Wie eine Hand voller Glückskekse

Jan Josef Liefers sorgte für ausverkaufte Kulturhalle in Wolfhagen

Charmant wie eh und je: Jan Josef Liefers begeisterte am Freitagabend mit einem umjubelten Konzert in der Wolfhager Kulturhalle.
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Charmant wie eh und je: Jan Josef Liefers begeisterte am Freitagabend mit einem umjubelten Konzert in der Wolfhager Kulturhalle.

Die Freude ist riesig. Applaus schon vorm ersten Song, frenetischer Jubel unmittelbar danach. Strahlende Gesichter auf und vor der Bühne beweisen es: Livekonzerte sind in einer Zeit von Coronafrust und Regelchaos zu etwas Kostbarem geworden.

Wolfhagen - „Wer hätte gedacht, dass man sich so in diesem Jahr noch mal wiedersieht, jetzt, als wäre nix passiert“, fragt Jan Josef Liefers am Freitagabend beim restlos ausverkauften Konzert seiner Band Radio Doria in der Wolfhager Kulturhalle. Gedacht haben es vielleicht wenige, gehofft und bis zuletzt gebangt aber viele, gerade in diesen Tagen, wo Politiker und Gesundheitsexperten wieder laut vor Veranstaltungen warnen und zu Kontaktreduzierungen aufrufen.

„Eigentlich wäre ich gar nicht da“, singt Liefers zum Einstieg in eines seiner wenigen Konzerte des Jahres. Den Titel hat er sicher nicht zufällig gewählt, so, wie er auch nicht zufällig an der umstrittenen, corona-kritischen „alles dicht machen“-Kampagne oder erst kürzlich der Nachfolgeaktion „alles auf den Tisch“ teilgenommen hat.

Vieles könnte man in die gewählten Titel und seine sich oft um Pandemiethemen drehenden Worte zwischen den Songs hineininterpretieren. Könnte man, will man aber nicht, denn der singende Tatortstar liefert im Auftaktsong noch einen anderen Weg, der sich so viel besser anfühlt: „Komm mit auf Reisen, damit wir bleiben, wer wir eigentlich sind.“

Mit Texten wie diesen und Musik, die direkt in die Herzen der Zuhörer trifft, funken Liefers und seine Mitstreiter Jens Nickel (Gitarre), Gunter Papperitz (Tasteninstrumente), Christian Adameit (Bass) und Timon Fenner (Schlagzeug, Percussion) als Radio Doria nämlich auf einer unproblematischeren Frequenz.

Für ein gutes Gefühl in schwierigen Pandemiezeiten sorgten die vorbildlichen Einlasskontrollen. Ohne Impf-, Test- oder Genesenennachweis kam niemand rein.

Es ist eine Frequenz, die zumindest für einen Abend den aktuellen Alltagswahnsinn voller Angst und Sorgen vergessen lässt, wenn es einem inmitten eines knapp 500 Köpfe zählenden Publikums denn gelingt. Den meisten gelingt es, nicht zuletzt wegen des locker-flockigen Wohlfühlpops des aktuellen Albums „2 Seiten“, der sich wie Balsam über die sehnsüchtig lauschende und mitfeiernde Menge legt.

Es solle sich anfühlen „wie eine Hand voller Glückskekse, die man in die Luft wirft“, hatte Liefers zur Veröffentlichung gesagt.

So in etwa kommt es auch hin, zumindest sorgen Titel wie „Sehnsucht Nr. 7“ für gute Laune, aber auch frühere Mitsing-Nummern wie „Verlorene Kinder“ begeistern und sorgen am Ende zurecht für einen Standing-Ovations-Moment voller Magie und lassen die anfängliche Freude zu einem ausgewachsenen Glücksgefühl wachsen.

Von Sascha Hoffmann

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