 Jahren für die Straßenmeisterei im Einsatz ist.

Nach dem Absichern der Baustelle ist für die Männer, die an solch heißen Sommertagen bereits um 6.30 Uhr mit der Arbeit beginnen, Routine angesagt: Die Schadstelle wird gesäubert, von losen Bestandteilen befreit. „Die Stelle sollte staubfrei sein, weil es sonst keine Verbindung gibt“, sagt Ingenieur Berg.

Nachschub: Heinz-Werner Weinreich füllt die nächste Portion aus dem Thermo-Container in den Schubkarren von Azubi Max König.
Nachschub: Heinz-Werner Weinreich füllt die nächste Portion aus dem Thermo-Container in den Schubkarren von Azubi Max König. © Norbert Müller

Dann wird ein Haftkleber auf das Loch gesprüht und eine Portion des heißen Asphalts, die kurz zuvor aus dem Container in einen Schubkarren gekippt und von Azubi Max König zur Baustelle geschoben wird, gleichmäßig auf der Straße verteilt. Das machen Lukas Wöllenstein und Stefan Finis mit sogenannten Flitschen, das ist ein Besenstiel mit einem schmalen Holzbrett am unteren Ende. Fingerspitzengefühl und einige Erfahrung ist gefragt, um die heiße Masse schön gleichmäßig auszubreiten.

Split gegen das Kleben am Reifen

Kaum ist das geschehen, verdichtet Rüdiger Tripp die Masse mit der Tandemwalze. Am Ende wird die Stelle mit feinem Basaltsplitt abgestreut, damit der frische Asphalt nach dem Freigeben der Straße nicht an den Rädern der Autos kleben bleibt.

Für die Planung solcher Straßenreparaturen ist ein gewisser Vorlauf und die Unterstützung einer möglichst verlässlichen Wettervorhersage nötig. „Wenn die Kollegen den Asphalteinbau planen und der Wetterbericht für nächsten Donnerstag 18 Grad und Dauerregen voraussagt“, dann müssen wir umdisponieren“, sagt Marco Lingemann, Sprecher von Hessen Mobil. „Regen ist für die Haftung der Bitumenschichten das Schlechteste, die Wasserschicht verhindert das“, erklärt Till Berg.

Mineralwasserverbrauch steigt

An diesem Tag ist mit Regen nicht zu rechnen. Dagegen ist der Verbrauch von Mineralwasser, das die Straßenmeisterei zur Verfügung stellt, durch die Kolonne deutlich erhöht. „Die Hitze ist viel schlimmer als die Arbeitsanstrengung“, sagt der 19-jährige Azubi Max König, der in dieser Woche gerade mit seiner Ausbildung begonnen hat.

Das ideale Wetter fürs „Schwarz-Einbauen“ ist dann doch nicht jedermanns Sache. (Norbert Müller)

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