77-Jähriger aus Wolfhagen verurteilt

Eigene Nichte über 80 Mal sexuell missbraucht: Jetzt fiel das Urteil

Mindestens über drei Jahre missbrauchte ein Mann aus dem Altkreis Wolfhagen seine Nichte. Der Vorsitzende Richter vermutet jedoch einen längeren Zeitraum. Für vier Jahre muss der Angeklagte nun in Haft.
+
Mindestens über drei Jahre missbrauchte ein Mann aus dem Altkreis Wolfhagen seine Nichte. Der Vorsitzende Richter vermutet jedoch einen längeren Zeitraum. Für vier Jahre muss der Angeklagte nun in Haft.

Mindestens über drei Jahre missbrauchte ein Mann aus dem Altkreis Wolfhagen seine eigene Nichte. Jetzt wurde er verurteilt.

  • Ein Mann aus der Region Wolfhagen hat seine Nichte in über 80 Fällen sexuell missbraucht.
  • Die Vorfälle sollen sich über drei Jahre lang ereignet haben.
  • Der Mann muss nun mehrere Jahre in Haft.

Wolfhagen – Weil er seine damals zwischen acht und elf Jahre alte Nichte mindestens 86 Mal sexuell missbraucht hat, ist ein 77-jähriger Mann aus dem Altkreis Wolfhagen vom Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt worden.

Sexueller Missbrauch in Wolfhagen: Mann wurde erst 2016 von dem Opfer angezeigt

Die Taten ereigneten sich bereits zwischen 1994 und 1997. Tatsächlich, so der Vorsitzende Richter Jürgen Stanoschek von der 5. Strafkammer, seien es viel mehr Missbrauchsfälle gewesen, die vermutlich begannen, als das Mädchen noch im Kindergarten war.

Die heute 34-jährige Frau hatte ihren Onkel erst im März 2016 angezeigt. Dazu kam es offenbar nach Erbstreitigkeiten innerhalb der beiden beteiligten Familien, in deren Verlauf der Angeklagte zu seiner Nichte gesagt haben soll, sie „habe keinen Anstand“.

Sexueller Missbrauch in Wolfhagen: Mehrmals wöchentlich sexuelle Übergriffe

Dass jemand so etwas zu ihr sagte, der sich selbst an kleinen Mädchen vergehe, habe sie so in Rage gebracht, dass sie noch am selben Tag in der Polizeistation Wolfhagen Anzeige erstattete. Vor der Polizei sagte auch die Mutter der Frau aus, selbst als Kind von dem Angeklagten missbraucht worden zu sein.

Die Übergriffe ereigneten sich nach Erkenntnissen des Gerichts über drei Jahre hinweg mehrmals wöchentlich, wenn die Eltern des Kindes bei der Arbeit waren. Das Mädchen war immer wieder wegen Nachhilfestunden ins gegenüberliegende Haus des Angeklagten gegangen. 

Sexueller Missbrauch in Wolfhagen: Kind empfand Übergriffe als "normal" 

Die dort und in der eigenen Wohnung stattfindenden Übergriffe mit gegenseitigen Manipulationen an den Geschlechtsteilen habe das Kind als „normal“ empfunden. Es habe den Onkel gern gehabt, der auch nie Gewalt angewendet habe.

Erst als beide 1997 von den überraschend heimkehrenden Eltern mit heruntergelassenen Hosen erwischt wurden, offenbarte sich das Kind der Mutter. Die allerdings drängte darauf, das Geschehen geheim zu halten: „Der Vater macht ihn sonst kalt“, habe sie gesagt.

Sexueller Missbrauch in Wolfhagen: Angeklagter bestreitet Tat weiter

Erst dabei, so die junge Frau, die vor Gericht als Nebenklägerin auftrat, sei ihr damals klar geworden, dass das „nicht richtig“ ist, was der Onkel mit ihr anstellte. Das schrieb das Kind damals auch in sein Tagebuch, das dem Gericht vorlag.

Insgesamt 13 Mal soll der 77-jährige auch versucht haben, den Geschlechtsverkehr mit dem Kind zu vollziehen. Das scheiterte allerdings an Erektionsproblemen.

Der 77-jährige Angeklagte leugnete bis zu seinem letzten Wort die Vorfälle, die er als Racheaktion der Nichte wegen der Erbschaft bezeichnete.

Sexueller Missbrauch in Wolfhagen: 77-jähriger Mann wurde verurteilt

Die Strafkammer hatte allerdings keinen Zweifel an den Aussagen der Nebenklägerin. Die seien sachlich, schlüssig und ohne Belastungstendenzen gewesen.

Richter Stanoschek betonte, die Kammer habe das hohe Alter des Angeklagten, seine besondere Haftempfindlichkeit und den langen Zeitraum seit den Taten im Urteil berücksichtigt. Aber: „Alter schützt vor Strafe nicht. Da holen einen die Ungeheuer der Vergangenheit ein.“ Nicht ohne Grund habe der Gesetzgeber die Verjährungsfristen für sexuellen Missbrauch verlängert.

Von Thomas Stier

Ein Mann aus Kassel ist ebenfalls wegen sexuellem Missbrauch angeklagt. Er soll die Taten mit seinem Handy gefilmt haben.

Ein Mann steht wegen sexuellen Missbrauch in Göttingen vor Gericht. Er soll mehrere Kinder missbraucht haben und ist anschließend vor der Polizei nah Italien geflohen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.