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Musikalische Neujahrsgrüße des Wolfhager Posaunenchors vom Kirchturm

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Von: Reinhard Michl

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Fürs Echo zuständig: Vom Balkon der Familie Kepper am Teichberg antworteten (von links) Carsten Opfermann, Uschi Heisen, Simon Mueller, Holger Masche, Helga Kepper, Annelie Nolte und Christine Schubert musikalisch den Blechbläser auf dem Turm der Stadtkirche.
Fürs Echo zuständig: Vom Balkon der Familie Kepper am Teichberg antworteten (von links) Carsten Opfermann, Uschi Heisen, Simon Mueller, Holger Masche, Helga Kepper, Annelie Nolte und Christine Schubert musikalisch den Blechbläser auf dem Turm der Stadtkirche. © Reinhard Michl

Einer alten Tradition entsprechend erfreute der Posaunenchor am Neujahrstag die Wolfhager mit einem besonderen Konzert.

Wolfhagen – Am Vormittag des Neujahrstages war in der Wolfhager Kernstadt schon einiges los. Leute standen vor ihren Häusern oder auf den Balkonen, andere schauten aus geöffneten Fenstern, Spaziergänger blieben stehen, und alle spitzten ihre Ohren und lauschten. Denn von der Balustrade des 56 Meter hohen Turmes der evangelischen Stadtkirche Sankt Anna erklangen aus luftiger Höhe fröhliche instrumentale Klänge.

Beschwerlicher Aufstieg: Bis zur Balustrade des 56 Meter hohen Kirchturms mussten (von oben) Marco Lingemann, Matthias Fieseler, Oliver Eisenbeiß, Bianca, Jinte und Silas Fieseler 156 Stufen und Sprossen bewältigen.
Beschwerlicher Aufstieg: Bis zur Balustrade des 56 Meter hohen Kirchturms mussten (von oben) Marco Lingemann, Matthias Fieseler, Oliver Eisenbeiß, Bianca, Jinte und Silas Fieseler 156 Stufen und Sprossen bewältigen. © Reinhard Michl

Mitglieder des Posaunenchores der evangelischen Kirchengemeinde hatten einer alten Tradition folgend wieder den Aufstieg über die 156 steilen und engen Treppenstufen und Leitersprossen bis zur Balustrade auf sich genommen, um von dort mit ihren Blechblasinstrumenten das neue Jahr zu begrüßen und dem lauschenden Publikum ein Neujahrskonzert nach Wolfhager Art zu bescheren.

Antwort vom Teichberg

Hatten die Musikanten ihre Liedstrophe beendet, herrschte bis zum Intonieren des nächsten Stückes aber keineswegs Funkstille. Denn weitere Mitglieder des 1925 aus der Taufe Posaunenchores, der aktuell über 25 aktiven Instrumentalisten verfügt, hatten auf dem Balkon der Familie von Werner Kepper am Teichberg Aufstellung genommen, um im Wechselspiel mit der jeweils folgenden Strophe musikalisch zu antworten.

Das Neujahrsturmblasen des Wolfhager Posaunenchors kann auf eine fast 100-jährige Tradition zurückblicken. Der langjährige Bläser Bernhard Winter, dessen Elternhaus am Kirchplatz steht und dessen Vater Ludwig Winter den Posaunenchor vor 98 Jahren mitbegründete, erinnert sich: „Als ich 1964 als aktives Chormitglied anfing, wurde von den Bläsern das neue Jahr hoch vom Kirchturm immer in der Silvesternacht Punkt null Uhr begrüßt.“

„Früher“, so Bernhard Winter, „war aber nicht nur das Neujahrsturmblasen ein fester Bestandteil im Terminkalender unseres Chors, sondern da haben wir auch hoch vom Turm am Heiligen Abend die Wolfhager musikalisch auf das Weihnachtsfest eingestimmt“.

Katz-und-Maus-Spiel

Diese beiden Rituale, so hat es Bernhard Winter von seinem Vater erfahren, gingen auch während der Herrschaft der Nationalsozialisten ab 1933 unter erschwerten Bedingungen trotz deren Verbot jedes Mal mit einem Katz-und-Maus-Spiel über die Bühne. Wobei die örtlichen Nazis aber zum Glück nie einen der wagemutigen Wolfhager Turmbläser schnappen konnte.

Bei der diesjährigen musikalischen Neujahrsbegrüßung aus luftiger Höhe hatten die Blechbläser einen idealen Spielpartner mit im Boot: das Wetter. Denn fast frühlingshafte Temperaturen im zweistelligen Plusbereich boten die besten Voraussetzungen für einen über die Dächer der Altstadt schwebenden bunten Melodienstrauß. Nicht zu vergessen auch der märchenhafte Panoramablick über die Stadt Bernhard Winter: „Das war in meiner langen aktiven Zeit nicht immer so. Da gab es auch Neujahrsturmblasen bei extremen Minustemperaturen, die die Instrumente einfrieren ließen.“ (Reinhard Michl)

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