Mobina Hasseini durfte keinen Männerberuf erlernen

Wunsch nach Gleichberechtigung: 18-jährige Iranerin flieht vor Diskriminierung von Frauen

+
Hat einen Traum: Mobina Hasseini ist allein aus dem Iran geflohen und lebt derzeit in der Pommernanlage in Wolfhaben (Landkreis Kassel).

Mit 18 Jahren machte sich die Mobina Hasseini vom Iran aus auf den Weg nach Deutschland und landete in Wolfhagen. Hier will sie gleichberechtigt Leben und sich ihren Berufswunsch erfüllen.

Wolfhagen/Landkreis Kassel – Mobina Hasseini hat einen Traum: Sie wünscht sich, dass alle Frauen auf der Welt selbstbestimmt leben dürfen, sich frei entscheiden können für einen Beruf, einen Partner, eine Religion und keine Angst vor Verfolgung und Krieg haben müssen.

Eine Freiheit, die es für die junge Iranerin, die seit einem Jahr in der Flüchtlingsunterkunft in Wolfhagen im Landkreis Kassel lebt, in ihrer Heimat nicht gibt. Frauen würden diskriminiert und Gleichberechtigung sei ein Fremdwort. 

Wolfhagen (Landkreis Kassel): Aus dem Iran nach Deutschland - Im Gepäck einen Wunsch

Die Tochter eines Ingenieurs und einer Taschenmacherin traf nach dem Abitur eine mutige Entscheidung: Ganz alleine machte sich die damals 18-Jährige auf den Weg nach Deutschland. Im Gepäck ihren größten Wunsch: „Ich möchte Fluggerätemechanikerin werden“, erzählt sie und strahlt. „Ein Männerberuf, den eine Frau im Iran niemals ausüben dürfte.“ Schon als Kind haben sie Flugzeuge fasziniert.

„Meine Eltern haben mich nur gehen lassen, weil sie Angst um mich hatten und wollten, dass ich in Sicherheit bin.“ Sie ist das einzige Kind, ihre Eltern sind Christen, eine verfolgte Minderheit im Iran. Hinzu komme der drohende Krieg mit den USA. „Die meisten Iraner wollen den Krieg nicht. Sie werden von der Regierung unterdrückt.“

Landkreis Kassel: In Pommernanlage in Wolfhagen untergebracht - Heimweh und Probleme

Mit einem Touristenvisum gelingt der zierlichen Frau die Ausreise. Der Preis für die Freiheit und die Sicherheit ist hoch: Mobina Hasseini stirbt fast vor Heimweh nach ihrer Familie, als sie von der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen in die Pommernanlage kommt. 

Ein Jahr lebt sie schon dort, derzeit im Status der Duldung, und besucht Deutschkurse. Sie spricht neben ihrer Landessprache persisch fließend Englisch und schon gut Deutsch. Ihr fehlen Gleichaltrige, mit denen sie sich austauschen kann. Das größte Problem, als alleinstehende Frau hat sie es schwer in der männerdominierten Flüchtlingsunterkunft Pommernanlage in Wolfhagen. Die Männer stellen ihr nach. Hier wünscht sie sich einfach nur weg.

Wolfhagen (Landkreis Kassel): 18-Jährige will nicht wieder zurückkehren

Und dennoch: In dem vergangenen Jahr hat sie nicht eine Minute darüber nachgedacht, in den Iran zurückzukehren. „Wenn ich einmal eine Entscheidung getroffen habe, bleibe ich dabei“, sagt sie fast trotzig. „Ich hoffe, dass ich hier in Zukunft leben darf, genauso gleichberechtigt wie die deutschen Frauen.“

Von Bea Ricken

„Wenn wir streiken, steht die Welt still!“ Unter dem Motto wurde in Kassel am Internationalen Frauentag 2019 demonstriert. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.