Spendenaufruf für die Familie

Wichtige Dokumente haben gefehlt - Syrische Familie aus Wolfhagen sitzt weiterhin in Bulgarien fest

Screenshot vom Distanzunterricht der Walter-Lübcke-Schule.
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Katia Kheder (rechts oben) nimmt von Sofia aus am Distanzunterricht der Walter-Lübcke-Schule teil. Sie, ihr Bruder und die Mutter wurden vor einigen Tagen nach Bulgarien abgeschoben.

Katia Kheder und ihre Familie sitzen weiterhin in Sofia fest. Notwendige Dokumente hätten während des Asylverfahrens gefehlt. Die Schule startet einen Spendenaufruf.

Wolfhagen – Die syrische Familie, die seit 2017 in Wolfhagen lebt, wurde vor einigen Tagen nach Bulgarien abgeschoben. Wie jetzt bekannt wurde, seien wichtige Dokumente während des Asylverfahrens nicht eingereicht worden, sagt Katrin Walmanns, Pressesprecherin des Regierungspräsidiums (RP) Kassel. Diese Papiere hätten der Familie aber helfen können, in Deutschland zu bleiben.

Im Rahmen des Asylverfahrens hat man gegenüber den Behörden eine Mitwirkungspflicht. Das bedeutet, dass man alles, was für das Verfahren positiv sein kann, auch proaktiv einbringen muss, teilt Walmanns mit. Diese Mitwirkungspflicht wurde im Fall der Familie jedoch trotz anwaltlicher Vertretung nur unzureichend wahrgenommen.

In der Akte von Katia Kheder befinde sich weder ein Hinweis auf den Ausbildungsplatz noch den bevorstehenden Schulabschluss. Bei ihrem Bruder Mervan Kheder wurde um Informationen zur Ausbildungsduldung gebeten. Die Anfrage blieb allerdings unbeantwortet, heißt es weiter.

„Die Bescheinigung einer Ausbildung lag nicht vor“, erklärt Axel Selbert, Rechtsanwalt der Familie Kheder. Mit der Bescheinigung hätte die Familie eine Chance gehabt, in Deutschland bleiben zu können. Der Ausbildungsvertrag liegt der Redaktion vor. Er ist auf den 9. Februar 2021 datiert. Katia Kheder will am 1. Oktober eine Ausbildung im Altenheim Phönix beginnen. Den Vertrag habe sie erst vor Kurzem erhalten, wie sie in einem HNA-Telefonat am Donnerstag erklärt.

Trotz der schwierigen Situation und großer Entfernung ist Katia Kheder immer noch bemüht, ihren Realschulabschluss zu machen. Die 17-jährige Schülerin nimmt nun von Bulgarien aus am Distanzunterricht der Walter-Lübcke-Schule teil. „Es war gut, meine Freunde und die Lehrer zu sehen“, sagt sie. In der Pension, in der sie mit ihrer Familie derzeit unterkommt, nutze sie das WLAN, um dem Unterrichtsstoff nicht zu verpassen.

Auch die Schule versucht, die Schülerin mit allen Mitteln zu unterstützen. Der gemeinnützige Schulverein der Walter-Lübcke-Schule stellt seit Mittwoch ein Konto seines Sozialfonds für Spenden an Katia und ihre Familie zur Verfügung. „Freunde und Bekannte haben kurzfristig Geld zur Verfügung gestellt, damit die Familie die Pension, in der sie untergekommen ist, schon einmal bis zum Ende der Osterwoche bezahlen kann“, sagt Ludger Brinkmann, Schulleiter der Walter-Lübcke-Schule.

Der Schulverein habe Kontakt zur Pension aufgenommen, um das erforderliche Geld auf das Konto zu transferieren. Mit dem Spendenkonto hoffen sie, der Familie so weit es geht, helfen zu können. „Zusätzlich sorgen wir dafür, dass die Familie das Lebensnotwendige besorgen kann“, ergänzt Brinkmann.

Vor vier Jahren waren Aziazh Hamou Kheder mit ihrer Tochter Katia und ihrem Sohn Mervan aus Damaskus geflohen. Über Bulgarien kamen sie dann nach Deutschland. Direkt nach ihrer Ankunft hat die Familie einen Asylantrag gestellt. Dieser wurde allerdings abgelehnt. Die Abschiebung nach Bulgarien wurde angedroht, da die Familie in Bulgarien als erstes europäischen Boden betrat.

Gegen den Bescheid wurde Klage beim Verwaltungsgericht Kassel eingereicht, die jedoch Ende vergangenen Jahres abgewiesen wurde. Somit befand sich die Familie im Status der Duldung und war ausreisepflichtig. „Die Familie hat in Bulgarien internationalen Schutz zuerkannt bekommen und Bulgarien hat die Rücknahme der Familie erklärt“, sagt Walmanns..

Das RP kann den Abschiebebescheid der syrischen Familie Kheder nicht aufheben. Die Zentrale Ausländerbehörde beim RP Kassel sei als Vollzugsbehörde an die Entscheidungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge und des Verwaltungsgerichts Kassel gebunden.

„Für die Betroffenen ist es ärgerlich“, sagt Selbert. Er rät der Familie jetzt, die Situation in Bulgarien genau zu dokumentieren, dann würde es vielleicht eine Möglichkeit geben, dass sie wieder zurück nach Deutschland könnten. Allerdings stuft er diese Chance derzeit als sehr gering ein. „Für mich ist der Fall abgeschlossen“, sagt Selbert. Er habe derzeit keinen Kontakt zur Familie und weiß nicht, wie es ihr geht. (Samira Müller)

Spendenkonto: Schulverein der Walter-Lübcke-Schule e.V, IBAN: DE36 5205 0353 0011 8235 93, Stichwort: Hilfe für Katia.

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