Suedlink beschäftigt erneut die Bürgermeister im Wolfhager Land

Thüringen schlägt Erdkabel-Trasse vor, die durch Kreis Kassel führt

Wolfhager Land. Als „untauglichen Versuch“ hat der Landkreis Kassel den Versuch des Freistaats Thüringen bezeichnet, das Erdkabel für die Gleichstromtrasse Suedlink in hessische Regionen zu verlagern, wo es dann wieder durch das Wolfhager Land verlaufen würde.

Von dieser Variante betroffen wären Breuna, Wolfhagen, Naumburg und Bad Emstal. Deshalb hatte Tennet die Kommunen angeschrieben und die Herausgabe von Daten an beauftragte Planungsbüros erbeten.

Bei den Daten handelt es sich um Baupläne und Flächennutzungspläne, die ohnehin nicht unter Verschluss sind. Aus Sicht des Landkreises Kassel spricht nichts gegen die Herausgabe der Informationen. In dem Falle sei nicht Vorhabenträger Tennet der Gegner, sondern das Nachbarbundesland. Wie Kreissprecher Harald Kühlborn sagte, sei mit dem Auftrag der Bundesnetzagentur Tennet dazu verpflichtet, den Vorschlag des Freistaates Thüringen auf seine Machbarkeit hin zu überprüfen.

Erdkabel-Korridore: Bei der dunkelblauen Linie handelt es sich um die von Tennet vorgeschlagene Vorzugsvariante für Suedlink, die durch westliche Kreise in Thüringen verläuft. Der Freistaat Thüringen schlägt eine alternative Trasse (dunkelrot) vor. Die Bundesnetzagentur hat nun Tennet aufgefordert, diese zu prüfen.  

„Wir sind jetzt nicht in heller Aufregung“, so Kühlborn. Allerdings beobachte die Kreisverwaltung sehr genau, wie sich die Planungen entwickelten. Der Landkreis Kassel und die betroffenen Kommunen sprächen sich weiterhin für die Vorzugsvariante der Stromtrasse aus, die bis zum Jahr 2025 in die Erde gegraben werden soll und die von Brunsbüttel durch Niedersachsen, Thüringen und Bayern nach Großgartach verlaufen soll. Bei bisherigen Untersuchungen hatte Tennet einer Erdkabel-Variante durch das Wolfhager Land deshalb keine Beachtung geschenkt, weil der Boden dafür ungeeignet erschien. „Man hatte damals nicht so genau auf unsere Region geschaut“, sagt Kühlborn. Nun, nach dem Vorstoß Thüringens, müssten stichhaltigere und detailliertere Fakten angeführt werden, vermutet er.

Das Bundesland Thüringen sieht in den derzeitigen Planungen für Suedlink durch Tennet das Gebot der Geradlinigkeit verletzt, das von der Bundesregierung eingeführt worden war. Das Gebot bedeute eine Orientierung an den Luftlinien zwischen den Anfangspunkten Wilster und Brunsbüttel (in der Nähe von Hamburg) und den Endpunkten in Großgartach bei Heilbronn (Baden-Württemberg) und Grafenrheinfeld (Bayern), sagte Thüringens Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, Birgit Keller, bereits im Mai dieses Jahres. Und demnach dürfe das Erdkabel gar nicht durch Thüringen verlaufen.

Rubriklistenbild: © dpa

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