Vereinsarbeit und Corona

Jeder singt nun eigenständiger: Zierenberger Chöre „Just Voices“ und „Die Stimmen“ proben mit Abstand

Eine Frau mit langen dunklen Haaren blickt auf Notenblätter, im Hintergrund sind verschwommen sitzende Menschen zu sehen.
+
Endlich wieder singen, aber mit Abstand: Die Mitglieder der Zierenberger Chöre treffen sich unter strenger Einhaltung ihrer Hygieneregeln wieder zu regelmäßigen Proben und sind optimistisch, im neuen Jahr wieder öffentlich auftreten zu können.

Corona hat in vielen Bereichen das gesellschaftliche Leben zum Erliegen gebracht. Doch die Not hat auch Kreativität freigesetzt. Wie Vereine und Gruppen mit der Krise umgehen, zeigen wir in unserer neuen Serie.

Zierenberg – Nähe beim Singen ist kaum mehr möglich. Abstand lautet nun die Devise bei den Mitgliedern der Zierenberger Chöre „Just Voices“ und „Die Stimmen“, seit sie sich nach ihrer Corona-Zwangspause wieder zum Proben treffen.

Doch sie sind froh, überhaupt wieder zusammen singen zu dürfen. „Die letzten Proben fanden am 10. und 11. März in gewohnter Form in unserem Bürgerhaus statt, danach war erst einmal Schluss“, erinnert sich Hans-Joachim Stricker.

„Plötzlich gab es keine Gespräche mehr mit vertrauten Menschen“, sagt Hans-Joachim Stricker, Vorsitzender des Gesangvereins Zierenberg.

Von den Sängern habe das niemand so richtig glauben können, sei es schließlich nie nur ums Singen gegangen. „Plötzlich gab es keine Gespräche mehr mit vertrauten Menschen, kein Austausch von Meinungen, keine Ständchen für Geburtstagskinder“, so der Vorsitzende, für den der Verzicht auf Lieb gewonnenes auch persönlich kaum vorstellbar war, mussten nun schließlich nicht nur zahlreiche Auftritte und die Fahrt zum Gesangvereinstreffen nach Kirchberg in Tirol abgesagt werden, auch die große „Sommernacht der Chöre“ im Kirchgarten des Warmestädtchens.

Weil ein Leben ohne Singen für Stricker, seine Vorstandskollegen und Chorleiter Andreas Kowalczyk aber unvorstellbar ist, wurden sie kreativ und verlegten kurzerhand zumindest die „Just Voices“-Übungsstunden auf den Marktplatz.

Zwei Meter Abstand zueinander galt es einzuhalten, „was wirklich ungewöhnlich war, insbesondere, weil wir draußen sangen“, blickt Kowalczyk zurück. „Das nahm fast die gesamte Breite des Platzes ein, was nicht nur für mich gewöhnungsbedürftig und eine echte Herausforderung war.“

Muss sich an die „neue Normalität“ erst noch gewöhnen: Chorleiter Andreas Kowalczyk setzt trotz aller Auflagen auf persönliche Proben, Alternativen per Onlineschalte liefern für ihn „kaum überzeugende Ergebnisse“.

Herausforderungen durch Corona bringen auch Chancen

Sich gegenseitig zu hören, sei auch für die Chormitglieder überaus schwierig gewesen, dennoch habe es viel Spaß gemacht. Während sich die Voices schon wieder am Singen erfreuen durften, mussten sich die älteren Semester der Stimmen noch in Geduld üben. Sie proben seit August wieder, wie immer im Bürgerhaus, doch nun mit durchdachtem Hygienekonzept und spezieller Sitzordnung.

Auch wenn in beiden Chören die Freude groß ist, endlich wieder gemeinsam singen zu dürfen, hat Corona laut Kowalczyk doch vieles verändert: „Einige Mitglieder sind noch immer sehr zurückhaltend, wohl auch aus Angst vor einer Ansteckung“, so der Chorleiter, der nun für Vertrauen wirbt, damit auch die Bedenken einzelner Sänger überwunden werden können. „Wir haben ein gutes Hygienekonzept erarbeitet und mit der Stadtverwaltung abgestimmt, unnötige Risiken während der Chorproben können wir so vermeiden.“

Dass regelmäßiges Training für den Klang eines Chores unverzichtbar ist, zeige auch die Tatsache, dass viele Sänger ihre Stimmen als „eingerostet“ empfunden und sich beim Singen kurzatmiger als sonst gefühlt hätten.

„Das hat sich mittlerweile aber normalisiert“, freut sich Kowalczyk und berichtet sogar von einer positiven Auswirkung der Corona-Hygieneregeln: „Die Sicherheitsabstände sorgen dafür, dass jeder viel eigenständiger singen lernt, außerdem verteilt sich der Klang im Probenraum jetzt noch besser, alles klingt insgesamt voller, die Intonation ist sauberer, die Einsätze kommen präziser.“ Und all das, obwohl Nähe beim Singen kaum mehr möglich ist.

Chor sucht weitere Mitglieder

Die rund 25 Sänger im Chor „Die Stimmen“ und an die 30 im Chor „Just Voices“ freuen über neue Mitsängerinnen und -sänger, ein Vorsingen ist nicht erforderlich. „Die Stimmen“ treffen sich zu ihren Übungsstunden immer dienstags ab 20 Uhr im Zierenberger Bürgerhaus, die „Just Voices“ mittwochs um 18 Uhr. Ansprechpartner und Repertoire unter gesangverein-zierenberg.de. (Sascha Hoffmann)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.