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Tante Lilli verwandelt Wolfhager Kulturladen in ein Krankenhaus

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Von: Sascha Hoffmann

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Beschert dem Wolfhager Kulturladen einen ausverkauften Saisonauftakt: Schwester Lilli alias Guido Klode.
Beschert dem Wolfhager Kulturladen einen ausverkauften Saisonauftakt: Schwester Lilli alias Guido Klode. © Michael Schäfer

Tante Lilli tritt im Wolfhager Kulturladen auf und gewinnt selbst dem Tod etwas humorvolles ab,.

Wolfhagen. „Ach du liebe Zeit, 7000 Menschen im Kulturladen.“ Tante Lilli alias Guido Klode kann es selbst kaum glauben, dass im kulturellen Wohnzimmer der Stadt nahezu kein Platz mehr frei ist. 7000 sind es natürlich nicht, an die 200 aber schon, und die reichen am Freitagabend für die erste Ausverkauft-Meldung seit Langem. Pandemie, Krieg, Inflation - die Zeiten sind keine leichten für Kulturveranstalter.

Umso größer die Freude bei den Erlebnismachern der Stadt, gleich zur Eröffnung der Herbst-/Wintersaison einen solchen Volltreffer gelandet zu haben.

Lachen ist die beste Medizin, das weiß auch Lilli, die das „Tante“ kurzerhand abgestreift hat, um als Schwester in schweren Zeiten fürs allgemeine Wohlbefinden zu sorgen. Lachen tut einfach gut, und Lilli hat das passende Mittel - rezeptfrei und ohne Zuzahlung. Ob krank oder gesund, die Kasseler Witzespritze mit der unverkennbaren Lockenwicklerfrisur versprüht ihren hochansteckenden Humor, gegen den glücklicherweise auch keine der unzähligen Corona-Maskenvarianten etwa ausrichten kann. Im zum Krankenhaus umfunktionierten Kulturladen geht es um unheilbare Ohrwürmer, sinnvolle Organspenden, die besten Zahnarzt-Kalauer, Igel-Leistungen und andere Märchen. Lilli spart nicht mit ihrer Medizin, serviert sie ebenso hoch dosiert wie sonst ihr Eierlikörchen.

Gelacht wird ohne nennenswerte Pausen, selbst beim Thema Tod, das laut Lilli „viel Platz für Comedy“ bietet: „Jede Berufsgruppe geht ja anders von der Welt, der Schaffner liegt in den letzten Zügen, die Handarbeitslehrerin erstickt, der Pornostar kommt nie wieder, selbst der Pfarrer muss irgendwann dran glauben.“ Und was passiert mit Lilli, wenn ihre Zeit mal abgelaufen ist? „Aus den Lockenwicklern machen wir ein Insektenhotel für die dicken Hummeln, das passt auch gut zu mir, statt einer Wespentaille habe ich ja auch eher die Hummelhüfte.“ Der Winterreifen sei in diesem Jahr direkt in eine Frühlingsrolle übergegangen, für deren zweites Leben als Hula-Hoop-Reifen Lilli mit ihrem Organspendeausweis selbstredend schon vorgesorgt hat: „Dann kann ich oben beim Kaffeetrinken vom Himmel zugucken, wie ich in Bewegung bin, das ist doch super.“ Geranien sollen ins künstliche Hüftgelenk gepflanzt werden, und aus den Kitteln hätte sie sich einen hübschen Überwurf für den Herkules vorstellen können, wäre Verpackungskünstler Christo nicht schon verstorben. Sollte am Ende noch irgendwas von ihr übrig bleiben, so wünscht sie sich eine Urne aus Glas, denn „ich gucke so gern am Fenster“.

So witzelt und blödelt sich die zur Schwester gewordene Tante durch den Abend, mal bissig, mal nachdenklich, immer aber mit ihrem lilli-tastischen Witz, der tatsächlich irre ansteckend ist. Auch dann, wenn sie das Leben rückwärts laufend im Altenheim starten und nach neun gemütlichen Monaten im kuscheligen Bauch mit einem grandiosen Orgasmus enden lässt. Wenn Lachen wirklich so gesund ist, wie Schwester Lilli behauptet, dann dürfte Wolfhagen seit Freitagabend eine der gesündesten Städte weit und breit sein. (Sascha Hoffmann)

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