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Torsten Sträter erzählt, was im Programm nicht vorkommt

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Von: Ursula Neubauer

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Mützenmann Torsten Sträter brachte das Publikum mit kunstvoller Wortakrobatik und absurden Geschichten zum Lachen
Mützenmann Torsten Sträter brachte das Publikum im ausverkauften Kulturzelt mit kunstvoller Wortakrobatik und absurden Geschichten zum Lachen.  © Ursula Neubauer

Über dreieinhalb Stunden begeisterte Comedian, Autor und Poetry-Slammer Torsten Sträter mit seinem neuen Programm „Wenn Schnee auf Ceran fällt“ das Publikum im restlos ausverkauften Kulturzelt.

Wolfhagen - Von Wolfgang Frey als derzeit angesagtester Kabarettist in Deutschland angekündigt, brechen die Zuschauer schon in tosenden Jubel aus, als Torsten Sträter mit warmer Wollmütze auf der Bühne erscheint und noch kein Wort gesagt hat. Dafür redet er dann über drei Stunden lang umso mehr und teilweise in atemberaubender Geschwindigkeit. Zunächst kokettiert er mit der Bezeichnung „angesagtester Kabarettist“ zu sein und grantelt gut gelaunt einige Zu-Spät-Gekommene an: „Ich brauch auch immer zehn Minuten, um reinzukommen!“

Sein neues Programm „Wenn Schnee auf Ceran fällt“ sei etwas sperrig, aber sehr pathetisch, mit viel Lichteinsätzen und Musikeinlagen, erzählt Torsten Sträter, und es entpuppt sich natürlich als das genaue Gegenteil. Dafür palavert er genüsslich über Themen, die eigentlich keine sein sollen, wie der Tornado in Paderborn, das aufgebauschte Gendern („Es ist nur Sprache!“) und den Unsinn von Silvesterböllern. Er erzählt lange über seinen Vater und seinen Sohn, die aber auch nicht im Programm vorkommen sollen. Seine Geschichten sind eine Mischung aus spitzfindigen Beobachtungen und Sozialkritik und beruhen, laut Sträter, auf seinem Hang zum Sammeln von Absurditäten. Er bezeichnet sich als Sprach-Nazi bei anderen. Mitunter kann der Ruhrpottler auch sehr drastisch sein, beispielsweise bei der Beschreibung der unvermeidbaren Bockwürstchen oder der Sanitäranlagen auf Autoraststätten.

Sträter ist der König der satirischen Kurzgeschichte. Herrlich, sein „Erlebnis“ mit seinem Freund und Kollegen Dieter Nuhr in Berlin, als dieser bei einer Veranstaltung im Wattebauschmantel wie eine „wandelnde Luftmatratze“ erscheint. Und obwohl er eigentlich nicht darüber sprechen wollte, nimmt Thema Corona dann doch einen breiten Raum am Abend ein. Doch Torsten Sträter wäre kein begnadeter Comedian, wenn er trotz Impfungen, Corona-Erkrankung und Auftrittsverboten dem Ganzen keine lustige Seite abgewinnen würde. So habe er sich nach dem Booster erst „unverwundbar wie ein Power Ranger gefühlt“ und die Erkrankung dazu genutzt, Netflix („Die auch die Busse haben!“) leer zu schauen. Die Zuschauer haben schon lange ihr Gesicht auf Dauer-Lach-Modus eingestellt. Überhaupt hat er das Publikum von Anfang an fest im Griff. Sträter spricht sie oft direkt an. Manchmal bescheiden: „Ich möchte nur, dass Sie mich lustig finden, dafür mache ich alles!“ oder beim Handyklingeln in der ersten Reihe: „Wie, bekommen Sie jetzt ein Fax?“

Und zur Überraschung oder Schreck der Zuschauer nimmt Torsten Sträter tatsächlich nach der Pause die Mütze ab. Hervor kommen ein kahler Schädel und Meister des „Running Gags“. So verspricht er ab 22 Uhr, dass bald Schluss sei, und er müsse noch schnell die Geschichte mit seinem Steuerberater, mit vielen Unterbrechungen, erzählen. Nach 23 Uhr ist dann wirklich (fast) Ende mit dem Programm. Denn nach der Aufforderung das Publikums um eine Zugabe, erscheint er nochmal auf der Bühne. „Ihr habt das doch gewollt“, witzelte er, weil eben schon Gäste im Aufbruch waren. Die jedoch ließen sich auch die letzten Zoten nicht entgehen und blieben erwartungsvoll stehen. Wenn es nach ihnen gegangen wäre, hätte Torsten Sträter die ganze Nacht weitermachen können, bevor er sich vielleicht doch noch in einen Power Ranger verwandelt hätte.

Von Ursula Neubauer

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