Neues Buch

Geheimnissen der Weidelsburg auf der Spur

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Wahrzeichen des Wolfhager Landes: Die Weidelsburg von Westen aus gesehen. Sie stand im Mittelpunkt eines Symposiums, dessen Referate in einem Tagungsband zusammengefasst worden. 

Spannendes zur Weidelsburg findet sich in einem gerade veröffentlichten Buch des Fördervereins zur Erhaltung von Nordhessens größter Burgruine.

Die alte Ruine hat noch längst nicht alle ihre Geheimnisse gelüftet. Seit Jahrhunderten thront die Weidelsburg auf dem hohen Basaltkegel zwischen Naumburg und Ippinghausen und ist nach einer langen Phase des Verfalls längst wieder in den Fokus von Heimatgeschichtlern und auch Burgenforschern gerückt. Von den Fragen, die sich aus der Beschäftigung mit der Burg ergeben, berichtet ein druckfrisches Buch, das der Förderverein zur Erhaltung der Weidelsburg herausgegeben hat.

Das mehr als 100 Seiten starke Werk fasst das zweitägige Weidelsburg-Symposium zusammen, das Ende 2018 in Ippinghausen stattfand und an dem neben den Experten des Fördervereins auch fünf namhafte Burgenforscher und Landeshistoriker teilnahmen und über den aktuellen Stand der Weidelsburg-Forschung referierten.

Die Vorträge finden sich im vorliegenden Tagungsband ebenso wie eine Disputation mit den Referenten. Dieser Gedankenaustausch an ausgewählten Stellen auf dem Burggelände wurde von Bernd Klinkhardt und Volker Knöppel vom Förderverein mit den Experten geführt und protokolliert. Befunde, Fragen und Hypothesen – die wesentlichen Punkte sind im Buch dargestellt. Da geht es um den Zugang zur Vorburg, Zeiten des Aus- und Anbaus auf dem Burggelände und der Innengestaltung der Wohntürme. Auch die Wasserversorgung und die Anordnung der Schießscharten sind Themen, die berücksichtigt wurden.

Im Mittelpunkt stehen im Buch aber ohne Zweifel die Vorträge der Referenten, zu denen auch Volker Knöppel gehörte. Der Weidelsberg und seine Burg – Naturraum, Burganlage und offene Fragen, so lautet der Titel seines Textes. Darin stellt er den Berg als Raum mit eigenem Charakter vor.

Auch auf die Burganlage mit ihren noch ungelösten Rätseln, die früheren Bewohner und das Projekt des preußischen Regierungsbaurates Georg Textor geht er ein, der zwischen 1930 und 1934 mit vielen Helfern den Trümmerschutt beseitigte und diese Arbeiten auf fast 500 Glasplattennegativen verewigte.

Textor spielt auch eine Rolle im Impulsreferat von Bernd Klinkhardt, der die Weidelsburg in der historischen Forschung beleuchtet. Er schlägt den Bogen bis zum aktuellen Stand und stellt dabei die Bauforschung in den Mittelpunkt. Textors Leistung, betont Klinkhardt, könne nicht hoch genug eingeschätzt werden, schließlich drohte die Ruine unter Schuttmassen zu versinken.

Zentrale Kapitel des Tagungsbandes sind die Referate der zum Symposium angereisten Burgenforscher. Auch Jürgen Römer, einst hauptamtlicher Leiter des Regionalmuseums Wolfhager Land, ist vertreten. Sein Thema: die Weidelsburg in der niederhessischen Regionalgeschichte. Er vertritt die These, dass mit den Ortsnamen Alahstadt (831), Alhestadt (831) und Alstat (1123) nicht die frühe Nennung einer Burg auf dem Weidelsberg gemeint sei. Die Weidelsburg in der landesgeschichtlichen Burgenforschung beleuchtet Ulrich Ritzerfeld. Dabei teilt er Römers Bedenken, dass das in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts belegte Castrum Alstat mit der Weidelsburg gleichzusetzen sei. Ritzerfeld geht in der Folge auf erhaltene Dokumente mit dem Bezug zur Burg ein. Mit der Entwicklung der Wehrarchitektur von Burgen in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Hessen beschäftigt sich Gerd Strickhausen. Er setzt die Weidelsburg und ihre Wehreinrichtungen in Bezug zu anderen hessischen Festungsbauten dieser Zeit. Ein weiteres Kapitel des Bandes behandelt den Kampf um Burgen und Städte im Raum Wolfhagen im Spiegel mittelalterlicher Schriftquellen. Jens Friedhoff räumt dabei auch mit so manchem Klischee auf, das den mittelalterlichen Rittern anhaftet, gerade auch denen mit Bezug zur Weidelsburg. Um Raumstruktur und Wohnräume bei der Weidelsburg und dem Burgenbau insgesamt um das Jahr 1400 geht es bei Ulrich Großmann. Ein spannendes Thema, schließlich lassen sich bei insgesamt rund 25 000 Burgen im deutschen Sprachraum, von denen Reste mehr oder weniger erhalten oder überliefert sind, „Wohnräume in kaum mehr als 100 Bauten konkreter benennen, bei Burgen aus der Epoche vor etwa 1450 sogar in kaum mehr als 20 Fällen“.

 Die Auflage des großzügig bebilderten Tagungsbandes beträgt 300 Stück und ist zum Preis von 17 Euro in Wolfhagen in der Buchhandlung Mander und bei Schreibwaren Seidler erhältlich. In Naumburg gibt es das Weidelsburg-Buch bei Jürgen Günst auf dem Weidelshof und in Ippinghausen im Dorfladen.

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