„Unglücklichste aller Entscheidungen“

Kommunen kritisieren Betreuungsregeln für Kitas im Lockdown

Eltern, die die Betreuung ihrer Kinder nicht selbst gestemmt bekommen, können den Nachwuchs in den Kitas abgeben. Von dieser Möglichkeit wird auch im Wolfhager Land Gebrauch gemacht.
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Eltern, die die Betreuung ihrer Kinder nicht selbst gestemmt bekommen, können den Nachwuchs in den Kitas abgeben. Von dieser Möglichkeit wird auch im Wolfhager Land Gebrauch gemacht.

Das Land Hessen überlässt es den Eltern, ob sie ihren Nachwuchs während des Corona-Lockdowns in Kitas, Krippen oder von Tagesmüttern betreuen lassen.

Wolfhager Land - Wirklich glücklich sind die Erzieherinnen und Träger der Einrichtungen mit dieser Regelung nicht. Von ihnen wird ein Höchstmaß an Flexibilität verlangt.

Letztlich sei an die Eltern lediglich ein eindringlicher Appell ergangen, die Kinder möglichst zu Hause zu lassen, sagt Wolfhagens Hauptamtsleiter Kai Liebig. Und das bedeutet im Umkehrschluss: „Man dürfte das Kind in die Kita bringen.“ Und dies tat in Wolfhagen am Montag knapp die Hälfte der Eltern. Etwa 40 Prozent der Kinder wurden in den Einrichtungen von Stadt und freien Trägern betreut. Aktuell haben dort insgesamt 450 Mädchen und Jungen einen Platz in einer Krippe oder Kita.

Liebig hätte sich für den neuerlichen Lockdown eine klarere Ansage vom Land gewünscht, nicht diese, wie er sagt, „windelweiche“. Als im vergangenen Frühjahr Kitas und Schulen aufgrund des Infektionsgeschehens schon einmal hatten geschlossen werden müssen und nur die Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen die Kitas besuchen durften, sei die Situation besser gewesen.

In der Gemeinde Habichtswald hat die Auslastung der Kitas in Ehlen und Dörnberg am Wochenanfang gar bei mehr als 50 Prozent gelegen. Dort mehrten sich nach Angaben von Bürgermeister Thomas Raue auch die Stimmen aus der Elternschaft, die Gebühren ersetzt haben zu wollen, sofern sie sich selbst um ihre Kinder kümmerten. Dazu hat das Land gestern erklärt, Familien und Kommunen mit zwölf Millionen Euro pro Monat unterstützen zu wollen. „Wenn keine Betreuung in der Kita erfolgt, ist es richtig, dafür auch keine Beiträge zu erheben“, so Finanzminister Michael Boddenberg und Sozialminister Kai Klose.

Habichtswalds Rathauschef vermisst bei der aktuellen Regelung klare Vorgaben und Kriterien. „Ohne sie werden wir es nicht schaffen, dass eine Betreuung nur in aller größter Not in der Kita erfolgt.“

Kritik kommt auch aus dem Zierenberger Rathaus. Die flexible Vorgabe des Landes sei „die unglücklichste aller Entscheidungen“, sie sorge dafür, dass Kitas weiter offen bleiben müssten und Erzieherinnen nicht in Kurzarbeit geschickt werden könnten, sagt Bürgermeister Rüdiger Germeroth.

Naumburgs Verwaltungschef Stefan Hable zeigt hingegen mehr Verständnis für die aktuellen Betreuungsoptionen. Bund und Länder hätten sich darauf geeinigt, die Zahl der Kinderkrankentage in diesem Jahr zu verdoppeln. Statt zehn Tagen könne sich ein Elternteil nun 20 Tage krankschreiben lassen. In der Summe seien dies 40 Tage. Eltern könnten dieses Angebot für die Betreuung ihrer Kinder nutzen und so die Kitas entlasten. Zudem gebe es eine Ausnahme bei den Kontaktbeschränkungen. Sie erlaube es drei Familien eine Betreuungsgemeinschaft für den Nachwuchs zu bilden.

Die Auslastung der Kitas in den sechs Altkreiskommunen variierte zu Wochenbeginn. Es wird eine steigende Tendenz erwartet.

Breuna: Die Auslastung lag in allen drei Kitas zwischen knapp zehn und 20 Prozent. Bad Emstal: Die vier Einrichtungen in Sand und Balhorn wurden zu 40 Prozent genutzt. Habichtswald: Die Auslastung in Ehlen und Dörnberg lag bei über 50 Prozent. Naumburg: In Elbenberg wurden 43 Prozent der Kinder, in Altenstädt 50 Prozent und in Naumburg 25 Prozent betreut. Wolfhagen: 40 Prozent wurden betreut. Zierenberg: Betreuungsquote in Zierenberg war bei 27 Prozent, in Burghasungen bei 35 und in Oberelsungen bei 29 Prozent. (Antje Thon)

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