Verträglichkeit von Stromtrasse SuedLink und Tourismus: Wissenschaftler skeptisch

Prof. Dr. Ulf Hahne

Wolfhager Land. Um die Auswirkungen der Stromtrasse SuedLink als Freileitung im Gegensatz zu einer Erdverkabelung ging es beim jüngsten Gedankenaustausch zwischen Landrat Uwe Schmidt und dem Wissenschaftler Prof. Dr. Ulf Hahne von der Universität Kassel.

Hahne ist profunder Kenner der regionalen Wirtschaftsentwicklung mit dem Schwerpunkt in den ländlichen Gebieten. Als Experte gilt er zudem im Bereich des ländlichen Tourismus.

Uwe Schmidt

Beide Schwerpunkte seien beste Voraussetzungen für eine wissenschaftliche Begleitung und qualifizierte fachliche Beratung des Landkreises Kassel bei dem vom Landkreis in seiner jetzigen Form abgelehnten Netzausbauvorhaben SuedLink, sagte Landrat Schmidt. Hahne stellte in dem Gespräch heraus, dass es grundlegenden Untersuchungsbedarf zu der Frage gäbe, wie sich die geplante Freileitung auf den touristisch noch weitgehend „ungehobenen Schatz der räumlich benachbarten Weltkulturerben des Bergparks Wilhelmshöhe und des Klosters Corvey“ auswirken werde. Aufgrund der Erfahrungen könne erwartet werden, dass solch eine räumlich enge Kombination von zwei Kulturerbe-Orten zum wirtschaftlichen Vorteil einer ganzen Region entwickelt werden könne. Eher skeptisch zu beurteilen sei, ob sich eine solche „bemerkenswerte Steilvorlage“ für die Tourismusentwicklung mit der Nachbarschaft zu einer der größten Stromleitungen Europas verträgt. Es fehle an belastbarem Datenmaterial, ob sich die für die Zukunft zunehmend eingeplanten Kulturtouristen durch eine SuedLink-Freileitung abschrecken lassen. Ebenfalls nicht untersucht seien die Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung im Bereich des Naturparks Habichtswald, wenn die Stromleitung das von Kuppen und weiten Sichtachsen geprägte Landschaftsbild überformt und „Genusswanderer“ eventuell deshalb ausbleiben.

Der Landkreis werde die begonnene Zusammenarbeit zwischen der Universität Kassel und dem Kreis zum Themenbereich SuedLink weiter verstärken. Schmidt: „Wir setzen jetzt auch auf die hervorragende Expertise der Fachleute aus der Regional- und Landschaftsplanung an der Uni Kassel, nachdem wir uns schon juristisch in einem Bund der betroffenen Landkreise zusammengeschlossen haben“.

Für die weitere Vorgehensweise zu SuedLink brauche es eine entsprechende Expertise der betroffenen Gebietskörperschaften „auf Augenhöhe“. (ant)

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