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Forscher messen Bodenfeuchtigkeit

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Von: Antje Thon

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Vom Waldboden ins Büro: Förster Dominik Tamke (rechts) von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt und sein Kollege Volker Reihl (links) messen die Feuchtigkeit im Waldboden. Die Daten werden per Funk übertragen. Revierförster Friedrich Vollbracht verfolgt das Projekt mit Spannung.
Förster Dominik Tamke (rechts) von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt und sein Kollege Volker Reihl (links) messen die Feuchtigkeit im Waldboden. Revierförster Friedrich Vollbracht verfolgt das Projekt mit Spannung. © Antje Thon

In den Wäldern der Region laufen Aufforstungsprogramme, wie es sie in ihren Umfängen lange nicht mehr gegeben hat.

Wolfhagen - Kahlflächen, die eine Folge von Dürre und Schädlingen sind, werden mit Pflanzen bestückt, die mit den Klimaveränderungen besser zurechtkommen sollen. Doch auch sie müssen die ersten kritischen Jahre überstehen. Trockenheit ist ein Risikofaktor. Im Wolfhager Stadtwald läuft derzeit ein Projekt, bei dem ein Wert für die Feuchtigkeit im Boden ermittelt wird, ab dem die junge Waldgeneration nicht mehr ohne Wassergabe auskommt.

Wann ist Dürre wirklich tödlich? Das ist die Frage, die Revierförster Friedrich Vollbracht umtreibt und die auch Wissenschaftler der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt interessiert. Förster und Forscher fanden zueinander und arbeiten nun auf Flächen an Stöcketeich, Schierenkopf und bei Ippinghausen zusammen.

Erst vor wenigen Wochen wurden dort junge Eichen gepflanzt. Die Forscher haben nun Sensoren in die Erde gesetzt. Diese messen in einer Tiefe von 15 und 30 Zentimeter die Saugspannung und damit die Energie, die die Setzlinge aufbringen müssen, um dem Boden Wasser zu entziehen. „Eigentlich wollen wir nicht wässern“, sagt Vollbracht. Zwei Gründe sprächen aus seiner Sicht dagegen. Da seien zum einen die hohen Kosten. Im kommenden Jahr sollen 115 000 Eichen gepflanzt werden. Sie alle nur ein einziges Mal zu gießen, würde um die 20 000 Euro kosten. Zum anderen sollen sich die Pflanzen an knappe Wasserverhältnisse anpassen und so ein großes Wurzelsystem ausbilden. „Gießen nimmt der Pflanze den Druck zur Ausbildung besonders kräftiger Wurzeln“, sagt der Förster.

Aber es sei eben auch keine gute Idee, sehenden Auges Pflanzen im Wert von 400 000 Euro sterben zu lassen. „Das ist einerseits eine finanzielle Frage, aber anderseits auch eine Frage des Umgangs mit einem extrem knappen Gut, nämlich forstlichen Saatgut.“

Vollbracht hofft, im Verlauf der Untersuchung einen objektiven Wert für die Bodenfeuchtigkeit zu bekommen, ab dem beim Ausbleiben von Niederschlägen der Verzicht aufs Gießen den Tod der jungen Pflanzen bedeuten würde. Gut 100 000 Pflanzen mit einer Notration Wasser zu versorgen, dauere drei Wochen. Damit sei klar, dass es zeitlich sehr knapp ist, mit dem Wässern erst zu beginnen, wenn sich erste Ausfälle zeigen.

Er möchte, dass die vielen Bäume, die zuletzt gepflanzt wurden und die in den nächsten Jahren noch gepflanzt werden, einen guten Start bekommen. Und wenn Trockenheit für die Setzlinge ein tödliches Risiko darstellt, ist er bereit, den kostbaren Waldnachwuchs auch zu gießen. Allerdings benötigt er dafür einen verlässlichen Kennwert, der ihm sagt, ab wann der Wald von morgen künstlich bewässert werden muss. Das Ganze müsse sich wirtschaftlich darstellen lassen, sagt er. Wenn Kosten von mehreren zehntausend Euro fürs Wässern helfen, eine Investition von mehreren 100 000 Euro in Aufforstungen zum Erfolg zu führen, sei es sinnvoll.

Die Förster Dominik Tamke und Volker Reihl von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt haben im Wolfhager Stadtwald die Möglichkeit zu einer zweiten Versuchsreihe gefunden. Bereits 2021 hatten sie im Forstamt Frankenberg-Vöhl nach neuen Erkenntnissen geforscht. Ein Lohnunternehmer hatte dort eine Bewässerungstechnik entwickelt. Ihre Aufgabe sei es gewesen, Daten über den richtigen Zeitpunkt der Wassergabe zu sammeln, so Tamke. Dazu hatten sie zwei frisch gepflanzte Douglasienkulturen mit Sensoren und Sender ausgestattet.

Dieses Experiment wiederholen Tamke und Reihl nun mit Eichenkulturen im Stadtwald. Dabei kommen sechs Sender mit jeweils sechs Sensoren, die im Boden an den Wurzeln der Eichen die Saugspannung messen, auf drei unterschiedlichen Flächen zum Einsatz. Die Testgelände, die alle vor wenigen Wochen mit Eichen bepflanzt wurden, wurden bewusst ausgewählt. Das bei Ippinghausen befindet sich in eher exponierter Lage, ist Wind und Sonne ausgesetzt. Die Fläche am Stöcketeich ist mit 0,5 Hektar vergleichsweise klein, schattig und geschützt gelegen. Das Besondere des Standortes am Schierenkopf ist sein verdichteter, wechselfeuchter Boden. Jede der drei Flächen ist in jeweils zwei Bereiche unterteilt – eine wird mit Wasser versorgt, wenn sich die Feuchte im Boden einem kritischen Bereich nähert. Die Vergleichsfläche bleibt unbehandelt.

Die Messgeräte senden ihre Daten über Mobilfunk an ein Webportal, Tamke und Reihl können die Veränderungen im Boden am Schreibtisch verfolgen. Die Bewässerung im Wald gewinne zunehmend an Bedeutung, sagt Reihl. Die Technik, die sie für ihre Forschung nutzen, stamme ursprünglich aus der Landwirtschaft, wo die Wasserversorgung bereits seit Jahrzehnten ein wichtiges Thema sei.

Für den Erfolg ihrer Datensammlung käme Reihl und Tamke ein trockener Sommer gelegen. Auf den hatten sie im vergangenen Jahr für ihre Arbeit im Forstamt Frankenberg-Vöhl auch gehofft. Allerdings war der Waldboden dort bis in den Herbst hinein gut durchfeuchtet. Sollte der bevorstehende Sommer genug Niederschläge mit sich bringen, würden zumindest die jungen Eichen profitieren, für die Wasser im ersten Jahr nach ihrer Pflanzung extrem wichtig ist. (Antje Thon)

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