Lebensbedrohlich Erkrankte zu spät behandelt

Volle Notaufnahmen in Krankenhäusern: Viele Notfälle sind keine

Wolfhagen. Ob Erkältung, Rückenschmerzen oder eingewachsener Fußnagel: Immer mehr Patienten bevölkerten laut einer Studie der Krankenkassen die Notaufnahmen, obwohl das medizinisch gar nicht notwendig sei.

Lebensbedrohlich Erkrankte drohen so oft zu spät behandelt zu werden. Mit Portalpraxen in jedem Krankenhaus wollen die Krankenkassen dieses Problem lösen.

Das sollen erste Anlaufstellen sein, in denen die Patienten eingeteilt werden - in akute Fälle für die Notaufnahme, akute Fälle für eine ambulante Behandlung und nicht akute Fälle für Arztpraxen. „Grundsätzlich ist eine enge Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung zu begrüßen, und wir sind bereit, dies mit der Kassenärztlichen Vereinigung zu organisieren“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Gesundheit Nordhessen (GNH), Karsten Honsel. Portalpraxen an den Kliniken der GNH, dazu gehören Kassel, Hofgeismar, Wolfhagen und Bad Arolsen, gibt es derzeit nicht.

Das Problem der verstopften Notaufnahmen kennt man dort. „Allerdings ist Kassel natürlich viel stärker betroffen als das kleinere Haus in Wolfhagen“, sagt GNH-Pressesprecher Martin Schmidt. Vorteil in Wolfhagen sei noch die Bereitschaftsdienst-Zentrale der niedergelassenen Ärzte. Die würden einen Teil der Patienten abnehmen.

Dass jemand auf dem Flur verblute, während ein Patient mit Bagatellerkrankung in der Notaufnahme behandelt werde, hält DRK-Geschäftsführer Holger Gerhold-Toepsch für kein realistisches Szenario. So etwas habe es bei den Rettungsdienstkollegen noch nicht gegeben, da die im guten Kontakt mit dem Krankenhaus stünden. Allerdings bestätigt Gerhold, wie auch der ASB-Rettungsdienstleiter Martin Hauck, dass die Notaufnahmen oft überfüllt seien. Sicher gebe es auch vereinzelt schwarze Schafe, aber die meisten Patienten gehorchten ihrer Not, wenn sie ins Krankenhaus gingen, meint Hauck.

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