„Mein Leben ist ein Wunder“

Wolfhagen: Eine Organspende rettete sein Leben - Jetzt feiert Amon Witte 18. Geburtstag

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Mutter Christiane Witte (von links) und Sohn Amon feiern heute ihren 50. beziehungsweise 18. Geburtstag. Dass Amon dies tun kann, ist ein medizinisches Wunder.

Amon Witte wurde ohne Gallenblase und Gallengang geboren, was unbehandelt zum Tod führt. Die Transplantation eines Leberlappens seines Vaters rettete ihm als Baby das Leben.

Wolfhagen –  Bei einer Spendenaktion beteiligten sich damals viele Menschen aus dem Wolfhager Land. So konnte die Familie die finanzielle Last tragen. „Ein Abgrund tat sich auf und es war so, als ob einem im Sitzen der Stuhl weggezogen wird und man ins Unendliche fällt“, so beschreibt Christiane Witte den Moment, als sie vor 18 Jahren erfährt, dass ihr Baby Amon todkrank ist. 

Die Ärzte machen ihr nicht viel Hoffnung. Die Operation, bei der bei dieser Erkrankung ein künstlicher Gallengang gelegt wird, schaffen nur 20 Prozent der Patienten. Amon wird operiert, als er vier Wochen alt ist, er kämpft und schafft es.

Die Freude der Familie, die zu dieser Zeit in Breuna lebt, währt nicht lange: Die Leber macht nicht mehr mit. Amons Haut wird gelb und er lagert Wasser ein. „Die Ärzte haben zu mir gesagt, wenn er nicht in drei Monaten transplantiert wird, stirbt er“, erinnert sich die Mutter, die am selben Tag wie ihr Sohn Geburtstag hat.

Nach der Transplantation geriet die Familie in finanzielle Not

Ein Wettkampf mit der Zeit beginnt: Amon ist beim Universitätsklinikum in Hamburg gemeldet, doch es findet sich kein Spender. Sein Vater Stefan wird zunächst von der Ethikkommission abgelehnt, weil er zu lange als Ernährer der Familie ausfallen würde. 

Sport ist seine Leidenschaft: Amon Witte sprüht vor Energie. Von seiner chronischen Erkrankung spürt er nicht mehr viel.

„In allerletzter Minute schwenkte die Kommission um“, so Witte. Amon wird operiert und erhält einen Leberlappen seines Vaters. Die Operation zahlt zwar die Krankenkasse aber die Familie gerät in finanzielle Not.

„Stefan verdiente nichts mehr, wir mussten zwei Monate in Hamburg bleiben.“ Angestoßen von der Kirche und einem Bericht in der HNA startet eine beispiellose Spendenaktion. Viele Menschen aus dem Wolfhager Land wollen der Familie und Amon helfen. „Die Ärzte haben Amons Leben gerettet und die Spender uns“, so Witte rückschauend.

"Mein Leben ist ein medizinisches Wunder"

Amon, der heute (07.05.2020) 18 Jahre alt wird, hat an all diese Vorgänge keine Erinnerung. „Es ist schon krass, wenn ich mir die alten Zeitungsartikel heute anschaue und etwas über meine Kindheit nachlese. Mein Leben ist ein medizinisches Wunder“, sagt er.

Als Kind hatte er durch die Erkrankung eine Entwicklungsverzögerung und Konzentrationsprobleme. Doch auch hier kämpft sich Amon durch und schafft seinen Realschulabschluss.

Wenn Amon erzählt, sprüht er nur so vor Energie. Er joggt, fährt Fahrrad und tanzt für sein Leben gern. Seit der Organtransplantation war er nie wieder im Krankenhaus. Er engagiert sich ehrenamtlich als Sanitäter, bei der Feuerwehr und bei Jugendfreizeiten. 

Sport ist seine Leidenschaft: Amon Witte sprüht vor Energie. Von seiner chronischen Erkrankung spürt er nicht mehr viel.

18-Jähriger hat viel in seinem Leben vor 

Im Oktober will er eine Ausbildung als Krankenpfleger beginnen. Er muss allerdings sein Leben lang Medikamente nehmen.

Amon lebt noch bei seiner Mutter in Wolfhagen. Die Ehe der Eltern zerbrach damals. Mit dem Vater sind Mutter und Sohn freundschaftlich verbunden.

Er will demnächst in eine eigene Wohnung ziehen. Später möchte er eine Familie haben und Kinder bekommen. Die Ärzte haben ihm gesagt, dass dies kein Problem sei. „Vielleicht wandere ich auch nach Schweden aus, da war ich schon bei vielen Freizeiten. Ich liebe die Natur dort.“

Amon hat viele Pläne wie jeder andere 18-Jährige auch. Er freut sich unbändig auf das Leben, das vor ihm liegt. Heute wird aber erst mal wegen der Corona-Pandemie im kleinsten Kreis gefeiert. Es gibt seinen Lieblingskuchen: Erdbeertorte.

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