Erleichterung bei Händlern

Verlängerung des Lockdowns mit leichten Lockerungen im Wolfhager Land

Inhaber Ernst Pötter steht vor seinem Geschäft Spiel und Freizeit Pelz.
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Öffnet für angemeldete Kunden: Spiel und Freizeit Pelz in Wolfhagen. Inhaber Ernst Pötter sieht in den Lockerungen einen ersten Schritt in die richtige Richtung.

Hessen wagt ab Montag weitere vorsichtige Öffnungsschritte des Corona-Lockdowns.

Wiesbaden/Wolfhager Land – Unter anderem sollen die Beschränkungen bei privaten Kontakten etwas gelockert werden. Unter strengen Vorgaben und mit einem persönlichen Termin darf man wieder in einem Geschäft einkaufen. Für Kinder unter 14 Jahren wird Sport im Freien erleichtert, und auch Besuche in Zoo oder Museum sind wieder möglich.

Grundsätzlich wird der Lockdown angesichts weiter hoher Infektionszahlen bis zum 28. März verlängert.

„Worauf wir uns vonseiten der Länder in den langen Verhandlungen mit dem Bund verständigt haben, ist ein Kompromiss“, erklärte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) nach einer Sitzung des Corona-Kabinetts. „Denn wir müssen weiterhin vorsichtig sein, um das Erreichte nicht zu gefährden.“

Ab Montag hat jeder Bürger Anspruch auf einen kostenlosen Schnelltest pro Woche – unabhängig von möglichen Covid-19-Symptomen. Der Test ist nach den Worten von Bouffier etwa beim Arzt, in der Apotheke oder im Testzentrum möglich.

Für Ernst Pötter, Inhaber von Spiel und Freizeit Pelz in Wolfhagen, sind nun die Lockerungen ein erster Schritt in die richtige Richtung. Für ihn sei es positiv, dass die Kunden wieder in den Laden dürfen. Dennoch sei die Art und Weise, wie die Kunden in den Laden dürfen, fraglich. „Ich weiß nicht genau, was ich von so einer Voranmeldung halten soll“, sagt Pötter. Er frage sich, ob dieses Angebot wirklich genutzt werde und ob dadurch mehr Kunden kommen. Insgesamt habe er sich aus den Corona-Beschlüssen wirklich mehr erhofft. „Ich hätte meinen Laden gerne richtig aufmachen wollen, denn für Kinder ist ein Spielwarenladen so systemrelevant, wie es ein Baumarkt für Erwachsene ist“, so der Inhaber.

Elke Müldner hingegen ist sichtlich froh, dass sie am Montag ihre Buchhandlung Mander in Wolfhagen wieder öffnen darf. „Die Lockerungen sind richtige Schritte nach vorne“, sagt Müldner. Bis dahin hatte sie in ihrem Geschäft Kunden die Möglichkeit zur Bestellung und Abholung angeboten. (wet/bec/dpa)

Unklare Regelungen verunsichern

Wolfhager Land – Bund und Länder haben neue Beschlüsse zur Coronapandemie verkündet. Dabei geht es um Lockerungen in bestimmten Bereichen, aber auch um die Einbindung von Hausärzten ins Impfprogramm. Wir haben uns bei den Betroffenen dazu umgehört.

Impfen bei Hausärzten

Wie genau das mit dem Impfen bei Hausärzten laufen soll, das konnte Kreissprecher Harald Kühlborn am Donnerstag noch nicht sagen. Es gebe bislang kein genaues Datum und auch keine Details zum Ablauf. „Wir warten noch auf Informationen.“ Beispielsweise müsse die Frage geklärt werden, welcher Impfstoff in den Praxen verabreicht werden solle und auch, wie diese den damit verbundenen bürokratischen Aufwand erledigen sollen. Man gehe davon aus, dass eine Verteilung des Impfstoffes über das Kreis-Impfzentrum in Calden laufen werde – aber Genaueres werde man wohl frühestens nach der Kommunalwahl wissen, lautet Kühlborns Einschätzung.

Für den Wolfhager Internisten Dr. Matthias Hughes, der gemeinsam mit Christoph Thielemann und Olga Ruf in Wolfhagen in einer Berufsausübungsgemeinschaft praktiziert, ist es völlig unverständlich, warum die niedergelassenen Ärzte nicht längst Teil des Impfbetriebs sind: „Wir sind die Impfspezialisten. Wir impfen seit Jahrzehnten. Wir haben die Fachkenntnis, die Infrastruktur und kennen unsere Patienten bestens.“ Zwar gebe es je nach Impfstoff bestimmte Dinge – etwa bei der Zubereitung einer Dosis – zu beachten, aber das sei alles organisierbar.

Die niedergelassenen Ärzte hätten es geschafft, laut Hughes, innerhalb von zwei Monaten fast 30 Millionen Dosen des Grippeimpfstoffs im laufenden Praxisbetrieb zu verabreichen. „Da schafft man es auch, den Corona-Impfstoff in die Oberarme zu bringen“. Nach seiner Schätzung wäre die Republik, wie er sagt, mit Unterstützung der niedergelassenen Ärzte „in 100 Tagen durchgeimpft“ – sofern genügend Impfstoff zur Verfügung stehe.

Nagelstudios

„Bei uns stehen seit gestern die Telefone nicht mehr still“, sagt Catherine Frimmel, die mit ihrem Zierenberger Unternehmen Catherine Nail Collection tausende Nagelstudios in ganz Deutschland beliefert. Die Freude bei ihren Kunden sei riesig nach Monaten der Zwangsschließung. Viele seien allerdings auch noch skeptisch und trauten dem Frieden nicht, viele seien nun gespannt auf die Beschlüsse der jeweiligen Länder. Eines aber ist laut Frimmel sicher: „Hinsichtlich Hygiene sind unsere Kunden bestens aufgestellt, und das nicht erst seit Corona.“

Lockdown mit Lockerungen: In der Buchhandlung Mander in Wolfhagen öffnen sich am Montag die Türen für die Kundschaft. Darauf freut sich Buchhändlerin Elke Müldner.

Einzelhandel

Die Regelungen für Gartenmärkte war in Hessen bisher unterschiedlich. In Wolfhagen zum Beispiel hatte das Gartencenter Bachmann geöffnet. Alles unter strengem Schutzkonzept.

Im Baumarkt in Werkers Welt in Wolfhagen durften Kunden nur ihre telefonischen Vorbestellungen abholen. Jetzt dürfen auch sie wieder öffnen. Marktleiter Benedikt Pfeil ist froh, wieder für seine Kunden da sein zu dürfen. „Es ist schön, dass man Kunden wieder in den Laden lassen darf.“ Doch generell fehle ihm die Einheitlichkeit in den Corona-Maßnahmen für die gesamten Einzelhändler. „Ich hätte es besser gefunden, wenn für alle Einzelhändler die gleichen Maßnahmen gelten würden und somit alle normal öffnen könnten“, so Pfeil.

Ernst Pötter, Inhaber von Spiel und Freizeit Pelz in Wolfhagen, findet die Lösung, dass Kunden nur mit einer Voranmeldung in das Geschäft dürfen, schwierig und fragt sich, was genau darunter zu verstehen sei. „Für mich ist eine Voranmeldung, wenn jemand an meine Ladentür klopft und fragt, ob er rein kann“, sagt Pötter. Wenn niemand anderes im Laden ist, dann würde er ihn auch reinlassen. Eine Voranmeldung sei für ihn in Wolfhagen sowieso nicht wirklich sinnvoll, da bei den Läden nicht so ein riesiger Andrang sei, wie in einer Großstadt.

Elke Müldner, Inhaberin der Buchhandlung Mander in Wolfhagen, fühlt sich ein Stück weit auch besonders, denn sie gehöre nun auch zu den systemrelevanten Geschäften, die direkt am Montag wieder aufmachen dürften. „Es ist einfach schön zu sehen, dass sich endlich wieder etwas bewegt“, sagt die Inhaberin. Bezüglich der Corona-Maßnahmen, die in den einzelnen Geschäften weiterhin gelten, habe sie vollstes Vertrauen, dass dies alles funktionieren wird.

Freizeit und Museen

„Wenn die Inzidenz so niedrig bleibt wie zurzeit, können wir öffnen“, sagt die Leiterin des Regionalmuseums Wolfhager Land, Beate Bickel. Was ihr bevorsteht: „Ich muss dann ständig nach den Inzidenzen sehen.“ Aber wie auch immer: „Ich bin am Dienstag auf jeden Fall da. “ Sie könne Besuchern dann zur Verfügung stehen. „Unter der Woche wäre es für uns kein Problem.“ Was eine Öffnung am Wochenende angeht, sei sie noch unschlüssig. „Wir haben überwiegend ehrenamtliches Aufsichtspersonal, das altersbedingt zur Risikogruppe zählt.“

Gastronomie

Für Achilles Kamberis ist das Thema Öffnung der Außengastronomie derzeit aus wirtschaftlicher Sicht nicht von sehr großer Bedeutung. Auch wenn er für die Aufwertung seines Außenbereichs gerade Größeres in Vorbereitung hat: So wird in Kürze ein festes Dach über dem Bereich vor seinem Restaurant Kreta in Wolfhagen installiert, wofür er seit 15 Jahren bei der Denkmalbehörde gekämpft habe. Die volle Platzzahl könne er ja derzeit nicht zur Verfügung stellen. Kamberis sagt aber: „Es ist der richtige Schritt, die Außengastronomie zuzulassen. Es wird uns finanziell nichts bringen, aber emotional.“ Und damit meint er dann das „Glücksgefühl, dass man mal wieder draußen sitzen kann und auch mit anderen Leuten zusammen.“ Und er werde auch mit dem Aufbau von Plexiglaswänden für zusätzliche Sicherheit sorgen. Er freue sich jedenfalls riesig, so der Gastronom, wenn es draußen mit den Gästen wieder losgeht.

Kino

Unklarheit herrscht derzeit noch im Kino in Wolfhagen. Betreiber des Cinema-Kino, Kai Mellinghoff, konnte aus der Konferenz des Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier am Donnerstag nicht heraushören, ob Kinos – und wenn ja wie – wieder öffnen dürfen. „Mir bleibt nichts anderes übrig, als beim Ordnungsamt nachzufragen. Die bekommen das ja schriftlich und dann mal sehen“, so Mellinghoff. Neue Filme wie „Godzilla“ oder „Ostwind“ seien allerdings aus dem Programm genommen worden. Die hatte er für Ostern eingeplant. Aber Mellinghoff wird – wie eigentlich immer – bestimmt eine gute Idee haben. (bec/mow/nom/zhf)

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