„Schon die Teilnahme ist ein Erfolg“

Unterwasserrobotik-AG der Filchner-Schule fliegt zur WM nach Seattle

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Die Unterwasserrobotik-AG der Wilhelm-Filchner-Schule mit (von links) Ivo Müller, Lehrer Carsten Müller, Jannis Küstner, Stefan Schinköthe, Florian Beinsen, Mikka Hiesl und Sarah Engel nimmt vom 21. bis 23. Juni mit ihrem Unterwasserroboter an der Weltmeisterschaft in Seattle teil.

Wolfhagen. Als Schüler zu einer Weltmeisterschaft reisen? Das wird für die Unterwasserrobotik-AG der Wilhelm-Filchner-Schule Wolfhagen nun Wirklichkeit.

Sie hat einen Unterwasserroboter gebaut, mit dem sich reale Ereignisse simulieren lassen, und reist vom 18. bis 24. Juni zum internationalen Wettbewerb der Organisation MATE nach Seattle in den USA.

Anstoß zur AG hatte ein Lehrer gegeben, der zuvor bei einer Schule in Hongkong gelehrt und die Idee dort aufgeschnappt hatte. „Wir wurden im Chemie-Unterricht darauf aufmerksam gemacht und sind dann ohne Kenntnisse hingegangen. Die haben wir uns erst später angeeignet“, berichtet Stefan Schinköthe, der als Chef der AG wirkt. Eine Voraussetzung für die Teilnahme an dem Wettbewerb war, dass sich die AG wie ein Unternehmen aufbauen muss. Die Arbeitsgemeinschaft nennt sich „G-Karere“, jeder der sechs Schüler übernimmt eine administrative Aufgabe. Auf ihrem Youtube-Kanal kann man sich Videos ansehen.

Der Roboter enthält mehrere Motoren, mit denen er sich unter Wasser bewegen kann. Zudem verfügt er über einen Greifarm, ein Luftröhrchen und eine interne Kamera. „Wir simulieren modellartig Arbeiten, die nach fiktiven Geschehnissen wie Flugzeugabstürzen, Erdbeben oder bei Platzierungen von Wasserturbinen notwendig sind“, zählt Sarah Engel auf. Gesteuert wird das Elektronikwunder über Netzwerkkabel mit einem Playstation-Controller.

Der Unterwasserroboter der Wilhelm-Filchner-Schule geht auf Tauchgang im Wolfhager Freibad. Hier wurde das Technikwunder getestet. Vom 18. bis 24. Juni reisen die sechs Schüler der AG nach Seattle.

Der erste Bauversuch im vergangenen Jahr funktionierte nicht  optimal und war undicht. Der zweite Anlauf, der seit Ende September läuft, funktioniert nun. Getestet wurde der Roboter außerhalb der Öffnungszeiten im Wolfhager Freibad.

Nach der Anmeldung musste der „underwater robotics club“ ein Bewerbungsvideo einschicken, auf dem sämtliche Funktionsweisen dargestellt werden. Grund hierfür war, dass der nächste lokale Ausscheidungswettbewerb in Schottland stattgefunden hat. „In Europa ist die Unterwasserrobotik eher eine kleine Sparte. Deshalb konnte man sich auch per Video bewerben und musste nicht nach Schottland reisen“, berichtet Lehrer Carsten Müller. „Am 15. Mai bekamen wir dann die Mitteilung, dass wir uns qualifiziert haben“, erzählt er.

Die Siegchancen schätzen die Schüler als eher gering ein: „Andere Schulen auf dem amerikanischen oder asiatischen Kontinent haben ganz andere finanzielle Möglichkeiten. Für uns ist schon die Teilnahme mit geringen Ressourcen ein Erfolg“, sagt Engel. Einfach geschlagen geben wollen sich die Schüler aber nicht. „Es entscheiden mehrere Faktoren über die Wertung. Wichtig sind die Ausführung des Parcours in Seattle, die Dokumentation zuvor sowie die Präsentation des Roboters“, erzählt Ivo Müller. Fähigkeiten in Vermarktung, Englisch und Teamgeist zählen auch dazu. Die Schüler waren weit über die Schulzeiten hinaus beschäftigt. „Sie haben eine vorbildliche Gruppendynamik entwickelt. Teilweise waren sie sechs bis acht Stunden im Schwimmbad im Einsatz“, sagt Lehrer Müller. Großer Dank gelte auch Wolfhagens Bademeister Sven Gulau, der die Übungsstunden möglich gemacht habe.

Günstig wird das Unterfangen für die Schüler nicht: Die Kosten für Flug und Hotel in den USA müssen sie selbst übernehmen, die Finanzierung der Roboterteile hatte die Schule gestellt. Bei 40 Euro allein für jeden der acht Motoren kam eine stattliche Summe zusammen. „Wir suchen noch nach Sponsoren, die uns unterstützen wollen. Auch der Roboter selbst ist noch recht ‘nackt’ und bietet Platz für Werbeflächen“, stellen die Schüler fest.

Der Roboter wird unter Wasser über Netzwerkkabel mit einem Playstation-Controller gesteuert.

Die Wilhelm-Filchner-Schule baut ihren naturwissenschaftlichen Sektor weiter aus. „Die Schule bietet mit ihren Musikklassen sowie im Sport- und Kunstbereich ein ausgeprägtes Angebot und hat in diesen Bereichen schon viele Erfolge gefeiert“, sagt Lehrer Carsten Müller. Die Schule wolle im naturwissenschaftlichen Bereich sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unterrichts Aktivitäten anbieten und so projektbezogenes und selbstständiges Arbeiten stärker fördern. Von der Mittelstufe an werden technikbezogene Arbeitsgemeinschaften angeboten. Die Unterwasserrobotik-AG ist ein Teil davon und erreicht nun den ersten Höhepunkt.  „Aus Deutschland sind wir die einzigen Teilnehmer“, berichtet Müller, der die AG mitbetreut. Die technische Herausforderung für die Schüler bestand im Bau eines Roboters, mit dem sich reale Ereignisse simulieren lassen. 

Hier das Bewerbungsvideo der AG:

Hintergrund

Veranstaltet wird der Wettbewerb vom „Marine Advanced Technology Education (MATE) Center“, welches 1997 von mehreren Organisationen in den USA gegründet wurde, um Schülern maritime Technologie näher zu bringen. Jährlich gibt es einen Wettbewerb in verschiedenen Klassen, die sich in den Kriterien Gewicht, Größe und Leistung unterscheiden. Die Filchner-Schule tritt in der sogenannten „Ranger“-Klasse an. Der Wettbewerb wird im „Weyerhaeuser King County Aquatic Center“ veranstaltet, wo sonst sportliche Großereignisse stattfinden. Hier wird ein Unterwasser-Parcours aufgebaut sein, den rund 40 Teams absolvieren.

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