Laut und unbequem

Bündnis Wolfhager Bürger macht seit zehn Jahren Politik

Fühlen sich in ihrer Oppositionsrolle im Parlament wohl: Uwe Nord (links), Fraktionschef des Bündnisses Wolfhager Bürger (BWB), und sein Stellvertreter Jens Kühle.
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Fühlen sich in ihrer Oppositionsrolle im Parlament wohl: Uwe Nord (links), Fraktionschef des Bündnisses Wolfhager Bürger (BWB), und sein Stellvertreter Jens Kühle.

Die Kritik an der Errichtung von vier Windrädern auf dem Rödeser Berg hatte sie zusammengeführt. Wenig später formierten sie sich zum Bündnis Wolfhager Bürger (BWB). Im Oktober ist das zehn Jahre her.

Wolfhagen - Bereits am Freitag wollen seine Mitglieder den Geburtstag an der Grillhütte in Altenhasungen feiern. Wer will, kann ab 18 Uhr dazukommen. Nahezu aus dem Stand hatte es das BWB bei seiner ersten Kommunalwahl im Jahr 2011 auf 12,2 Prozent geschafft. Fünf Jahre später legte es noch einmal zu, die Mitglieder des Bündnisses freuten sich über 17,5 Prozent. „Und im nächsten Jahr wollen wir deutlich über die 20 Prozent kommen“, sagt Uwe Nord selbstbewusst. Er leitet die Fraktion im Wolfhager Parlament. „Erst hatte man uns den Einzug ins Parlament nicht zugetraut. Und dann hieß es: Nach fünf Jahren ist alles vorbei“, erinnert Nords Stellvertreter Jens Kühle und lacht. Das BWB schlüpfte mit Beginn seiner politischen Karriere in die Oppositionsrolle und fühlt sich in ihr auch nach zehn Jahren noch wohl. „Wir sind laut und unbequem. Und das wollen wir auch bleiben.“ Aus der Bevölkerung erhielten sie für ihre Arbeit und Politik viel Zuspruch, sagt Kühle. Da man in der Opposition für seine Vorschläge selten Mehrheiten bekomme, sei es schwer, greifbare Erfolge vorzuweisen. Dennoch tragen Nord und Kühle einiges zusammen, was auf den Einfluss des BWB zurückgehe.

So seien sie von Anfang an gegen eine private Beteiligung an der Stadtwerke Wolfhagen GmbH gewesen. Nun habe es zwei Jahre gedauert, die Stadtwerke umzustrukturieren und die Regionalwerke mit dem Ziel zu gründen, den Einfluss der Bürger-Energie-Genossenschaft auf Wasser- und Stromnetze zu unterbinden. Kosten und Aufwand hätte man sich sparen können, wenn man aufs BWB gehört hätte, sind sich Nord und Kühle einig.

Einmal habe man zusammen mit der CDU eine Erhöhung der Grundsteuer verhindert, ein weiteres Mal habe die Anhebung zumindest abgemildert werden können. Verhindert habe man zudem, dass in Wolfhagen Straßen störungsanfällige Lampen aus China aufgestellt wurden. Der damalige Geschäftsführer der Stadtwerke sei rechtzeitig zurückgerudert, auch weil das BWB Bedenken geäußert habe.

In seiner Politik lässt sich das BWB von vier Grundsätzen leiten: „Wir wollen Transparenz, Kostenbewusstsein, wir wollen für die Bürger da sein.“ Und bei allem gehe es um Wolfhagen, nicht um eine Partei, sagt Kühle, dem wie Nord die Schuldenentwicklung der Stadt Sorge bereitet. Die Kommune finanziert inzwischen eine Summe von weit mehr als 30 Millionen Euro über Kredite. „Wir haben da ein finanzielles Problem.“ Auch deshalb legt das BWB immer den Finger in die Wunde, wenn es ums Geld geht. Trotzdem verpuffte ihre Forderung nach einem Konzept, in dem die Stadt darlegen sollte, wie die Gewerbesteuereinnahmen von vier auf fünf Millionen Euro erhöht werden könnten. „Es geht auch um Ideen, wie Wolfhagen seinem Ruf als Mittelzentrum gerecht werden kann“, sagt der 54-jährige Kühle. An welcher Stelle sind Investitionen sinnvoll? Wo kann man den Rotstift ansetzen? Welche Strategie verfolgt die Stadt, wo will sie hin?

Das sind die Fragen, bei denen die Männer und ihre Mitstreiter nicht müde werden, Antworten zu verlangen. Aus ihrer Sicht ist der Mehrgenerationenplatz ebenso überflüssig wie der Neubau des Feuerwehrzentrums zu kostspielig ist. Nord: „Das wäre sicherlich auch günstiger gegangen.“ Und vor dem Hintergrund knapper werdender Kassen müsse die Frage erlaubt sein, ob man die Künstler künftig eben nur alle zwei Jahre zu Auftritten ins Kulturzelt bittet, um dafür Angebote wie Schwimmbäder und Dorfgemeinschaftshäuser erhalten zu können, sagt Nord.

In einem Punkt aber geht es dem BWB, das gut 50 Mitglieder hat, ebenso wie den etablierteren Parteien. Es ist schwer, Personen zu finden, die sich politisch engagieren wollen. Vor allem Frauen und junge Menschen fehlten in den Reihen. Für die Kommunalwahl im nächsten Jahr habe man aber bereits 15 bis 16 Leute stehen, sagt Kühle, der ankündigt, für die nächste Bürgermeisterwahl einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken zu wollen.

Kontakt: vorstand@bwb-wolfhagen.de

Von Antje Thon

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