Protestierten mit Traktoren

Wolfhager Land: Landwirte protestieren mit Flashmob gegen Agrarpolitik

Gemeinsam Druck machen: Bei Freckenhausen am Fuß des Wolfhager Ofenbergs trafen sich gut zwei Dutzend Landwirte aus Wolfhagen und Umgebung, ehe sie gegen 16.20 Uhr zu den Zielpunkten fuhren.
+
Gemeinsam Druck machen: Bei Freckenhausen am Fuß des Wolfhager Ofenbergs trafen sich gut zwei Dutzend Landwirte aus Wolfhagen und Umgebung, ehe sie gegen 16.20 Uhr zu den Zielpunkten fuhren.

Tausende Landwirte in ganz Deutschland haben sich am Mittwochabend einem Schlepper-Flashmob angeschlossen – darunter auch viele Landwirte aus dem Wolfhager Land.

Wer am Mittwoch in den frühen Abendstunden im Wolfhager Land unterwegs war, sah sie gleich an mehreren Stellen: Landwirte, die sich mit ihren Traktoren postiert hatten, um gegen die deutsche Argarpolitik zu protestieren – und sich mit Landwirten aus den Niederlanden zu solidarisieren.

Aufgerufen zu dem Protest hatte die Organisation „Land schafft Verbindung“ (LSV) für ganz Deutschland. Auch im Wolfhager Land waren die Landwirte diesem Aufruf gefolgt. Kurzfristig hatten sie sich dafür gestern organisiert. An verschiedenen stark frequentierten Verkehrspunkten postierten sich die Landwirte dann um 16.30 Uhr zu sogenannten Flashmobs mit Transparenten und eingeschalteten Rundumleuchten am Straßenrand. Den Verkehr wollten die Bauern dabei nicht blockieren, mit langsam fahrenden Traktoren mussten die Autofahrer allerdings rechnen.

Anlass für den Protest: Folgen des Agrarpaktes

Anlass für den Protest sind neben der Solidarität für die niederländischen Kollegen einmal mehr die Folgen des Agrarpaktes der Bundesregierung. Die Landwirte beklagen, dass immer mehr Produkte aus dem Ausland importiert werden, bei denen die hohen Standards, die für deutsche Bauern gelten, nicht angelegt werden. „Wir können wegen der hohen Auflagen, die wir bekommen, preislich nicht mehr mithalten. Das ist für immer mehr Betriebe existenzbedrohend“, sagt Landwirtin Bettina Wagner aus Oberelsungen.

Entwurf der neuen Düngeverordnung wird abgelehnt

Auch der Entwurf einer neuen Düngeverordnung stößt bei den Landwirten auf Ablehnung. „Da wurde nicht geschaut, was umsetzbar ist und was nicht“, kritisiert Wagner. Experten würden beim Aufstellen der neuen Regeln nicht gehört. Und auch die Einwände und Anliegen der Bauern seien nicht in dem Entwurf des Landwirtschaftsministeriums berücksichtigt worden.

Aus diesen Gründen hatten in den vergangenen Wochen Tausende Landwirte aus ganz Deutschland, darunter auch viele aus dem Wolfhager Land, in Bonn, Berlin und Wiesbaden demonstriert. Im Januar ist die nächste Demo in Berlin geplant.

In der Region auf Probleme aufmerksam machen

Mit dem Flashmob am Mittwoch sollte nun auch in der Heimat auf die Probleme aufmerksam gemacht werden. „Landwirte können momentan nicht mehr investieren, weil niemand weiß, was die Politik sich noch alles überlegt“, sagt Wagner. Dadurch könne man nicht einmal mehr für zehn Jahre planen. „Das war früher anders, da gab es deutlich mehr Sicherheit.“

Bauernproteste in den Niederlanden

Bei Protestaktionen haben Landwirte aus den Niederlanden gestern den Tag über zahlreiche Autobahnen und Auffahrten blockiert und dadurch unter anderem an der deutsch-niederländischen Grenze für Staus gesorgt. Der niederländische Verkehrsinformationsdienst meldete zudem blockierte Grenzübergänge. Auch Landwirte aus Deutschland nahmen Medienberichten zufolge an den Protesten teil. Eine Lokalzeitung meldete, dass einige protestierende Bauern auf der A1 ein Barbecue veranstalteten. 

Die Landwirte protestieren auch in den Niederlanden gegen die Agrarpolitik in ihrem Land. Sie klagen, dass sie unverhältnismäßig hart von Maßnahmen zur Reduzierung des Stickstoff-Ausstoßes getroffen würden. Auch in Irland und Frankreich hatte es zuletzt Proteste gegen hohe Auflagen gegeben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.