Gegen soziale Isolation

Wolfhager gründet Selbsthilfegruppe für Blinde und Sehbehinderte

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Technische Unterstützung: Sprechendes Telefon, Blinden-Smartphone und ein Lesegerät gehören unter anderen zu den elektronischen Hilfsmitteln, die Matthias Hocek (50) das Leben als Blinder erleichtern.

Wolfhagen. Matthias Hocek aus Wolfhagen möchte eine Selbsthilfegruppe für Blinde und Sehbehinderte aus Kassel und dem Landkreis gründen. Sie soll der sozialen Isolation entgegenwirken. 

Matthias Hocek aus Wolfhagen weiß, was es heißt, fast blind zu sein. Eine frühkindliche Sehnerv-Störung ließ ihn ab dem siebten Lebensjahr langsam erblinden.

Der gebürtige Kasseler machte mit 18 Jahren seinen Führerschein, allerdings mit Einschränkungen. Auch beruflich ließ er sich von seinem Handicap nicht beirren. Er arbeitete zuerst als gelernter Koch und ehrenamtlich als Rettungsassistent und sattelte später zum Steuerfachwirt um. Doch seit 2012 ist er medizinisch blind und erhält seit 2013 eine Erwerbsminderungsrente. Doch der 50-Jährige lässt sich nicht unterkriegen und führt soweit wie möglich ein normales Leben weiter.

Mit viel technischer Unterstützung kommt er alleine sowohl in seiner Wohnung als auch in Wolfhagen gut zurecht. „Da mein Sehvermögen praktisch nicht vorhanden ist, muss ich einen Ausgleich durch die anderen Sinne schaffen“, sagt Matthias Hocek. Das geschieht hauptsächlich über das Hören. Der Inhalt eines maschinell geschriebenen Briefes wird ihm beispielsweise durch ein Lesegerät mündlich übermittelt.

Selbsthilfegruppe für Kassel und den Landkreis

Ganz wichtig sei jedoch, dass man sich mit einem Handicap nicht sozial isoliere. Und der beste Weg, dem entgegenzuwirken, sei eine Selbsthilfegruppe, meint Matthias Hocek. Er selbst hat Erfahrungen in einer Selbsthilfegruppe für Sehbehinderte und Blinde in Bad Arolsen gesammelt und möchte nun eine eigenständige Gruppe für die Stadt Kassel und den Landkreis gründen.

Unter dem Slogan „Hier haben wir das Wort“ möchte er Sehbehinderten und Blinden und deren Angehörigen sowie Freunden eine Basis für Informationsaustausch und gegenseitige Hilfe bieten. Matthias Hoceks Freunde sind von seinem Vorhaben begeistert und die Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert schon sehr gut.

Er selbst ist überzeugt, dass jeder während seines „blinden“ Lebens seine eigenen Erfahrungen gemacht habe und diese in einer Gruppe von Selbst-Betroffenen gut weitergeben könne. Aus diesem Grund hat er sich mit der KISS Kassel, eine Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen, in Verbindung gesetzt.

Inzwischen ist die Planung abgeschlossen. Das erste Treffen der Selbsthilfegruppe für Sehbehinderte und Blinde „Herkules“ findet am Samstag, 13. April, in Kassel, in der Seniorenresidenz Mundus, Wilhelmshöher Allee 319, um 14.30 Uhr statt. Vorgesehen ist ein Treffen jeden zweiten Samstag im Monat. Für Kaffee und Kuchen ist gesorgt.

Kontakt: Matthias Hocek hat eine Service-Nummer für die Selbsthilfegruppe eingerichtet: 05692/997 88 66.

Privat ist er über die Nummer: 05692/997 40 55 und über die E-Mail-Adresse mhocek.shg-herkules@t-online.de zu erreichen.

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