Der Holzmarkt hat sich drastisch verändert 

Die fetten Jahre sind vorbei: Nun liegt die Hoffnung in der Selbstheilungskraft des Waldes

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Nachschub für neue Wälder: Revierförster Friedrich Vollbracht begutachtet Douglasien und Eichen. Ältere und damit kräftigere Eichen (Bildmitte) sind vergriffen. Auf dem Markt gibt es nur noch jüngere Setzlinge (rechts). 

Die Zeiten, in denen der Wald als Wirtschaftswald öfter Überschüsse in die Kasse der Stadt Wolfhagen spülte, sind vorbei. Etwa zwei Drittel des Geldes wurde mit der Fichte verdient.

Doch Stürme und zwei Käferjahre haben dem Nadelbaum zugesetzt. Das Überangebot hat den Holzmarkt dramatisch verändert. Der Preis für Fichte ist ins Bodenlose gefallen.

Deutlich wird das beim Blick in den Haushaltsansatz der Stadt. Bislang konnte Wolfhagen pro Jahr mit Erträgen um die 250 000 Euro rechnen, mal mehr, mal weniger. Nach dem Zusammenbruch des Holzmarktes erwartet Bürgermeister Reinhard Schaake für 2019 ein Defizit von 210 000 Euro. Eine Entwicklung, die sich auch in den nächsten Jahren mit unkalkulierbaren Ausschlägen fortsetzen wird.

Es fehlen Sicherheiten 

Das Problem: Vollbracht fehlen Sicherheiten, an denen er sich mit seiner wirtschaftlichen Planung orientieren kann. „Fallen in diesem Jahr 20 000 Festmeter Fichte an oder werden es wie 2019 wieder über 50 000 Festmeter sein?“ Vor drei Jahren, also deutlich vor der Krise, blieben 56 Euro an einem Festmeter Fichte hängen, derzeit sind es sechs Euro.

Mehr als die Hälfte der 423 Hektar großen Fichtenflächen im 1800 Hektar großen Stadtwald sind in den vergangenen Jahren weggebrochen. Revierförster Vollbracht befasst sich seitdem intensiv mit der Frage, wie diese Flächen so entwickelt werden können, dass sie den künftigen Anforderungen gerecht werden und zwar klimatechnisch, naturverträglich und wirtschaftlich.

Nachfrage nach Holz besteht weiterhin 

Vollbracht hält verschiedene Szenarien für möglich, benötigt aber klare Ansagen der Stadt Wolfhagen. Verliert der Wald – bedingt durch Einbußen beim Holzpreis und durch höhere klimatische Risiken – als Wirtschaftsfaktor an Bedeutung, könnte man die Produktion zurückschrauben und ihn verstärkt zu einem Naturwald entwickeln. Das sei eine von mehreren Optionen, aber auch nicht die große Lösung. Denn die Nachfrage nach Holz bliebe bestehen. Den Bedarf über Importe abzudecken, hält er für keine gute Idee.

Also drängt sich die Frage nach der Wiederaufforstung auf. Die jedoch geht nicht, ohne Geld in die Hand zu nehmen. Erwerb und Pflanzen von Jungbäumen seien das geringste Problem, sagt Vollbracht. Der Schutz vor Wildverbiss und die Pflege der Bäumchen seien die Kostentreiber. „Ein Hektar Eichenwald kostet die Stadt in zehn Jahren etwa 20 000 Euro.“ 10 000 Euro kämen als Fördermittel hinzu.

Gepflanzt wird neuerdings im Winter 

Derzeit entsteht am Schierenkopf an den Hängen oberhalb des Bühler Tals ein neuer, vier Hektar großer Wald aus Eichen. Gepflanzt wird neuerdings im Winter, „denn im Herbst ist es noch zu trocken, im Frühjahr ist es schon wieder trocken“, skizziert Friedrich Vollbracht die vom Wetter diktierten Bedingungen der letzten Jahre. Seine beiden Forstwirte bringen mit Unterstützung eines Mitarbeiters der Stadt Wolfhagen Bäumchen für Bäumchen in die Erde. Die Gatter, die sie aus Dachlatten gezimmert haben und die die Setzlinge vor Verbiss schützen soll, stellen sie selbst auf.

Weitere Flächen, auf denen die Entwicklung des Waldes durch Pflanzungen gelenkt werden soll, sind bei Altenhasungen geplant – hier sollen zwei Hektar mit Elsbeere und Bergahorn bestückt werden – und bei Ippinghausen, wo Sturm und Käfer die Fichte nahezu vernichtet haben. Statt wie bislang 1000 Neuanpflanzungen pro Jahr werden es nun 40 000 sein. Ein Prozess, der sich in den nächsten Jahren wiederholen wird.

Die Selbstheilungskraft des Waldes ist nun gefragt 

Und schließlich setzt Vollbracht auf die Selbstheilungskraft des Waldes. Das allerdings braucht Geduld. Vor allem auf kleineren Flächen, wo alte Bäume selbst für Nachwuchs gesorgt haben, bestehe Hoffnung. Doch dürfe die Fichte nicht zu dominant sein. Fünf, sechs Baumarten seien optimal.

Baumschulen geht die Ware aus 

Die Wiederaufforstung des Waldes hat Grenzen. „Die Menge der benötigten Pflanzen ist auf dem Markt gar nicht verfügbar“, sagt Wolfhagens Revierförster Friedrich Vollbracht. Nur in den Mastjahren von Eichen, wenn also der Laubbaum besonders viele Früchte trägt, kann in den Baumschulen auch für reichlich Pflanzennachwuchs gesorgt werden. Vollmast bei Eichen komme etwa alle sechs Jahre vor, die letzte liegt zwei Jahre zurück. Bei Eichen sei das Saatgut schon jetzt knapp und hochwertiges Pflanzmaterial nur schwer zu bekommen. Bei der Pflanzung von Bäumen ebenfalls zu berücksichtigen seien die Herkunftsgebiete der Ware. Mit Blick auf die wärmeren und trockener werdenden Sommer zieht Vollbracht in Erwägung, künftig einen Teil der Neuanpflanzungen mit Bäumen vorzunehmen, die an wärmere und trockenere Regionen angepasst seien.

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