Thomas Holzhauer restauriert 100 Bilder im Wolfhager Museum

Arbeit mitten im Museum: Restaurator Thomas Holzhauer erneuert an rund 100 Bildern des Museums die Rückseiten, damit diese die Bilder nicht beschädigen. Foto:  Renner

Wolfhagen. Mehr als 100 Jahre alt sind die Bilder, mit denen Restaurator Thomas Holzhauer derzeit im Regionalmuseum Wolfhager Land arbeitet. Der Experte für Rahmen erneuert die Rückseiten von gut 100 Bildern.

„Bislang wurde das noch nie gemacht“, sagt Museumsleiterin Beate Bickel. Nötig sei es aber gewesen. Denn früher wurde für die Rückseiten der Werke kein säurefreies Papier genutzt. Die Folge: Die Arbeiten können vergilben, die Säure kann sich sogar regelrecht hineinfressen.

Seit einigen Wochen arbeitet Thomas Holzhauer mehrmals pro Woche mitten im Museum an seiner mobilen Werkbank. Dort entfernt er zunächst vorsichtig die Rahmen, reinigt die Glasscheibe und nimmt dann die Rückseiten der Bilder heraus, die meist um 1900 entstanden sind. Die Rückseiten ersetzt er durch ein spezielles säurefreies Papier, das die Werke nicht mehr angreift.

Cranach-Werk gerahmt 

Mit seiner mobilen Werkstatt ist der Schauenburger viel unterwegs, um seiner Arbeit nachzugehen. Diese besteht hauptsächlich aus einer ganz besonderen Aufgabe: Holzhauer ist Experte für Klimarahmen für Holztafelgemälde. Dahinter steckt die Tatsache, dass Holz lebt. Unmerklich bewegt es sich und dabei kann die aufgebrachte Farbe eines Kunstwerks abplatzen. „Deshalb nehme ich eine dampfdichte Einrahmung vor“, erklärt der Restaurator. Unter anderem arbeitet er dabei mit einem zweiten Rahmen, gummiertem Aluklebeband und Polycarbonatplatten. Am Ende seiner Arbeit ist „das Gemälde für die Betrachter dann sozusagen unsichtbar in einer Vitrine“, sagt Holzhauer.

Ursprünglich kommt der 43-Jährige aus dem Möbelhandwerk, hat Schreiner mit Schwerpunkt Restaurierung gelernt. Durch Zufall kam er an einen Auftrag des Museums in Schloss Wilhelmshöhe. Mittlerweile gehört er dort seit 15 Jahren zum Team der freien Mitarbeiter. Doch Kassel ist nicht sein einziger Einsatzort. Schon in Weimar hat er für ein 500 Jahre altes Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren einen speziellen Rahmen angefertigt.

Ebenso in Gotha. Dort hat jetzt das Werk „Gothaer Liebespaar“, das im Schloss Friedenstein hängt, einen von Holzhauer angefertigten Rahmen. „Dabei haben wir auch ein Feuchtigkeitsmessgerät eingebaut“, erklärt er. Daran könne man sofort feststellen, wie sich die Feuchtigkeit im Rahmen des Werks aus dem 15. Jahrhundert verändert.

Für den Selbständigen läuft es gut derzeit. Seine gute Arbeit hat sich herumgesprochen. Mehrere Museen in Thüringen haben bereits bei dem Schauenburger angefragt und haben Aufträge für ihn.

Holzhauers Arbeit im Wolfhager Regionalmuseum wird zu 60 Prozent vom Hessischen Museumsverband finanziert und 40 Prozent der Kosten trägt das Regionalmuseum selbst.

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