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Uwe Zindel, Leiter des Forstamtes Wolfhagen, geht in Ruhestand

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Von: Antje Thon

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Forstdirektor Uwe Zindel, seit 16 Jahren Leiter des Forstamtes Wolfhagen, geht Ende dieses Jahres in den Ruhestand.
Forstdirektor Uwe Zindel, seit 17 Jahren Leiter des Forstamtes Wolfhagen, geht Ende dieses Jahres in den Ruhestand. Das © Antje Thon

Der langjährige Leiter des Forstamtes Wolfhagen, Uwe Zindel, geht zum Jahresende in den Ruhestand.

Wolfhagen – Vor einem halben Jahr war der Abschied weit weg, nun steht er unmittelbar bevor: Uwe Zindel verlässt das Forstamt Wolfhagen, das er gut 16 Jahre lang geleitet hat. Er geht zum Jahresende in den Ruhestand. Während seiner Zeit als Forstdirektor in Wolfhagen haben Stürme, Borkenkäfer, Klimaveränderungen dem Wald zugesetzt, Zindels Zuversicht konnten sie jedoch nichts anhaben.

Dass dies nur die halbe Wahrheit ist, weiß auch der Forstwissenschaftler, der an der Universität Göttingen studierte und im Januar 66 Jahre alt wird. Denn für viele der alten Buchen, von denen es in den Wäldern im Landkreis und rund um Kassel jede Menge gibt und die diese Landschaft so sehr prägen, könnten die wiederkehrenden trockenen Frühjahre und Sommer tödlich enden.

Der Wald war für Zindel schon immer ein Sehnsuchtsort. Aufgewachsen am Meißner zog es ihn bereits als Kind in jeder freien Minute in die Natur. Von dort brachte er Eicheln und Bucheckern mit, pflanzte sie in Töpfe und beobachtete ihr Wachstum. Damals war für ihn klar, dass er die Bindung zur Natur niemals aufgeben und er dem Wald sein Berufsleben widmen würde. Der Plan ging auf. Allerdings verlagerte sich sein Arbeitsschwerpunkt mit der Zeit vom draußen ins drinnen. Und so modellierte er den Forst zunehmend vom Schreibtisch aus. Zuletzt verbrachte er 80 Prozent seines Jobs im Büro. Für den Naturfreund und Jäger ein akzeptabler Kompromiss, solange er so etwas für den Wald tun konnte.

Der Hann. Mündener kam 2006 nach Wolfhagen – eine Zeit, in der es nach dem Waldsterben durch den sauren Regen wieder spürbar bergauf ging. Die Niederschläge waren für den Wald noch auskömmlich, allerdings gab es erste dürre Sommer und Stürme. Heute weiß Zindel, dass das die Vorboten der klimatischen Veränderungen waren. Ein einschneidendes Erlebnis war 2008 eine Urlaubsreise nach British Columbia. Statt in der erwarteten grenzenlosen Wildnis fand sich Zindel in toten Wäldern wieder, durch die sich Käfer gefressen hatten. „Damals habe ich noch gedacht: Das kann uns nicht passieren.“ Als Kyrill im Jahr 2007 in den Revieren seines Forstamtes Nadelbäume zu Fall brachte, konnten sie durch die rasche Aufarbeitung des Holzes einer drohenden Borkenkäferplage noch einmal entkommen.

Doch der Klimawandel kam und gewann mit jedem Jahr an Kontur. Mal färbte sich das Laub der Buchen bereits im August gelb, im Winter zogen Stürme über die Region, im Sommer blieb der Regen aus – seit 2018 steht der Wald unter Dauerstress. Zindel reagierte. „Es wurde für mich zur besonderen Herausforderung, mit dem Team in Wolfhagen an der Stabilität unserer Wälder zu arbeiten.“ Die Wälder sollten für das, was da noch kommen mag, robuster werden. Und robust heißt: Durchmischte Strukturen hinsichtlich Alter und Art. Den Wald einfach wachsen zu lassen ist keine Lösung. „Überdichtete, einförmige Hallenstrukturen aus spargeligen Bäumen mit kleinen Pinselkronen und wenig Wurzelmasse“ wären die Folge. In mangelversorgten Wäldern hätten Stürme und Pilze leichtes Spiel. Frühe Konkurrenzentnahmen sorgen hingegen dafür, dass sich die Bäume entfalten und anpassen können.

 „Wir müssen auf dem Vielfaltsklavier spielen“, sagt der 65-Jährige. Das heißt für ihn, wo immer es geht, bei Neuanpflanzungen auf Diversität setzen. Doch die Decke an heimischen Baumarten ist dünn wie Pergament: 14 Laubbaum- und vier Nadelbaumarten sind von den etwa 200 Arten geblieben, die vor der Eiszeit einst in Mitteleuropa wuchsen. Zindel hat daher immer wieder auch Experimente gewagt, etwa im Hohen Habichtswald bei Kassel und am Isthaberg. Dort hat er 6000 Sämlinge von Atlaszedern aus dem Mittelmeerraum in den steinigen Boden setzen lassen. Sie geben Anlass zur Hoffnung, wie auch die Erkenntnis, dass nach seinen Recherchen, in den Wäldern des Forstamtes noch keine Tier- oder Pflanzenart ausgestorben sei.

Waldaufbau und Forstwirtschaft gehören für Zindel zusammen, gerade in der Klimakrise: Holz müsse weiterhin als Rohstoff genutzt werden. Es könne Kunststoffe, Metalle und Beton ersetzen, deren Herstellung energieintensiv sei. Je mehr Holz in langlebigen Produkten verarbeitet werde, je effizienter und vielfältiger auch die Wiederverwendung des Materials sei, desto mehr klimaschädliches CO2 werde gebunden.

Der scheidende Forstamtsleiter hat in diesen Tagen die Geschäfte an Nachfolgerin Dr. Claudia Gutsche-Stohldreier übergeben. Und er verspricht mit einem Lächeln, „ich werde nicht als Schatten über der neuen Struktur stehen“. Zurückkehren in die vielen schönen Ecken des Habichtswaldes wird er allerdings schon. Dann aber in Wanderkluft und mit einer vielleicht kindlichen Neugier darauf, wie sich sein Wald künftig entwickeln wird. (Antje Thon)

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