1. Startseite
  2. Lokales
  3. Wolfhagen
  4. Wolfhagen

Virus bei Tauben breitet sich auch im Wolfhager Land aus

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Josefin Schröder, Bea Ricken

Kommentare

Können nicht mehr selbstständig Futter aufnehmen: Tauben, die an Paramyxovirose (PMV) erkrankt sind, verhungern ohne fremde Hilfe. Die Brieftaube auf dem
Können nicht mehr selbstständig Futter aufnehmen: Tauben, die an Paramyxovirose (PMV) erkrankt sind, verhungern ohne fremde Hilfe. Die Brieftaube auf dem © Bea Ricken

In der Region breitet sich die Taubenkrankheit Paramyxovirose (PMV) aus, die bei den Tieren zu Nervenschäden und Lähmungen führt und im schlimmsten Fall tödlich endet.

Wolfhager Land. „Das Virus ist taubenspezifisch, das heißt, für Menschen und Säugetiere besteht keine Gefahr. Unter Tauben ist es jedoch hoch ansteckend“, erklärt Bianca Thormann von der Stadttaubenhilfe Kassel.

Zusammen mit anderen Ehrenamtlichen hilft sie erkrankten und verletzten Tauben.

Auch im Wolfhager Land taucht das Virus auf. Mehrfach hat die Taubennothilfe in Wolfhagen bereits mit infizierten Tieren zu tun gehabt. „Die Tauben sind auffällig zahm und können sich schlecht ausbalancieren. Manche können nicht mehr auf ihren Beinen stehen“, erklärt die Sprecherin der Nothilfe. Auch gestrandete Brieftauben seien schon dabei gewesen.

In Kassel wurden an der Weserspitze, später dann auch in Fuldatal und Niestetal tote Tauben gefunden, die mit dem PVM-Virus infiziert waren, berichtet Bianca Thormann. „Über Kotausscheidungen, Augen-, Nasen- und Schnabelsekret, infiziertes Futter oder kontaminierten Federstaub stecken sich die Tiere an.“ Wie sind erkrankte Tauben zu erkennen? Sie sind schreckhaft, wirken desorientiert, es kommt mitunter zu Kopfschiefstellungen. Die infizierten Tiere können schlecht oder kein Futter aufnehmen und verhungern schließlich.

„Ohne menschliche Hilfe überleben die Tauben das nicht“, sagt Bianca Thormann. Bei Stadttauben handele es sich nicht um Wild-, sondern um verwahrloste Haustiere. Als Nachkommen entflogener Haustauben seien sie auf menschliche Fürsorge angewiesen. Krankheiten wie das PMV-Virus seien für wild lebende Straßentauben fatal. Rund die Hälfte der Stadttauben in Kassel seien an dem Virus, gegen das es kein Medikament gibt, bereits gestorben, sagt Thormann. Mit Zugabe von Vitaminen und Mineralien sowie Zufütterung könnten die Tauben nach ein paar Wochen genesen. Das Problem sei jedoch, dass häufig Restsymptome und Schäden am Nervensystem und Organen bleiben. Die Tauben könnten in Stresssituationen neurologische Ausfälle erleiden. Zum Beispiel verlieren sie das Gleichgewicht oder drehen sich unkontrolliert im Kreis. Auslöser sind äußere Reize wie plötzlicher Lärm oder Licht. Dass die gesund gepflegten Stadttauben wieder „zurück auf die Straße“ kämen, sei damit unmöglich.

Es fehle an Pflegestellen und Ehrenamtlichen, die genesene Tiere bei sich aufnehmen könnten, vorübergehend oder für immer. Durch die Virusepidemie seien die vorhandenen Stellen bereits voll besetzt, berichtet die Stadttaubenhilfe.

Die Lösung sieht Bianca Thormann in städtischen Taubenschlägen, in denen die Tiere präventiv gegen das PMV-Virus geimpft werden könnten. Die Ausbreitung könnte so verhindert werden. Einen solchen Taubenschlag gibt es unter dem Dach des Kasseler Rathauses. Dort werden die Tiere außerdem mit Futter versorgt und ihre Eier gegen Attrappen ausgetauscht, um die Population zu regulieren. Im Umkehrschluss gäbe es weniger Tauben im Stadtbild, weniger Kotbeschmutzungen und weniger teure Gebäudereinigungen seien nötig. „Eine Win-win-Situation“, sagt Bianca Thormann. Das nächste Projekt der Taubenhilfe ist der Bau einer großräumigen Voliere für pflegebedürftige Tauben in Reinhardshagen. Um weitere geschützte Rückzugsorte zu errichten, sucht die Stadttaubenhilfe nach Personen, die Scheunen, Dachböden oder Bauwägen zur Verfügung stellen. „Auch Päppler werden immer gesucht“, sagt Thormann, die auf viele ehrenamtliche Taubenfreunde hofft.

Kontakt: stadttaubenhilfe.kassel@gmx.de (Bea Ricken und Josefin Schröder)

Auch interessant

Kommentare