Seit 20 Jahren eng verbunden

Wladik Ulansenka kam als Tschernobyl-Kind zu Familie Kranz nach Altenhasungen

Zusammenhalt: Seit 20 Jahren gehört das frühere Tschernobyl-Kind Wladik Ulasenka, hier mit Ehefrau Viktoryia und Söhnchen Martin, zur Familie von Anita und Werner Kranz in Altenhasungen.
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Zusammenhalt: Seit 20 Jahren gehört das frühere Tschernobyl-Kind Wladik Ulasenka, hier mit Ehefrau Viktoryia und Söhnchen Martin, zur Familie von Anita und Werner Kranz in Altenhasungen.

Zusammenhalt seit 20 Jahren: Wladik Ulansenka kam als Tschernobyl-Kind zu Familie Kranz nach Altenhasungen.

Altenhasungen – Da hat sich über die Jahre eine ganz enge Beziehung entwickelt. Danach gefragt, was ihm die beiden Altenhasunger Werner und Anita Kranz bedeuten, sagt der 28-jährige, aus Belarus stammende Wladik Ulasenka mit tiefer Überzeugung: „Sie sind für mich wie ein guter Vater und eine gute Mutter. Nein, besser, Bilderbuch-Großeltern.“

Und auch das Ehepaar Kranz, Eltern von zwei Söhnen, lassen keinen Zweifel aufkommen: „Wladik ist seit 20 Jahren so etwas wie unser drittes Kind. Er gehört fest zu unserer Familie.“ Und das gelte inzwischen auch für Wladiks ebenfalls aus Belarus (Weißrussland) stammender Ehefrau Viktoryia und dem zweieinhalb Jahre alten gemeinsamen Sohn Martin.

Der Anfang der jetzt 20-jährigen Verbindung zwischen Wladik und der Familie Kranz, die sich ehrenamtlich und intensiv in der Burghasunger Tschernobylhilfe engagierte, stand zunächst unter keinem guten Stern. Denn bevor im Jahr 2002 wieder einmal Mädchen und Jungen aus der auch heute noch durch den Reaktor-Unfall im Atomkraftwerk Tschernobyl verstrahlten weißrussischen Region Gomel zu einem mehrwöchigen Erholungsaufenthalt in nordhessischen Familien kamen, kam in Burghasungen bei der Tschernobylhilfe ein Brief an. Darin ging es um den achtjährigen Jungen Wladik. Den, so die Einschätzung der belarussischen Freunde, würde vermutlich niemand aufnehmen. Denn bei dem kleinen Wladik war die Strahlenverseuchung klar erkennbar. Sein Erbgut war so geschädigt, dass es bei ihm keinen Haarwuchs gab. Für Werner und Anita Kranz war das völlig unerheblich. Bei ihnen stand sofort der Entschluss fest: Dieses Kind nehmen wir.

Wladik war auch in den beiden folgenden Jahren gern gesehener Gast in der Altenhasunger Familie, wobei die sogenannten Tschernobyl- Kinder, so die Vorgabe des Fördervereins, maximal drei Mal zur Erholung kommen durften. Bei Wladik kam es anders. Das Ehepaar Kranz startete eine Privatinitiative, lud „ihren“ Jungen in Absprache mit dessen Mutter ab 2005 alljährlich in den Schul- und später in den Semesterferien nach Altenhasungen ein und finanzierte die Aufenthalte aus der eigenen Tasche.

Bei einem dieser Besuche bewarb sich Wladik, der als Hochbegabter früher seinen Schulabschluss machte und an der Universität in Gomel Informatik und Kommunikation studierte, nach seinem Abschluss auch bei deutschen Unternehmen. Mit Erfolg. Seit 2018 lebt er mit seiner Familie in Hattersheim, wo er bei einem international tätigen Unternehmen als IT-Spezialist beschäftigt ist.

„Über all die Jahre, während der Schul- und Studienzeit, der Übersiedelung aus meiner Heimat nach Deutschland, bei der Wohnungs- und Arbeitsstellensuche haben mir Werner und Anita Kranz zur Seite gestanden“, sagt Wladik Ulasenka. „Selbst ein gebrauchtes Auto bekam ich von ihnen geschenkt, damit ich öfters zu ihnen kommen kann.“ Und so sieht man sich inzwischen mehrfach im Jahr in Altenhasungen, wobei der 28-Jährige von hier teilweise auch im Homeoffice arbeitet.

Zudem kümmern sich Werner und Anita Kranz jetzt verstärkt um Wladiks Ehefrau Viktoryia, damit die studierte Pädagogin ihre Deutschkenntnisse verbessert und in ihrer neuen Heimat als Lehrerin oder Erzieherin arbeiten kann.

Obwohl noch seine inzwischen getrennten Eltern und auch seine zwölfjährige Stiefschwester in Belarus leben, hat Wladik Ulasenka keine Sehnsucht nach der alten Heimat. „Vermutlich darf ich mich da aktuell auch nicht blicken lassen, habe ich doch mehrfach in Deutschland an Demonstrationen gegen das Unrechtsregime von Alexander Lukaschenko teilgenommen.“ (Reinhard Michl)

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