Neue Heimat ohne Drama

Noha Albarazy flüchtete mit ihren Kindern aus Syrien nach Wolfhagen

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Fühlen sich in Wolfhagen zuhause: die syrische Flüchtlingsfamilie mit (von links) Laith, Mutter Noha Albarazy, Falak und Abdulghani.

Wolfhagen. Die Kinder besuchen die Wolfhager Filchner-Schule, engagieren sich in Wolfhager Sportvereinen, lernen ein Instrument in der Wolfhager Musikschule, ihre Mutter arbeitet als Köchin in der Wolfhager Gastronomie.

Eine normale Wolfhager Familie, könnte man meinen, doch ihre Geschichte ist voller Dramatik. Ihre Wurzeln haben Mutter Noha Albarazy, ihre Tochter Falak (20), sowie die Söhne Abdulghani (18) und Laith (12) in Syrien, in einem Vorort von Damaskus. Sie gehörten dort der Mittelschicht an, der Vater hatte in der Hauptstadt eine kleine Fabrik, in der Milchprodukte produziert wurden. Die Kinder gingen dort zur Schule, man lebte in einer Eigentumswohnung in einem fünfstöckigen Haus. Und man lebte nicht schlecht, erinnert sich der heute 18-jährige Abdulghani, wenn man mal davon absehe, dass es ganz in der Nähe immer wieder zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen und regierungsfeindlichen Milizen kam.

Im Jahr 2013 spitzte sich die Situation zu, die kriegerischen Auseinandersetzungen eskalierten. Aus Sicherheitsgründen nahm man den Jüngsten, Laith, von der Privatschule, in die er täglich fuhr. Er besuchte dann – wie seine Geschwister – die Schule am Ort.

Als dann eines Morgens gegen 7 Uhr eine Granate ins Obergeschoss des Hauses einschlug, die Außenwand in Hof und Garten stürzte, war der Punkt erreicht, an dem sich die Eltern Gedanken über einen Ausweg machten. „Da ist bei unserer Mutter der Groschen gefallen – es geht nicht mehr“, sagt die 20-jährige Falak. Im gleichen Jahr sei zudem der jüngste Bruder der Mutter wegen eines regierungskritischen Kommentars auf Facebook festgenommen und ins Gefängnis gesteckt worden. „Wir wissen bis heute nicht, wo er ist oder ob er überhaupt noch lebt.“

Dazu kam, dass sowohl das Militär als auch die Milizen Jungs ab 13 Jahren von der Straße weg rekrutierten, um sie für ihre Truppen an den Waffen auszubilden. Man sorgte sich, dass dieses Schicksal auch dem Sohn Abdulghani drohen könnte. Bei ihr seien auch Erinnerungen an das Jahr 1982 hochgekommen, sagt Mutter Noha Albarazy, als das Land unter dem Vater des jetzigen Herrschers im Ausnahmezustand gewesen sei. Damals, seien ihr Opa, ihr Vater und drei seiner Brüder – der Jüngste, erst 13 Jahre alt – vor ihren Augen von den Regierungstruppen erschossen worden. „Es kamen einfach Soldaten, die holten die Leute aus den Häusern und erschossen die Männer. Unsere Mutter“, erzählt Abdulghani, „hatte Angst, dass es sich wiederholt“. Und so fiel die Entscheidung wegzugehen, dorthin, wo es sicher ist, wo die Familie eine Zukunft hat.

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