Adventsserie "Wir öffnen Türen"

Von hier kommt der Strom: Blick in die Windkraftanlage am Rödeser Berg

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Blick durch die Tür einer Windkraftanlage: In dem Blechschrank, neben dem Dieter Spangenberg steht, befindet sich der Trafo der Anlage. Über dem Trafo sitzt der Wechselrichter. Links zu sehen ist der Fahrstuhl, mit dem man zur Kanzel in 136 Metern Höhe gelangt.

Knapp 200 Meter ragen die Windkraftanlagen auf dem Rödeser Berg nahe Nothfelden in den Himmel. Im Vorbeifahren nehmen sie die meisten gar nicht wahr. Noch seltener betritt jemand eine der Anlagen.

„Das geschieht in der Regel bei Routinekontrollen und wenn Wartungen anstehen“, sagt Dieter Spangenberg, Technischer Leiter der Stadtwerke Wolfhagen.

Für die Adventsserie der Wolfhager Allgemeinen hat Spangenberg nun aber eine der Türen der vier Windkraftanlagen geöffnet. „Bei ihnen handelt es sich um so genannte Hybridtürme“, erklärt Spangenberg. Sie bestehen aus 90 Meter hohen Betonfertigteilen. Anschließend komme noch einmal ein 40 Meter hoher Stahlturm obendrauf.

Seit fünf Jahren sind die Anlagen an das Stromnetz angeschlossen und speisen Energie ein. Dafür steht ein Trafo am Fuß der Anlage bereit. Zuvor dreht der Wind über die Rotorblätter den Rotor eines Generators in 136 Metern Höhe. Dieser erzeugt 400 Volt Wechselstrom, der in luftiger Höhe in 400 Volt Gleichstrom umgewandelt wird. Anschließend wird dieser im Wechselrichter am Fuß des Turms wieder in 400 Volt Wechselstrom umgewandelt, um dann im Trafo in 20 000 Volt Wechselstrom hochtransformiert zu werden. Dieser wird dann an eine Übergabestation nahe Nothfelden und anschließend über eine Trasse in der Erde nach Wolfhagen geleitet. Vom Umspannwerk an der Ippinghäuser Straße gelangt der Strom dann letztlich zu den Haushalten.

Hoch hinaus: Mit dem Fahrstuhl dauert es sechs Minuten bis nach oben. Durch die Bewegung der Rotorblätter schwingt der Turm. Dies ist an den Seilen zu sehen, an denen der Fahrstuhl in die Höhe gezogen wird.

2100 Drei-Personen-Haushalte kann eine der Anlagen auf dem Rödeser Berg pro Jahr versorgen. Dafür drehen sich die 24 Tonnen schweren Rotorenblätter aus glasfaserverstärktem Kunststoff so oft es der Wind zulässt. Stattliche 50 Meter misst ein Blatt – so viel wie eine Laufstrecke bei den Bundesjugendspielen. Ab einer Windgeschwindigkeit von drei Metern pro Sekunde produzieren die Anlagen Strom. „Im Durchschnitt liegen die Geschwindigkeiten bei acht Metern pro Sekunde“, sagt Spangenberg.

Damit alles reibungslos funktioniert, werden die Anlagen regelmäßig kontrolliert und gewartet. Am Fuß der Windgiganten steht dafür ein Fahrstuhl bereit. Zwei Mann, ausgestattet mit Rettungsgeschirr und einem Rettungsseil, mit dem man sich im Notfall 160 Meter abseilen kann, benötigen mit diesem sechs Minuten bis nach oben, wo sich die Kanzel mit dem Generator befindet. Kontrolliert werden neben der Elektronik unter anderem die Blätter und die Maschine der Anlage.

Weit über dem Eingang ragen die Rotorblätter auf.

Dass die Anlagen im Wald störungsfrei arbeiten, wird komplett überwacht. „Da ist extrem viel Elektronik und Technik verbaut, das ist schon irre“, sagt Spangenberg. Gebe es eine Störung, gehe bei den Stadtwerken auf einem Computer sowie auf einem Handy sofort ein Alarm los. So wie Ende 2015, als es in einer der Windkraftanlagen in 136 Metern Höhe gebrannt hat. Damals ließen sich die Flammen glücklicherweise mit einem Feuerlöscher schnell ersticken.

Gerät die Kanzel einer Windkraftanlage komplett in Brand, bleibt der Feuerwehr nichts anderes übrig, als den Bereich abzusperren und die Anlage abbrennen zu lassen. Denn die Drehleiter der Wolfhager Feuerwehr hat eine maximale Höhe von 30 Metern, käme also nicht annähernd hoch genug, um löschen zu können. Zudem kann wegen des Stroms kein Wasser eingesetzt werden. „Die Feuerwehrleute passen daher im Fall eines solchen Brandes nur auf, dass es durch herunterfallende Teile nicht zu einem Waldbrand kommt“, erklärt Spangenberg.

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