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Wolfhagen: Klärwerk-Modernisierung kostet 23 Millionen Euro

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Von: Antje Thon

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 Das Klärwerk Wolfhagen.
Ist in die Jahre gekommen: Das Klärwerk Wolfhagen. Die Anlage muss erweitert und modernisiert werden, um die gesetzlichen Vorgaben erfüllen zu können. © Antje Thon

Die Modernisierung und Erweiterung der Kläranlage in Wolfhagen kostet mehrere Millionen Euro. Das Projekt muss die Stadt in den nächsten Jahren stemmen.

Wolfhagen – Die Erweiterung der Kläranlage ist eine Aufgabe, die die Stadt Wolfhagen (Kreis Kassel) nicht umschiffen kann. In der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie ist verankert, dass spätestens bis zum Jahr 2027 alle Gewässer in einen guten ökologischen Zustand zu versetzen sind. Für Wolfhagen bedeutet das, die Nitratbelastung der bestehenden Anlage zu reduzieren.

Dass sich die Begeisterung für die Umsetzung des auch logistisch anspruchsvollen Vorhabens in Grenzen hält, hängt vor allem mit den zu erwartenden Kosten zusammen. Die liegen mit Stand vom September bei 23,3 Millionen Euro, sagt Erster Stadtrat Karl-Heinz Löber.

Wolfhagen: 23 statt zehn Millionen Euro für Klärwerk nötig

Noch vor knapp drei Jahren hatte man im Rathaus geglaubt, mit etwas mehr als zehn Millionen Euro die Erweiterung und die Modernisierung des Klärwerkes gewuppt zu bekommen. Dessen älteste Teile stammen aus den 1960-er Jahren, die neuesten Elemente waren Anfang der 1990-er Jahre eingeweiht worden. Inzwischen hält Klaus Wenzel, der sich bei der Stadtverwaltung federführend um das Vorhaben kümmert, eine Fertigstellung bis Ende 2027 für fast illusorisch.

Fachkräftemangel, Inflation, steigende Materialkosten und die Teuerung bei der Energie erschwerten den Firmen eine Angebotsabgabe. Von diesem Problem seien viele Kommunen betroffen. Und so werde bezüglich der Vorgaben durch die Wasserrahmenrichtlinie seit einiger Zeit eine Fristenverlängerung bis 2030 diskutiert.

Klärwerk Wolfhagen: Zusammenarbeit mit Burghasungen und Oelshausen möglich

In Wolfhagens Gremien würden derzeit verschiedene Investitionsszenarien durchgespielt, sagt Löber. Eine Variante sieht den Ausbau der Kläranlage in einem Umfang vor, der den Anschluss Niederelsungens und Viesebecks ermöglicht, wo aktuell die Abwässer in biologischen Kläranlagen gereinigt werden. Hierbei werden sowohl eine Einleitung aus dem Hiddeser Feld geprüft, als auch entsprechende Puffer für gewerbliche Neuansiedlungen berücksichtigt. Die Kläranlage in Gasterfeld bliebe erhalten.

Eine zweite Überlegung umfasst zudem die Einleitung und Klärung der Abwasser aus Burghasungen und Oelshausen. Diese müssten bis Wenigenhasungen transportiert und ab dort zum Klärwerk nach Wolfhagen verfrachtet werden. Derzeit verhandelten beide Kommunen die finanziellen Rahmenbedingungen einer Zusammenarbeit, sagt Löber, der Vorteile für beide Städte sieht. „Zierenberg muss nicht selbst investieren. Und für Wolfhagen gibt es ein Plus bei der Effizienz der Anlage.“

Wolfhagen: Ziel ist, die Volumina in der Kläranlage zu vergrößern

Geht alles glatt, könnten ab dem kommenden Frühjahr die Ingenieurleistungen zum Ausbau der Kläranlage ausgeschrieben und im Herbst des selben Jahres vergeben werden. Das Jahr 2024 ginge für die Planung drauf. Frühestens im März 2025 könnten die Bauarbeiten beginnen. Nach diesem Zeitplan könnte die Kläranlage im Herbst 2027 in Betrieb gehen.

Wesentliches Ziel der Arbeiten sei es, die Volumina in der Kläranlage zu vergrößern, sagt Wenzel. Die beiden Belebungsbecken könnten derzeit 1000 Kubikmeter fassen, ihre Kapazität soll auf 2500 Kubikmeter erhöht werden. So ließe sich die Zahl der Bakterien steigern, was zu einer Reduzierung des Stickstoffs führe und am Ende den ökologischen Zustand der Gewässer verbessere.

Klärwerk Wolfhagen – Schlammspeicher könnte notwendig sein

Ähnlich sehe es bei den Nachklärbecken aus, die aktuell auf ein Volumen von 1400 Kubikmetern limitiert seien. Auch dort müsse nachgerüstet werden. In Summe müssten ein Belebungsbecken und zwei Nachklärbecken neu gebaut werden. Unklar sei derzeit noch, so Wenzel, ob zudem ein Schlammspeicher errichtet werden müsse.

Das Ausbringen von Klärschlamm auf landwirtschaftlich genutzten Flächen unterliegt bereits jetzt strengen Regeln. Künftig wird das kaum noch möglich sein. Dann wird der Schlamm in den Kläranlagen gepresst werden müssen. Während die zurückbleibenden Feststoffe vorzugsweise verbrannt werden, bleibt das hochbelastete Wasser zurück. Die anstehende Investition ist also auch erforderlich, um das Presswasser zu reinigen.

Wolfhagen: Erweiterung der Kläranlage muss bei laufendem Betrieb geschehen

Die Erweiterung der Kläranlage sei auch deshalb sehr komplex, weil während der Arbeiten der Betrieb aufrechterhalten werden müsse, sagt Klaus Wenzel, der sich im kommenden Jahr in den Ruhestand verabschiedet und die Fertigstellung des Projekts als Rentner erleben wird.

Neben dem Zubau eines Belebungs- und zweier Nachklärbecken muss auch die Kapazität des Faulturms, in dem die Feststoffe unter Ausschluss von Sauerstoff mineralisiert werden, erweitert werden. Zudem würden die gesamte Elektrotechnik und das Blockheizkraftwerk erneuert. (Antje Thon)

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