Sammler gehen leer aus

Trockenheit und Hitze haben das Wachstum der Pilze gestoppt

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Vorstellung einer Broschüre zur Pilzsaison: Jörn Hödtke (Pilzsachverständiger) und Dr. Karin Müller (Leiterin Gesundheitsamt) präsentierten die neu aufgelegte Publikation.

Wolfhager Land. Die Wälder im Altkreis Wolfhagen sind bei Pilzsammlern beliebt. Doch bisher kehren sie mit leeren Körben zurück. Pilz-Experten sprechen von einem der schlechtesten Pilzjahre seit mindestens 50 Jahren.

Gründe sind die anhaltende Hitze und Trockenheit. Seit Februar gibt es unterdurchschnittlich wenig Niederschlag.

Ab Spätsommer werden üblicherweise meist Pilze gesammelt. Statt Sommer-Steinpilzen und Pfifferlingen sei derzeit im Wald höchstens der Buchen-Schleimrübling zu finden, sagt Pilzexperte Roman Krettek aus Wolfhagen. Der wächst nur in feuchten Bachtälern und Waldquellgebieten. „Diesem holzzersetzenden Gewächs macht das Wetter wenig aus“.

Pilze wachsen unter der Erde in Symbiose (Gemeinschaft) mit Bäumen. Mit ihren unterirdischen Geflechten sammeln Pilze Wasser und geben das an ihre Partner, die Bäume, weiter. Im Gegenzug liefern die Bäume Zucker. Erhalten die Bäume wenig Wasser, können sie auch nur wenig Zucker abgeben, erklärt Krettek. Schlechte Voraussetzungen also für das unterirdische Pilz-Wachstum.

Abhilfe könnten mehrere tagelange Regenphasen schaffen, die mit warmen Perioden abwechseln, sagt der Pilzkenner. Der Waldboden sei aber extrem ausgetrocknet und die Feuchtigkeit müsse erst mal durch die Blätter zum Boden gelangen. „Das Klima der vergangenen Tage ist gut für das Pilzwachstum.“ Deshalb hat Krettek noch Hoffnung für den Herbst.

Eigentlich gibt es Speisepilze von Januar bis Dezember. Nur im Winter habe es eine normale Ernte gegeben. Schon bei den Morcheln – die von März bis Mitte Mai wachsen – war die Ausbeute gering.

Ein Vorteil: Ohne Pilze gibt es weniger Vergiftungsnotfälle. Bei den Giftnotrufzentralen ist es in diesem Jahr ruhiger als sonst.

Nur für den Eigenbedarf sammeln

Privatpersonen dürfen Pilze nur in geringer Menge für den persönlichen Bedarf mitnehmen. Gewerbliches Sammeln ist nicht erlaubt. Pilze gehören rechtlich dem Waldbesitzer. Wer mit mehreren Kilos im Wald erwischt wird, riskiert ein Bußgeld von bis zu 5000 Euro. Geschützte Arten wie Rotkappen, Morcheln, Pfifferlinge und Steinpilzen dürfen laut Bundesartenschutzgesetz nur in geringer Mengen zum eigenen Bedarf gepflückt werden. Als geringe Pilzmenge gilt je nach Region das, was für ein bis zwei Mahlzeiten ausreicht. Seltene Arten wie Trüffel und Grünlinge dürfen gar nicht gesammelt werden. 

Gesucht werden darf an öffentlich zugänglichen Stellen im Wald. In eingezäunte Bereichen oder dort wo Holz geschlagen wird ist es verboten. Auch da wo Schilder zum Beispiel auf Naturschutzgebiete hinweisen. 

Nur Bekanntes in den Korb: Pilzsachverständiger Hödtke gibt Ratschläge

Spätestens im August werden viele Pilzsammler nervös: Je nach Wetterlage startet üblicherweise ihre Sammelsaison. Pfifferlinge und Sommersteinpilze kündigen sich zu dieser Zeit an – zumindest bei normaler Wetterlage. „Der Flockenstielige Hexenröhrling sprießt zu dieser Zeit“, sagt Jörn Hödtke aus Schauenburg. Allerdings mit einer Einschränkung: „Wenn es regnet.“ 

Zum Saisonstart hat der ehrenamtlich tätige Pilzberater der Stadt Kassel und anerkannte Pilzsachverständige die Informationsbroschüre „Pilze – Naturliebe durch Naturkenntnis – Tipps zum Pilzesammeln“ überarbeitet. Gemeinsam mit Amtsleiterin Dr. Karin Müller hat Hödtke die überarbeitete Broschüre des Gesundheitsamtes Region Kassel vor Kurzem vorgestellt. 

„Unser Ziel ist es, die Lust am Pilzesammeln auf eine gesunde und naturverbundene Art zu fördern und Pilzvergiftungen zu vermeiden“, sagte Müller. Die Medizinerin unterstreicht, dass Speisepilze besonders gesunde Nahrungsmittel sind: reich an Eiweiß, Kalium, Eisen und vielen Vitaminen. 

In der Broschüre kann man auf 15 Seiten „grundlegendes Wissen“ zum Thema Pilzesammeln erfahren. Das beginnt beim naturschonenden Sammeln, geht über die Bedeutung von Pilzen für die Natur und endet beim Hinweis auf Fortbildungen zum Thema Pilze. „Was die Publikation nicht ersetzt, ist ein Bestimmungsbuch“, betont Hödtke. Der Schauenburger weist auf die Notwendigkeit hin, beim Pilzesammeln sorgfältig vorzugehen. Jedes Jahr sterben bundesweit ein Dutzend Menschen an Pilzvergiftungen. Auch in der Region Kassel habe es schon Todesfälle gegeben. Beispielsweise weil Menschen den hochgiftigen Grünen Knollenblätterpilz gesammelt und dann gegessen haben. 

Viele Menschen gingen „in grober Unkenntnis“ auf die Pilzsuche in Wald und Flur, mahnt der Pilzexperte zu besonderer Vorsicht beim Sammeln. 

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