Sie fühlt sich dort wohl

Wer ist für die herrenlose Ziege auf der Weidelsburg zuständig?

+
Herrenlose Ziege auf der Weidelsburg: Sie befindet sich zwar auf dem Terrain von Hessen Forst, für das Tier verantwortlich fühlt sich der Betrieb aber nicht.

Die herrenlose Ziege, die seit einigen Tagen auf der Weidelsburg lebt, scheint sich dort wohl zu fühlen. Aber wer ist für sie zuständig?

Bereits Ende vergangener Woche hatten Besucher das Tier auf dem Gelände der Burgruine entdeckt. Möglicherweise hält es sich aber auch schon länger dort auf. Viele Besucher der historischen Anlage sind vom Anblick der weißen Ziege mit der hübschen Kopfzeichnung überrascht. Einige schauen regelmäßg nach ihr. Am Mittwochabend hat jemand Futter verteilt und zwei Näpfe mit Wasser gefüllt.

Doch die Recherche der HNA nach dem möglichen Eigentümer der Hornträgerin – allem Anschein nach handelt es sich um ein weibliches Tier – verlief bislang ohne Erfolg. Weder in Ippinghausen, Naumburg und Bründersen, noch auf Gut Höhnscheid, den am nächsten an der Weidelsburg liegenden Orten, vermisst jemand eine Ziege. Über die Ohrmarke lässt sich der Halter auch nicht ausfindig machen. Denn die Ziege trägt keine Marke.

Spannend ist nun die Frage, wer für das Tier zuständig ist, das jetzt das Grün zwischen den Türmen der mittelalterlichen Burg kurzhält. Hessen Forst ist zwar Eigentümer der Immobilie, fühlt sich aber nicht verantwortlich. Revierförster Frank Ohlwein – in seinem Revier befindet sich die Weidelsburg und mit ihr die Ziege – tritt nur auf den Plan im Falle von Amtshilfe. 

Das könne etwa der Fall sein, wenn sich das Tier im Bereich von Straßen bewege und für Autofahrer eine Gefahr darstelle, sagt er. Die Erfahrung habe gezeigt, dass es schwierig sei, eine frei laufende Ziege einzufangen. Am Isthaberg, ebenfalls in seinem Revier, habe es vor Jahren herrenlose Ziegen gegeben. Fangen habe er sie nicht können, irgendwann seien sie fort gewesen. 

Allzu scheu scheint die Geiß auf der Weidelsburg nicht zu sein. Besucher können sich ihr bis auf wenige Meter nähern.

Vor gut drei Wochen hatte es an der Straße zwischen Naumburg und Ippinghausen einen Vorfall mit einer Ziege gegeben. Wie ein Sprecher der Polizei Wolfhagen sagt, hätten damals zwei Beamte vergeblich versucht, das Tier zu fangen. Ob es sich dabei um jene Wiederkäuerin handelt, die sich nun auf der Weidelsburg eingerichtet hat, ist unklar.

Wie Landkreissprecher Harald Kühlborn sagte, gebe es auch für das Veterinäramt des Landkreises Kassel nichts zu tun. „Der Tierschutz ist nicht in Gefahr.“ So habe die Ziege genug zu fressen. Ein Unterstand sei bei der aktuellen Witterung nicht erforderlich. Einschalten würde sich die Behörde dann, wenn das Tier in Gefahr sei oder, durch es ausgelöst, andere in Gefahr brächte.

Das Fehlen der Ohrmarken bedeutet, dass es nicht beim Hessischen Verband für Leistung und Qualitätsprüfung in der Tierzucht gemeldet ist. Grundsätzlich seien alle Besitzer, auch jene, die ihre Nutztiere lediglich privat halten und deren Produkte nicht vermarkten, zur Kennzeichnung verpflichtet. Dies, so Kühlborn, hänge mit dem Seuchenschutz zusammen. Aus dem Fehlen der Ohrmarke lasse sich aber nicht schließen, dass der Halter der Ziege eine Registrierung beim Veterinäramt versäumt habe.

Solange es der Paarhuferin auf dem Burggelände gutgehe, könne sie vonseiten des Landkreises dort bleiben. Sollte sich an der Situation etwas ändern, würde sich das Veterinäramt kümmern und die Ziege bei einen Landwirt oder im Tierpark Sababurg in Obhut geben. Die dafür entstehenden Kosten würden über Steuermittel gedeckt. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.