Wolfhager Land

Vulkanausbrüche prägten die spektakuläre Landschaft im Naturpark Habichtswald

Säulen ragen ebenmäßig empor: Im Katzenloch am Fuß des 458 Meter hohen Weidelsberg.
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Säulen ragen ebenmäßig empor: Im Katzenloch am Fuß des 458 Meter hohen Weidelsberg.

Wer dem Schönen, dem Hügeligen und Wechselhaften der Landschaft westlich von Kassel auf den Grund gehen will, muss weit in die Vergangenheit reisen.

Wolfhager Land - Vor 15 bis 13 Millionen Jahren war im heutigen Gebiet des Naturpark Habichtswald mächtig was los. Die Erde bebte und spuckte Magma aus einer Tiefe von 40 bis 60 Kilometern. Vulkane formten die Region. Noch heute krönen weithin sichtbare Basaltkegel die reizvolle Szenerie, durch die es sich so wunderbar wandern lässt und in der die Brüder Grimm ihren Märchen und Geschichten eine Heimat gaben.

Helfensteine und Wichtelkirche im Naturschutzgebiet Dörnberg, der Martinstein neben der Kirche in Martinhagen und die Basaltsäulen im Katzenloch am Fuß der Weidelsburg sind nur eine kleine Auswahl von vielen typischen Zeitzeugen, die dieses Spektakel überdauert haben. Allerdings hat sich ihr Erscheinungsbild und das des gesamten Landstrichs über Jahrmillionen deutlich verändert. „Die damalige Landschaft könnte der heutigen auf Lanzarote ähnlich gewesen sein“, sagt der Wolfhager Geologe Dr. Reiner Kunz.

Landschaft unvergleichlicher Schönheit: Die Helfensteine im Osten des Wolfhager Landes.

Erosion und Verwitterung haben sich im Anschluss an die vulkanische Aktivität ans Werk gemacht und die Landschaft prägend verändert. Millimeter um Millimeter trugen sie die deutlich älteren Sedimentgesteine wie Buntsandstein, Muschelkalk und Kasseler Meeressand ab. So präparierten die permanente, langsame Hebung auf der einen und Witterungseinflüsse auf der anderen Seite die Bergkuppen im Habichtswald und Wolfhager Land heraus, die alle aus hartem, widerstandsfähigem Basalt bestehen und an denen der Abtragungsprozess deutlich langsamer vonstattenging. „Felsen sind mit das Letzte, was es noch an Natürlichem in unserer Welt gibt“, sagt der 62-jährige Kunz, der sich viele Jahrzehnte lang als Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis Kassel für den Schutz dieser einzigartigen Formationen einsetzte.

Die Spuren des Vulkanismus werden jedoch nicht allein mit den Basaltkuppen im Habichtswald sichtbar. In so manchem Dorfkern lässt sich noch altes Kopfsteinpflaster finden, das vor einigen hundert Jahren mit viel Schweiß und Mühe in Form gebracht wurde. „Das war damals ein Knochenjob. Wer das gemacht hat, war nach zwei Jahren fertig“, sagt der Geologe und begründet das mit der außerordentlichen Härte des Basalts. An mehreren Stellen im Habichtswald wurde das Material abgebaut, anfangs per Hand, später durch Sprengung. Verwendung fand es im Straßen- und Gleisbau. Zurück blieben tiefe Narben, die die Natur nur langsam mit Bewuchs kaschiert.

Eine nahezu magnetische Anziehungskraft auf Besucher hat der Bergpark Wilhelmshöhe, der im Juni 2013 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen wurde. Seine Attraktionen wie Herkules-Bauwerk und Löwenburg bestehen aus Habichtswalder Tuff, einem weiteren Produkt vulkanischer Aktivität. Im Gegensatz zum Basalt ist der Tuff alles andere als hart, unter den Gesteinen ist er ein Weichling. Er ist porös, kaum witterungsbeständig, was die Unterhaltung der Bauwerke im Bergpark zum Leidwesen der Museumslandschaft Hessen Kassel sehr kostspielig macht.

Schlackenkegel neben der Kirche: Der Martinstein in Martinhagen ist für Geologe Dr. Reiner Kunz ein besonders imposanter Zeitzeuge vulkanischer Aktivität.

Das gesamte niederhessische Vulkanfeld ist etwa 5000 Quadratkilometer groß. Mit 500 Vulkanzentren und 2000 Eruptionspunkten gilt es als das größte in Deutschland. Für den Ostteil des Wolfhager Landes und den Hohen Habichtswald lässt sich die größte Dichte von bis zu zwei Vulkanen pro Quadratkilometer rekonstruieren.

Reines Eisen und ozeanische Kruste

Der Geopark Grenzwelten mit Sitz in Korbach hat eine Vulkanroute Wolfhager Land herausgegeben. In der Faltkarte wird der Vulkanismus in der Region erklärt, die spannendsten Orte sind in eine Karte eingetragen und werden näher erläutert.

Natursee Bühl

Mit einer Rarität wartet der Bühl bei Weimar auf. Dort gibt es gediegenes Eisen, also Eisen in seiner elementaren Form. Aufgrund der außergewöhnlichen Entstehungsbedingungen – Magma muss mit organikreichen Schichten wie Kohle in Kontakt gekommen sein – gibt es neben dem Bühl weltweit nur noch einen weiteren Fundort. Der befindet sich auf der Insel Disko in Grönland. Heute wird der Bühl als Badesee genutzt.

Katzenloch

Beim Katzenloch am Weidelsberg bei Ippinghausen handelt es sich um einen rekultivierten Steinbruch. Wer den Ort betritt, ist überwältigt vom Säulenbasalt, der auf zwei Sohlen steht und eine Höhe von 20 Metern erreicht. Der Aufschluss gewährt Einblick in den magmagefüllten Schlot eines mächtigen Vulkans, der Schlacken gefördert hat. Auf dem Berg thront die Weidelsburg, sie wurde auf den Säulen errichtet und erlaubt einen Blick auf die Vulkanlandschaft.

Ofenberg

Am Ofenberg bei Wolfhagen gibt es eine Besonderheit, die zumindest die Herzen von Wissenschaftlern höherschlagen lässt. Es ist der einzige Vulkan in Europa, wo jemals ein Bruchstück eines Eklogits gefunden wurde. Dabei handelt es sich um ozeanische Kruste, die unter hohen Drucken und Temperaturen metamorph umgewandelt wurde. Seit Kurzem gibt es in der benachbarten Wolfsschänke einen Raum, in der eine Ausstellung über den Vulkanismus in der Region informiert – geopark-grenzwelten.de. Darüber hinaus kann man sich im Regionalmuseum Wolfhager Land mit der Geologie der Region vertraut machen – regionalmuseum-wolfhager-land.de

Rohrberg

Der Rohrberg im Norden Burghasungens ist einen Besuch wert. Aufmerksamkeit verdient das auf der Südseite der Basaltklippen erhaltene Blockfeld. Es entstand in Zeiten eiszeitlichen Klimas. Ein ähnliches Blockschuttfeld gibt es am Großen Schreckenberg bei Zierenberg, bekannt ist es als die Blauen Steine. Bemerkenswert ist ihr Mikroklima. Die Steine bilden ein System mit einer jahreszeitlich einheitlichen Temperatur. Im Winter steigt im oberen Teil der Blockhalde warme Luft aus dem Hohlraumsystem auf, im Sommer fließt an ihrem Fuß kalte Luft ab. (Antje Thon)

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