Artenschwund, Klimawandel und milder Winter können Erklärung sein

Weniger Vögel im Wolfhager Land an Futterplätzen zu sehen

Eine Blaumeise am Futterspender. Auch in diesem Winter ruft der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) zu seiner großen Vogelzähl-Aktion auf.
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Eine Blaumeise am Futterspender. Auch in diesem Winter ruft der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) zu seiner großen Vogelzähl-Aktion auf.

Warum ist in diesem Winter so wenig Betrieb am Vogelhaus in der Region? Wo sind die Vögel hin? Mit dieser Frage sind einige Leser auf uns zugekommen.

Wolfhager Land – Der Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) im Landkreis Kassel, Markus Dietrich aus Oberelsungen, hat verschiedene Ideen dazu: „Bei den vorwiegend milden Wintertagen der vergangenen Wochen haben die Vögel ausreichend natürliche Nahrung gefunden.“

Die Kältetage rund um Weihnachten hätten den Betrieb am Futterhaus wieder etwas erhöht. Generell zeige sich in den vergangen Wintern aber auch der Artenschwund, weil viele Vögel durch fehlende Insekten keine Nahrungsgrundlage mehr finden würden.

„Außerdem sorgt der Klimawandel dafür, dass Zugvögel, die sonst aus dem Norden im Winter in unsere Gefilde gekommen sind, dort bleiben, weil es nicht mehr so kalt ist.“ Ob tatsächlich weniger Vögel da seien, lasse sich erst nach einer flächendeckenden Datenerhebung beurteilen. Markus Dietrich appelliert deshalb an Naturfreunde, bei der anstehenden Aktion „Stunde der Wintervögel“ vom 6. bis 9. Januar kommenden Jahres mitzumachen. Eine Stunde lang sollen die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park gezählt und gemeldet werden.

Im Mittelpunkt der Aktion stehen vertraute und oft weit verbreitete Vogelarten wie Meisen, Finken, Rotkehlchen und Spatzen. Es sei wichtig, sagt Dietrich, dass sich möglichst viele Menschen an der bundesweiten Mitmach-Aktion beteiligen und ihre Beobachtungen dem Nabu online mitteilen. „Die Meldungen liefern wichtige Erkenntnisse, wie es um die Bestände der heimischen Vogelarten in unserer unmittelbaren Umgebung bestellt ist.“ Das Meldeformular wird erst Anfang Januar auf der Homepage des Nabu freigegeben: nabu.de

Markus Dietrich empfiehlt, auf jeden Fall die Vögel weiter zu füttern und dabei auch auf die Hygiene zu achten.

Nabu gibt Tipps zur Vogelfütterung

Futterspender

Geeignet sind Futterspender (Futtersilos), bei denen die Tiere nicht im Futter herumlaufen und es mit Kot verschmutzen können. Auf diese Weise wird die Übertragung und Ausbreitung von Krankheitserregern minimiert. Außerdem verdirbt darin das Futter nicht. Futterspender müssen so gebaut und angebracht werden, dass das Futter auch bei starkem Wind, Schnee und Regen nicht durchnässt, da es sonst verdirbt oder vereist. Herkömmliche Futterhäuschen sollten regelmäßig mit heißem Wasser gereinigt werden. Aus hygienischen Gründen sollten beim Reinigen Handschuhe getragen werden. Wichtig ist es, täglich nur wenig Futter nachzulegen.

Standort fürs Füttern

Der Futterspender sollte an einer übersichtlichen Stelle platziert werden, damit sich Katzen nicht anschleichen können und die Vögel gut zu beobachten sind. In einem angemessenen Abstand sollten jedoch nach Möglichkeit Bäume oder Büsche Deckung bei eventuellen Attacken von Sperbern bieten. Vorsicht bei spiegelnden Fenstern. Wirksame Lösungen sind beliebige Muster oder Aufkleber, die die Glasscheiben für Vögel sichtbar machen.

Welches Futter?

Als Basisfutter, das im Zweifel von fast allen Arten gefressen wird, eignen sich Sonnenblumenkerne. Bei ungeschälten Kernen fällt zwar mehr Abfall an, dafür verweilen die Vögel aber länger an der Futterstelle. Freiland-Futtermischungen enthalten zusätzlich andere Samen unterschiedlicher Größe, die von unterschiedlichen Arten bevorzugt werden. Die häufigsten Körnerfresser an der Futterstelle sind Meisen, Finken und Sperlinge. Bei uns überwintern daneben auch Weichfutterfresser wie Rotkehlchen, Heckenbraunelle, Amseln, Wacholderdrosseln oder Zaunkönig. Für sie kann man Rosinen, Obst, Haferflocken und Kleie in Bodennähe anbieten. Dabei ist darauf zu achten, dass dieses Futter nicht verdirbt.

Es gibt spezielle Bodenfutterspender, die sich dafür besonders eignen. Billiges Vogelfutter wird meist mit großen Anteilen an Weizenkörnern gestreckt. Zudem besteht bei billigem Vogelfutter die Gefahr, dass invasive Pflanzenarten, wie zum Beispiel die stark allergieauslösende Ambrosie, verbreitet werden. Es lohnt sich also, hochwertigeres Vogelfutter zu verwenden.

Gefahr für Vögel

Beim Kauf von Meisenknödeln sind Plastiknetze zu vermeiden. Vögel können sich mit ihren Beinen darin verheddern und schwer verletzen. Eine gute Möglichkeit ist es, Knödel und Futterglocken selbst herzustellen. (Bea Ricken)

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