Autohaus Ostmann in Wolfhagen

Autohaus plant Erweiterung: Widerstand von Naturschützern

Vor den Toren der Stadt: Als Stellplatz für Gebrauchtwagen ist die Fläche vorgesehen, die zwischen Ortsausgang und dem weißen geparkten Auto von der Ippinghäuser Straße begrenzt wird. Die Grenze führt dann von dort bis auf Höhe des Baums und weiter nahezu im rechten Winkel zurück zur Bebauung, den Häusern an der Buttlarstraße.
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Vor den Toren der Stadt: Als Stellplatz für Gebrauchtwagen ist die Fläche vorgesehen, die zwischen Ortsausgang und dem weißen geparkten Auto von der Ippinghäuser Straße begrenzt wird. Die Grenze führt dann von dort bis auf Höhe des Baums und weiter nahezu im rechten Winkel zurück zur Bebauung, den Häusern an der Buttlarstraße.

Das Autohaus Ostmann aus Wolfhagen möchte auf einem Teilstück der Kampwiesen einen Stellplatz für Gebrauchtwagen bauen. Dagegen regt sich Widerstand.

  • Ein Autohaus aus Wolfhagen möchte sich erweitern.
  • Ein Gebrauchtwagenstellplatz soll auf einer Wiese errichtet werden.
  • Naturschützer wehren sich dagegen.

Nein, so richtig organisiert seien sie nicht, sagt die Wolfhagerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Die Frau, die in einem Haus an der Buttlarstraße am südlichen Rand der Stadt wohnt, engagiert sich im Widerstand gegen das Projekt des Autohauses Ostmann, das auf einer zu den weitläufigen Kampwiesen zählenden Parzelle direkt an der Ippinghäuser Straße einen Stellplatz für Gebrauchtwagen errichten möchte.

12 600 Quadratmeter ist die in Rede stehende Fläche laut Stadtverwaltung groß, ein nicht ganz gerades Rechteck an der Grenzlinie des untersten Hauses der Buttlarstraße bis zur markanten Weide, die die Ecke markiert. Von dort läuft die Linie bis zur Ippinghäuser Straße zurück. Am späten Dienstagnachmittag steht die Aktivistin auf der Fläche. 

Wolfhagen: Widerstand gegen Autohaus-Erweiterung - Wiese wichtig für Kleinklima

Nach und nach kommen im Schatten der Weide immer mehr Menschen zusammen, gut 40 sind es am Ende, die mit ihrem Kommen deutlich machen, dass sie die Kampwiesen so lassen wollen, wie sie sind: Eine große Fläche, die Grünfutter fürs Vieh liefert.

Aber eben nicht nur das. Hilmar Bergmann ist Statthalter des Nabu in Wolfhagen. Er spricht von Kaltluft- und Ventilationsbahnen, vom kühlenden Effekt des Grünlandes gerade bei trockenem und heißem Südwind. Er sorge sich ums Kleinklima, wenn ein Teil der Fläche zum Stellplatz für Karossen werde. Auch als „Nahrungshabitat für Insekten“ sei die Fläche von Bedeutung, ebenso für den Artenschutz.

Widerstand gegen Autohaus in Wolfhagen: Optik würde leiden

Peter Jahn pflichtet ihm bei, im Gegensatz zu Bergmann, der auf dem Teichberg wohnt, ist Jahn Anwohner der Buttlarstraße. Er bringt einen weiteren Aspekt des Autostellplatzes an der geplanten Stelle ins Gespräch: Die Optik von Wolfhagens wohl ansehnlichster Seite würde leiden. Vor 20 Jahren, als er an der Buttlarstraße zu bauen plante, habe man ihm aus diesem Grund die Dachziegelfarbe vorgeschrieben.

Die alte Weide als Anlaufstelle: Am Dienstag versammelten sich Kritiker eines Gebrauchtwagenstellplatzes Auf dem kleinen Kamp im Schatten des Baums, der die äußere Ecke der vorgesehenen Fläche markiert und auch bei einer Realisierung des Projekts stehen bleiben wird.

Jahn spricht von den Störchen, die sich hier einfinden, um Nahrung auf den feuchten Flächen zu finden, von Graureihern, dem Roten Milan. Damit sei es dann wohl vorbei, wenn, wie man gehört habe, die Fläche versiegelt und mit bis zu 500 Autos vollgestellt würde.

Dagegen wolle man angehen. „Wenn alle Stricke reißen, dann machen wir hier ein Bürgerbegehren“, sagt Hilmar Bergmann. Und davor, sagt die Frau, die ihren Namen aus der Öffentlichkeit heraushalten möchte, werde man eine Unterschriftenaktion starten. Eine Online-Petition wurde inzwischen gestartet. Man werbe für eine alternative Lösung, für das nach dem Umzug an die Liemecke leer stehende Areal der Grundschule, das direkt an Ostmanns Audi-Niederlassung grenzt. 

Wolfhagen: Autohaus will auf Erweiterung anlegen - "Im Sinn des Erhalts von Arbeitsplätzen"

Reinhard Ostmann kennt die Kampwiesen bestens. Seine Eltern wohnen an der Buttlarstraße, auf der Seite, die an die weite Wiesenfläche grenzt. Ganz in der Nähe ist er aufgewachsen, an der Ippinghäuser Straße, wo sich das von seinem Vater im Jahr 1959 gegründete Unternehmen über die Jahre vom kleinen VW-Handel mit Werkstatt zu einem der großen Player in der Region entwickelt hat. 

Mit sechs Marken hat Ostmann heute in Wolfhagen Verträge, von den insgesamt 390 Mitarbeitern an acht Standorten zwischen Hofgeismar und Schwalmstadt sind gut 200 am Stammsitz beschäftigt. „Man muss in der Branche wachsen können, um die Struktur mitgehen zu können“, die von den Herstellern vorgegeben werde, sagt Ostmann. „Das ist im Sinne des Erhalts der Arbeitsplätze.“ Rund um den Firmensitz an der Ippinghäuser Straße, wo sich die einzelnen Marken in ihren Domizilen drängen, sei räumlich keine Entwicklung mehr möglich, aber „das Unternehmen benötigt Platz mit Perspektive für die Zukunft“. 

Wolfhagen. Widerstand gegen Autohaus-Erweiterung - Fläche liegt nahe zum Betrieb

Die Fläche auf dem kleinen Kamp direkt an der Ippinghäuser Straße sei für das Vorhaben sehr gut geeignet. „Für die Fläche spricht die Nähe zum Betrieb.“ Für den Gebrauchtwagenverkauf brauche es wesentlich mehr als einen Abstellplatz. In fußläufiger Entfernung habe man Werkstatt, Buchhaltung, Fahrzeugbewertung, Kasse, Dekra. 

„Das haben wir alles hier, und das bringt uns kurze Wege.“ Und natürlich hat die anvisierte Fläche ordentlich Platz, wobei Ostmann gleich einschränkt, dass von den 12.600 Quadratmetern noch einiges weggehe für die Begrünung, die den Stellplatz mit Ausnahme der Seite zur Straße hin umfassen werde. Auch wenn das Erweiterungsprojekt bislang eher als Skizze denn als ausgearbeitete Planung existiere, könne er sicher sagen, dass es zu keiner Asphaltierung der Fläche kommen werde. 

Wolfhagen: Autohaus plant Ausgleich für Erhalt der Ökologie

„Ich werde nicht versiegeln“, sagt der Unternehmer. Auch deswegen nicht, weil eine Versiegelung mit deutlich höheren Abgaben im Bereich der Entwässerung verbunden sei. Im Übrigen könne die Stadt auch entsprechende Auflagen machen. Klar sei auch, dass im Falle der Realisierung des Vorhabens im Bereich der Ökologie ein entsprechender Ausgleich erfolgen werde.

Reinhard Ostmann sagt, ihm sei wichtig, dass seine Aktivitäten in Sachen Kampwiesen richtig eingeordnet werden. „Es ist erst mal eine ganz normale Anfrage bei der Stadt. Und wenn die Stadt es will, dann will ich gerne hier etwas mit Gebrauchtwagen machen. Und wenn nicht, dann nicht. Da bin ich ganz entspannt.“ Ob er Alternativen an den anderen Standorten hat, lässt er offen. Auf jeden Fall sieht er jetzt den Ball im Feld der Stadt Wolfhagen. „Die Stadt muss sagen, wie sie sich Entwicklungsmöglichkeiten für diesen Betrieb vorstellen kann.“ Das müsse letztlich politisch entschieden werden. 

Widerstand gegen Autohaus-Erweiterung in Wolfhagen: Das sagt der Bürgermeister

Bürgermeister Reinhard Schaake (parteilos) und der Magistrat haben da schon eine gemeinsame Linie gefunden. Man empfehle den städtischen Gremien, den Aufstellungsbeschluss zu fassen, erklärt der Verwaltungschef. Dies sei der erste Schritt auf dem Weg zum Baurecht. Und wenn im weiteren Verfahren alle Beteiligten mitziehen, würde die landwirtschaftliche Fläche umgewandelt in eine gewerblich nutzbare. 

Schaake ist sich der Bedeutung des Betriebs für die Stadt bewusst, spricht von „vielen Arbeitsplätzen“, Azubis und auch den Steuern, die dem Etat zugutekommen. „Ein Unternehmen in dieser Größenordnung ist bedeutsam.“ Deshalb sei es „wichtig für die Stadt zu sehen, wie können wir es dem Unternehmen ermöglichen, zu erweitern und sich zu entwickeln“ – unter Berücksichtigung auch des Naturschutzes. 

Dass für den Betrieb das in absehbarer Zeit frei werdende Areal der Grundschule eine Alternative zu den Kampwiesen sei, hält Schaake für unwahrscheinlich. Vom Landkreis als Schulträger wisse er, dass die Wilhelm-Filchner-Schule bereits Bedarf für einen Teilbereich angemeldet habe. Die Grundschulgebäude seien insgesamt in einem guten Zustand. Der Bürgermeister: „Das wäre finanziell ein hoher Aufwand, die Gebäude abzureißen – bei nur geringem Platzgewinn.“

Von Norbert Müller

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