Investoren springen ab

Vorwerk Wolfhagen: Denkmalschutz behindert Verkauf von Gebäuden aus NS-Zeit

Wolfhagen. Investoren, die sich für das Vorwerk der Pommernanlage in Gasterfeld interessieren, springen schnell wieder ab. Der Grund: Denkmalschutz für Bauwerke aus der NS-Zeit.

Das Landesamt für Denkmalpflege hat das Ensemble aus den 1930er-Jahren, in dem im Dritten Reich Wache der Munitionsanstalt, Werkstatt und Garagen untergebracht waren, mit weiteren Elementen der Pommernanlage unter Schutz gestellt.

Dafür gaben militär- und kulturhistorische Aspekte den Ausschlag.

Ein Umbau oder Abriss des Vorwerks ist nicht ohne weiteres möglich. Das macht es Firmen fast unmöglich, ihre Ideen umzusetzen. Eine Situation, die Wolfhagens Bürgermeister Reinhard Schaake (parteilos) beklagt. Bei der Stadt hätten sich in der Vergangenheit wiederholt Investoren gemeldet und ihre Vorschläge präsentiert, die sie auf dem Gelände des Vorwerks, das der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) gehört, verwirklichen wollten. Mal sei es um ein Biker-Hotel gegangen, aber auch Firmen, denen das Gewerbegebiet „Hiddeser Feld“ zu groß ist, hatten Interesse bekundet. „Wir haben keine Chance, aus dem Denkmalschutz herauszukommen“, sagt Schaake.

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Gesetzlicher Auftrag der Bundesanstalt ist es, nicht betriebsnotwendiges Vermögen wirtschaftlich zu veräußern, sagt BImA-Sprecher Thorsten Grützner. Das Vorwerk sei entbehrlich und solle verkauft werden. Dies müsse aber vorbereitet werden. Dazu gehöre auch, das Grundstück auf Kampfmittel zu untersuchen und die Erschließungssituation zu klären. „Sobald die Immobilie verkaufsreif ist, wird die BImA sie im Rahmen eines Gebotsverfahrens auf dem offenen Immobilienmarkt zum Kauf anbieten“, sagt Grützner, der auf eine enge Zusammenarbeit mit der Stadt verweist.

Bürgermeister Schaake indes vermisst bei der anvisierten Vermarktung des Vorwerks auf Seiten der BImA ein gewisses Maß an Dynamik.

Es sind mehrere Gründe, die zum Denkmalschutz für die Pommernanlage führten. Beim Vorwerk spielen historische Aspekte eine Rolle. So ließen die Bauten Rückschlüsse darauf zu, wie man sich während des „Dritten Reiches“ beim Bau von Kasernen architektonisch verhalten hat, sagt Heinz Wionski vom Landesamt für Denkmalpflege. Ein anderes Argument: Munitionsanstalten der Luftwaffe wie in Gasterfeld hat es in Hessen nur vier gegeben. Nur selten seien sie vollständig erhalten. In Wolfhagen seien noch etliche Elemente zum Teil in einer Bauzeit nahen Ausführung anzutreffen. Die Nutzung der Anlage als Kaserne und militärisches Übungsgelände hätten beim Erhalt geholfen.

Rubriklistenbild: © Thon

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