Weiße Haare, schwarze Gürtel: Oldies trainieren Nachwuchs

Ein starkes Team: Die Judotrainer Norbert Arnold (72, rechts) und Fritz Wesche (64) . Sie trainieren Kinder und Jugendliche an der Volkshochschule Wolfhagen. Auf dem Foto zeigen sie den Wurf „O Goshi“ (auf Deutsch: Großer Hüftwurf). Fotos: Daher

Wolfhagen. Erst war er sein Schüler, heute sind sie Trainerkollegen. Fritz Wesche (64) wurde von Norbert Arnold (72) trainiert. Gemeinsam geben sie Judo-Kurse an der Vhs, die dringend Nachwuchs benötigen.

Vielleicht ist es bald das Ende einer Ära: Ob die beiden gemeinsam weiter Trainingsstunden geben können, ist von der Zahl der Anmeldungen im Februar abhängig. Dann startet ein neuer Judokurs. „Die Zahl der Teilnehmer ist gesunken. Derzeit trainieren wir vier Judoka“, sagt Arnold.

Seit 56 Jahren ist der Kasseler im Judo aktiv, davon 52 Jahre beim Polizeisportverein Grün-Weiß Kassel. „Ich wollte immer einen Kampfsport machen. Aber keinen, bei dem es ums Verletzen geht. Boxen zum Beispiel, ist gar nicht mein Stil“, erklärt Arnold die Anfänge seiner Judo-Karriere.

Ein starkes Team: Die Judotrainer Norbert Arnold (72, rechts) und Fritz Wesche (64) . Sie trainieren Kinder und Jugendliche an der Volkshochschule Wolfhagen. Auf dem Foto zeigen sie den Wurf „O Goshi“ (auf Deutsch: Großer Hüftwurf). Fotos: Daher

Im Laufe der Zeit absolvierte er immer mehr Prüfungen, die Zahl seiner erworbenen Gürtel wuchs. Seit 1975 besitzt Arnold den zweithöchsten Gürtel: Den schwarzen, vierten Dan. Kämpfte früher mit der Mannschaft in der Landesliga.

Gemeinsam mit seinem Trainerkollegen Fritz Wesche, Wolfhager Bezirksschornsteinfeger-Meister und träger des schwarzen, ersten Dan, nimmt er heute die Gürtel-Prüfungen der Schüler ab.

„Aus unserem Training ist zum Beispiel eine Judo-Hessenmeisterin hervorgegangen“, schwärmt Wäsche und Arnold fügt schmunzeln hinzu: „Komischerweise waren immer die Frauen, die wir trainiert haben, die erfolgreichen.“

Fritz Wesche kam mit etwa elf Jahren zum Judo, obwohl sein Vater das eigentlich nicht wollte. „Irgendwann musste er es dann akzeptieren“, sagt er grinsend. Als Arnold ihn fragte, ob er Übungsleiter werden wolle, sagte er zu. Und auch, wenn die beiden gemeinsam schon 136 Jahre alt sind, haben sie noch viel Ausdauer und Kraft: „Judo hält fit. Die Reaktion bleibt schnell, alle Muskeln werden belastet. Ich habe nie Rückenschmerzen“, berichtet der 72-jährige Norbert Arnold.

Trainings-Ablauf 

Zunächst spielen die Schüler Ballspiele zum Warmwerden und toben durch die Halle. Mit viel Disziplin gehen sie dann an die Übungen der Trainer. „Erst wenn sie richtig fallen können, kommen die Wurftechniken dran“, sagt Norbert Arnold. In seiner gesamten Judotrainer-Zeit habe sich so nie jemand verletzt.

Nach Graden sortiert: (von links) Miriam Schmalz (10) mit dem orange-gelben Gürtel, Manuel Grebe (12) und Allegra Moschal-Ceron (8) haben weiß-gelb und Damian Rosinski (7) mit weiß.

Die Ideen stammen häufig von Fortbildungen. Zu diesen würden die beiden ab und an fahren. Alle vier Jahre müssten sie ihre Trainerlizenz auffrischen. Wer von den beiden Judotrainern besser ist? „Norbert hat den höheren Grad“, sagt Fritz Wesche. Einen offiziellen Kampf hätte es zwischen beiden nie gegeben. Herausfinden könne man das nicht mehr, da sie sich ganz auf die Ausbildung der jungen Judoka fokusieren.

Judo-Kurse an der Vhs in Wolfhagen für Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren: 

Am 25.Februar beginnen zwei neue Kurse, die beide jeweils mittwochs stattfinden.

• Anfängerkurs zum Reinschnuppern: 15 Uhr, insgesamt zehn Termine (bis 13. Mai), Gesamtpreis: 50 Euro

• Aufbaukurs: 16.30 Uhr, 20 Termine (bis Sommerferien), Gesamtpreis: 100 Euro.

Anmeldung bei der Vhs: 05692/ 987 31 91.

Von Johanna Daher

Judo-Training in der Volkshochschule Wolfhagen

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