Wasser fehlt im tiefen Boden

Verlust von 50 Prozent der Fichten im Habichtswald

Der Wald hat 2020 erneut stark gelitten. Das Foto, entstanden im April des vergangenen Jahres, zeigt Schäden im Stadtwald Wolfhagen.
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Der Wald hat 2020 erneut stark gelitten. Das Foto, entstanden im April des vergangenen Jahres, zeigt Schäden im Stadtwald Wolfhagen.

Der Zustand von Hessens Wäldern hat sich nach Einschätzung von Förstern 2020 noch einmal verschlechtert. Wir berichten über den Zustand in den Wäldern des Landkreises - heute im westlichen Landkreis Kassel.

Kreis Kassel – Das Forstamt Wolfhagen ist durch Laubbäume geprägt, berichtet Uwe Zindel, Leiter des Forstamtes Wolfhagen – Buchen, Eichen und andere Laubbäume wie beispielsweise Ahorn, Esche und Kirsche machten über 70 Prozent der Wälder aus. Die Wasserversorgung der älteren Bäume sei seit 2018 katastrophal schlecht. Der Grund: Das Wasser fehle besonders im tieferen Bodenkörper, in dem die älteren Bäume ihre Wurzelmasse haben. Es gibt laut Zindel allerdings graduelle Unterschiede, abhängig von der Bodenart und der Topografie.

Bereits das dritte Jahr in Folge seien die Defizite im Bodenwasser des Forstamtsbezirks so groß wie nie. „In der durchwurzelten Bodenschicht herrscht ab etwa 30 Zentimetern Tiefe nach wie vor Trockenheit“, erläutert der Forstamtsleiter. Gerade die älteren Bäume hätten ihren Stoffwechsel massiv zurückfahren müssen. Besonders hart betroffen seien davon die Buche und die Fichte als häufigste Arten in der Region.

Sie seien sehr auf gute und ausreichende Wasserversorgung angewiesen. Durch den Wasserstress und den damit verbundenen Überlebenskampf habe sich die Vitalität derart verringert, „dass der Borkenkäfer und holzzerstörende Pilze leichtes Spiel hatten, sich massenhaft vermehrten und dann vielen alten gestressten Bäumen den letzten Rest gaben“, erklärt Zindel.

Bislang liege der Verlust an der Anteilsfläche der Fichte bei etwa 50 Prozent – das entspreche rund 12 Prozent der Waldfläche im Forstamtsbezirk. Betrachtet würden die vergangenen drei Jahre. Bei den Buchen gehe man insgesamt bislang von knapp 15 Prozent Flächenschäden aus. „Wenn sich die Trockenheit weiter fortsetzt, ist zu befürchten, dass sich das Baumsterben auch in den jungen Fichten und den Laubbäumen ausbreitet“, berichtet Zindel. Die Schadflächen seien aber nicht totes Gelände – neue Bäume wüchsen durch die Samen der Altbäume und durch ergänzende Pflanzungen nach. Wichtig seien dafür mehr Niederschläge, vor allem in der Vegetationszeit der Bäume.

Das Forstamt Wolfhagen hat sich laut Zindel zusammen mit der Uni Kassel, der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt und kommunalen Waldbesitzern von 2014 bis 2017 mit den Auswirkungen der Klimaveränderung auf die Wälder befasst. Im Projekt „Klimwald“ habe man herausgearbeitet, wie die heimischen Wälder so gepflegt und entwickelt werden können, dass sie robuster gegenüber Trockenheit und Stürmen werden. (Lara Thiele)

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