HNO-Medizin bleibt in Klinik

Wolfhagen ist wichtiger OP-Standort im Kreis Kassel

Die Fachärzte Diaa Al Shaiar (links) und Uwe Simon sichern den Standort der Hals-Nasen-Ohren-Medizin in Wolfhagen. Beide operieren in der Klinik am Ofenberg.
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Die Fachärzte Diaa Al Shaiar (links) und Uwe Simon sichern den Standort der Hals-Nasen-Ohren-Medizin in Wolfhagen. Beide operieren in der Klinik am Ofenberg.

Mit dem neuen Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (HNO), Diaa Al Shaiar, ist der fachärztliche Standort an der Wolfhager Klinik gesichert.

Wolfhagen – Angeboten werden damit auch weiterhin Operationen im Bereich der HNO für Kinder und Erwachsene. Das Wolfhager Krankenhaus ist laut Kreissprecher Harald Kühlborn der einzige Standort für HNO-Operationen im Landkreis Kassel.

Diaa Al Shaiar gehört zur HNO-Gemeinschaftspraxis mit Standorten in Bad Arolsen, Wolfhagen und Hofgeismar. Er deckt zusammen mit seinem Kollegen, Praxis-Koordinator Uwe Simon, das gesamte Spektrum der HNO ab.

Fachärzte in diesem Bereich sind rar. Zwischenzeitlich habe er bis zu einem Jahr nach einem Kollegen gesucht, so Uwe Simon, der durch die Sprechstunde in Bad Arolsen Wolfhagen nicht allein betreuen kann. Durch den Fachärztemangel betreue die Ärztegemeinschaft Patienten in einem Radius von rund 40 Kilometern rund um Arolsen aus mehreren Landkreisen, so Simon.

Der neue HNO-Arzt Al Shaiar schloss sein Medizinstudium im Jahr 2000 in der Damaskus Universität in Syrien ab. Von 2000 bis 2004 absolvierte er eine Facharzt-Weiterbildung für den Fachbereich HNO und erhielt 2017 die deutsche Promotion. Seit 2018 praktiziert er in Deutschland. Im Wolfhager Krankenhaus gibt es neben der HNO mit vier Belegbetten noch die beiden Belegarztpraxen der Gynäkologie und der Urologie.

Silvan Uick: Betriebsleiter Kliniken

Die Nachfrage sei hoch und deshalb prüfe man derzeit, wie OP-Kapazitäten an der Klinik erhöht werden könnten, sagt der Betriebsleiter der landkreiseigenen Kliniken Wolfhagen und Hofgeismar, Silvan Uick. Mit dem ärztlichen Leiter der beiden Häuser, Dr. Uwe Hecht, habe man am Krankenhaus einen erfahrenen Anästhesisten, vor allem auch für Kinder. Das sei einer der Wettbewerbsvorteile der Wolfhager Klinik. „Unsere Patientenzahlen haben einen deutlichen Sprung nach oben gemacht. Wir sind mit 60 Patienten gestartet und haben jetzt im Durchschnitt bis zu 150 Patienten pro Tag“, so der Betriebsleiter.

Eingriffe auch bei Kindern

In der HNO-Praxis an der Wolfhager Klinik wird das gesamte Spektrum der Hals-Nasen-Ohren-Medizin angeboten. Auch für Kinder. Hier stehen Polypen- und Mandelentfernung sowie die Einsetzung von Paukenröhrchen im Vordergrund. Weitere Tätigkeitsfelder sind Schlafapnoe-Diagnostik, Akupunktur, Tauchmedizin oder die Hörgeräteversorgung. Ausgeführt werden auch kosmetische Operationen zum Beispiel nach Entfernung von Hauttumoren im Gesicht. 

Neues Angebot in Wolfhager Klinik: Prothesen für die Schulter

Nicht zum ersten Mal setzt Michael Schacht, Leiter der Unfallchirurgie der Kreisklinik Wolfhagen, bei einem Patienten eine Schulterprothese ein. Doch eine Sache ist ab jetzt neu: Patienten können die Prothese bekommen, auch wenn sie keine gebrochene Schulter haben.

So zum Beispiel Harald Wudtke aus Bad Emstal. Der 77-Jährige hatte eine fortgeschrittene Arthrose in seiner rechten Schulter und hat als erster Patient in der Wolfhager Kreisklinik die Schulterprothese außerhalb eines Bruches eingesetzt bekommen. „Die Schmerzen wurden immer schlimmer“, beschreibt Wudtke die Situation vor dem Eingriff. Die Operation Mitte April habe sehr gut geklappt und er sei mit dem Ergebnis zufrieden. Auch nach der Operation habe er nicht lange Schmerzen gehabt.

„Die Prothese verschiebt das Rotationszentrum nach Außen“, sagt Schacht. Damit übernimmt ein anderer Muskel die Belastung und die Schmerzen werden gelindert. Die Schmerzreduktion und die Funktionalität im Alltag stehen bei dem Eingriff im Vordergrund. Wichtig sei, dass sich der Patient zum Beispiel wieder eine Tasse aus dem Schrank nehmen kann und das ohne Schmerzen. Durch die Prothese hat Wudtke nun eine bessere Beweglichkeit als vor der Operation.

Schulteroperationen als neues Angebot in der Kreisklinik Wolfhagen: Harald Wudtke (links) hat eine solche Prothese von Michael Schacht, Leiter der Unfallchirurgie der Kreisklinik Wolfhagen, eingesetzt bekommen.

Bei der Operation wird ein zementfreier Schaft in den Oberarm eingesetzt. Daran wird eine künstliche Gelenkpfanne angebracht. Auf der anderen Seite wird ein künstlicher Gelenkkopf mit zwei Schrauben ins Schlüsselblatt angeschlagen.

Die Prothese Agilon ist von der Firma Implantcast. „Es ist alles made in Germany.“ Gut an der Prothese sei auch, dass sie modular aufgebaut ist. Das bedeutet, dass jedes Teil einzeln herausgenommen und ersetzt werden kann.

Die Materialkosten der Prothese betragen etwa 2500 Euro. „Der Patient sitzt bei der OP“ , wie Schacht erklärt, in einer sogenannten Beach chair-Position. Die Operation dauere etwa 1,5 bis zwei Stunden.

Die inverse Schulterprothese sei eine „runde Sache“, wie Schaft berichtet, aber die Entscheidung zu so einer Operation liege immer beim Patienten. Vor der Operation werde geschaut, ob es andere Möglichkeiten gibt, die Schmerzen zu lindern, beispielsweise durch Krankengymnastik.

Das habe bei Wudtke aber nichts geholfen, weswegen er sich für die Prothese entschieden hat. Nach der Operation ist der 77-Jährige direkt in die Reha gekommen. Jetzt steht für ihn zusätzlich Krankengymnastik auf dem Plan. „Die Muskulatur muss wieder aufgebaut werden“, sagt Schacht.

Die Prothese biete sich für Menschen an, die einen chronischen andauernden Schmerz bei Schulterverschleiß haben. „Es gibt viele Krankheiten, die das verursachen.“

Neben den Schulteroperationen habe das Krankenhaus auch mit Hüftendoprothesen angefangen, für die Knie sei man noch in der Planung. „Das Krankenhaus muss besondere Angebote haben, damit es bestehen kann“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. (Bea Ricken und Samira Müller)

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