Viel Schönes und Hans Staden

Regionalmuseum Wolfhager Land plant zwei Ausstellungen

Diese Trockenhaube aus dem Jahr 1962 aus dem Fundus des Regionalmuseums ist eines der Exponate der Sonderausstellung „Was ist schön? Weibliche Schönheitsideale im Wandel der Zeit“. Museumschefin Beate Bickel und ihr Stellvertreter Dr. Axel Lindloff freuen sich schon jetzt auf die Schau.
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Diese Trockenhaube aus dem Jahr 1962 aus dem Fundus des Regionalmuseums ist eines der Exponate der Sonderausstellung „Was ist schön? Weibliche Schönheitsideale im Wandel der Zeit“. Museumschefin Beate Bickel und ihr Stellvertreter Dr. Axel Lindloff freuen sich schon jetzt auf die Schau.

Das Regionalmuseum Wolfhager Land hat sein Programmpaket für dieses Jahr geschnürt. Höhepunkt sind zwei Ausstellungen – eine über Schönheit, die andere über den Abenteurer Hans Staden.

Wolfhagen – Was ist schön? Was nach einer simplen Frage klingt, erweist sich beim Versuch an einer Antwort als diffizil. Und so befasst sich ab 14. Mai eine von zwei großen Ausstellungen im Regionalmuseum mit den weiblichen Schönheitsidealen im Wandel der Zeit.

Frauen, denen ihr Äußeres nicht passt, hätten heute eine Fülle an Möglichkeiten, um nachzuhelfen: Operieren, Fett absaugen, Falten auffüllen und mit Botox lähmen, zählt Museumsleiterin Beate Bickel auf. Während nahezu alle Gesellschaftsschichten bestrebt seien, ihr Schönheitsideal zu erreichen, war dies vor einigen Jahrhunderten lediglich ein Thema für eine kleine Gruppe Wohlhabender.

Die Wanderausstellung der Historikerin Dr. Alice Selinger widmet sich der weiblichen Schönheit von der Antike bis heute. Dabei wird deutlich: Schönheitsideale verändern sich. „Jede Kultur, jede Epoche empfand andere Merkmale als schön“, sagt Bickel. So habe ein Doppelkinn in der Renaissance als sexy gegolten, heute hingegen würden die meisten Frauen lieber darauf verzichten.

Ergänzt wird die Ausstellung, die aufgrund der Pandemie bislang nur einmal in Deutschland gezeigt wurde, um regionale Beiträge aus dem Wolfhager Land. Friseure, Perückenmacher, Kosmetik- und Fitnessstudios sollen betrachtet werden, kündigt Dr. Axel Lindloff, stellvertretender Museumsleiter, an. Die Wolfhager hätten sich bereits früh aus den Zwängen ihrer Zeit gelöst. Die traditionellen Trachten hätten sie schnell abgelegt, möglicherweise habe da die Nähe zu Kassel eine Rolle gespielt und die Tatsache, dass in der Beamtenstadt Wolfhagen emanzipierte Bewohner lebten. Diese und weitere Aspekte sollen Eingang in die Ausstellung finden, die bis zum 14. Juli zu sehen sein wird.

Die zweite Sonderausstellung wendet sich dem Brasilienreisenden Hans Staden zu. Sie hatte bereits im vergangenen Jahr im Veranstaltungskalender gestanden, musste aber coronabedingt verschoben werden. Unter dem Arbeitstitel „Wen interessiert denn so was? Die Warhaftige Historia Hans Standens und ihre Leserschaft im 16. Jahrhundert“ können Besucher des Museums vom 8. September bis 30. Oktober ihr Wissen über das Werk vertiefen. „Ausgehend vom erstaunlichen Erfolg der Erstauflage im Jahr 1557 erfährt der Besucher etwas über zwei Leser dieses Buches, den Professor Martin Crusius aus Tübingen und den Kanzler Lamprecht Distelmeyer am Hof des brandenburgischen Kurfürsten in Berlin“, sagt Axel Lindloff.

Gezeigt werden unter anderem zwei von zwölf bekannten Exemplaren der Erstausgabe, das eine aus Tübingen mit bis zu 465 Jahre alten handschriftlichen Anmerkungen, das andere aus Halle/Saale, das erst kürzlich in einer Bibliothek aufgetaucht ist. „Der Besitzer des Staden-Buches hatte es mit anderen Büchern zusammenbinden lassen“, sagt Beate Bickel und deutet eine Erklärung an, weshalb diese erste Ausgabe so lange unentdeckt geblieben ist. Mit der Ausstellung geht der Museumsverein der Frage nach, wie die in dem Buch von Staden zusammengefassten Erlebnisse und Schilderungen in der frühen Neuzeit wahrgenommen wurden. Welches Weltbild hatten die Menschen? Wen hat es interessiert? Handelte es sich bei dem Werk um einen Bestseller? Die Übertragung des Buches ins Niederländische (1558) und Niederdeutsche (1561) lasse ein wachsendes Interesse an dem Buch, von dem es heute über 100 Auflagen gibt, erkennen.

„Es ist ein anspruchsvolles Thema, das noch ein bisschen im Nirwana liegt“, sagt Lindloff, schließlich liege die Ausstellung ja nicht fertig in einer Schublade, aus der sie nur herausgeholt werden müsse. Bis zur Eröffnung sei noch einiges zu tun.

Vorträge im Programm

Vier Vorträge enthält das diesjährige Museumsprogramm. Veranstaltungsort soll der Sitzungssaal des Alten Rathauses sein, das kann sich aber in Abhängigkeit von der pandemischen Lage noch verändern.

Los geht es am Dienstag, 15. März, 19 Uhr. Dann wird Dr. Jürgen Römer, der von 2009 bis 2012 das Regionalmuseum leitete, über „Armenien – Land zwischen Orient und Okzident“ referieren. Römer hat die älteste christliche Nation inmitten muslimischer Länder mehrfach bereist. Er bebildert seinen Vortrag mit faszinierenden Fotos, taucht ein in die Geschichte des Landes, das an der Grenze zwischen Europa und Asien liegt, präsentiert Landschaft und Kultur. Römer ist seit 2020 stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Armenischen Gesellschaft.

Dienstag, 28. Juni, 19 Uhr: „Von der Lust des Rasierens bis zur Lust des Barttragens“. Dr. Axel Lindloff wirft passend zur großen Ausstellung im Regionalmuseum einen Blick auf männliche Schönheitsideale des 19./20. Jahrhunderts und das Wolfhager Friseurhandwerk.

Dienstag, 27. September, 19 Uhr: Dr. Franz Obermeier aus Kiel befasst sich mit dem neu entdeckten Original von Stadens Warhaftigen Historia in Halle. Er schaut in seinem Vortrag, der sich gut mit einem Besuch der Ausstellung im Regionalmuseum kombinieren lässt, darauf, wer die ersten Leser des 1557 veröffentlichten Reisebuchs waren. Obermeier widmet sich den Spuren, die diese ersten Leser in erhaltenen Exemplaren der Erstausgabe hinterlassen haben. Das Reisebuch erlaubt Rückschlüsse auf reale oder intendierte Leser, etwa durch Widmungen an den Landgrafen.

Dienstag, 8. November, 19 Uhr: „Vom Einzeller zum Sapiens, oder: Was haben wir von wem?“ Referent ist Klaus Lindenmeier aus Mainz. (Antje Thon)

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