Versetzung des Ortsschildes gefordert

Petition gegen Verkehrslärm: Wolfhagerin fordert Tempolimit im Bereich der B450

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Fordert eine Versetzung des Ortsschildes: Michaela Thiele leidet unter dem Verkehrslärm der Bundesstraße  450 in Wolfhagen.

In Ruhe bei offenem Fenster schlafen und im Sommer entspannt die Sonne im Garten genießen, das wünscht sich Michaela Thiele aus Wolfhagen.

Die 49-Jährige wohnt seit 2013 zur Miete im Haus ihrer Eltern: „Seitdem geht es mit meiner Gesundheit bergab.“ Grund dafür, so vermutet sie, sei der laute Verkehr auf der Bundesstraße  450, die nah am Grundstück vorbeiführt. Von frühmorgens bis spät in den Abend herrsche häufig eine Lautstärke wie an der Autobahn. „Das führt zu einer nervlichen Dauerbelastung.“

Auf den knapp zwei Kilometern, die die B450 am Wohngebiet vorbeiführt, ist Tempo 70 erlaubt. Laut Thiele sind viele Fahrer dort aber schneller und somit auch lauter unterwegs.

Das Ortseingangsschild, ab dem Tempo 50 gilt, steht nur wenige Meter vor der Ampelkreuzung zur Schützeberger Straße. Das möchte Thiele ändern und hat dafür eine Online-Petition gestartet, die sich an das Straßen- und Verkehrsmanagement von Hessen Mobil richtet.

Hoffen auf Unterstützung 

Sie hofft, dass sich betroffene Anwohner ihrem Anliegen anschließen und so die Lautstärke an der Bundesstraße durch entsprechende Maßnahmen verringert wird. Zum aktuellen Zeitpunkt haben 25 Unterstützer die Petition unterschrieben.

Die Wolfhagerin fordert unter anderem die Versetzung des Ortseingangsschildes um knapp zwei Kilometer in Richtung Istha auf Höhe des Heimwerkermarktes Werkers-Welt. Zusätzlich fordert sie die Installation eines stationären Blitzers an der Strecke.

Seit September 2017 ist Thiele wegen depressiven Episoden krankgeschrieben und kann nicht arbeiten. Zwar führe sie ihre Symptome nicht ausschließlich, aber zum großen Teil auf die Dauerbelastung durch den Verkehrslärm zurück.

Ergebnisse der Lärmmessung erwartet

Hessen Mobil habe eine Lärmberechnung des betroffenen Abschnitts geplant, mit Ergebnissen rechne man Anfang 2020, sagt Marco Lingemann von Hessen Mobil. Fällt das Ergebnis entsprechend aus, könnte man finanzielle Unterstützung von bis zu 75 Prozent für passive Lärmschutzmaßnahmen anbieten. 

Zum Beispiel beim Einbau von Schallschutzfenstern oder Verstärkungen an Außenwänden und Dächern. „Anders als bei Neubauten handelt es sich hier um eine freiwillige Leistung des Bundes, Rechtsanspruch darauf besteht nicht“, so Lingemann. Lärmschutzmaßnahmen für Bereiche außerhalb von Wohn- und Schlafräumen seien nicht vorgesehen.

Maßnahmen, bei denen eine finanzielle Eigenbeteiligung erforderlich ist, lehnen Thiele und ihre Familie allerdings aus Kostengründen ab: „Mir ist mit Schallschutzfenstern außerdem wenig geholfen, denn ich schlafe immer bei offenem Fenster, den Verkehrslärm höre ich somit also trotzdem.“ 

Versetzung des Ortseingangsschildes undenkbar

Harald Kühlborn von der Straßenverkehrsbehörde des Landkreises Kassel sagt: „Wenn das Gutachten von Hessen Mobil entsprechende Werte liefert, kann man über eine Geschwindigkeitsbegrenzung in diesem Gebiet sprechen.“ Eine Versetzung des Ortseingangsschildes, wie Thiele fordert, sei nicht denkbar.

Bei ihren Eltern auszuziehen und eine andere Wohnung zu mieten, ist für die 49-Jährige die letzte Option: „Bevor ich eine neue ruhigere Wohnung in Wolfhagen suche, warte ich ab, ob ein Tempolimit die Lärmbelastung reduziert.“

Verkehrsaufkommen auf B450 ist Durchschnitt

Die Richtlinie für den Lärmschutz an Straßen besagt, dass in Wohnräumen von Häusern an Bundesstraßen eine Lautstärke von 67 Dezibel herrschen darf, in Schlafräumen ein niedrigerer Wert von 57 Dezibel. Der Lärmpegel im Wohngebiet an der B 450 wird nun mithilfe eines 3D-Models der Nachbarschaft und Richtwerten ermittelt, denn bei Lautstärkemessungen direkt vor Ort würden die Werte durch zusätzliche Geräuschquellen verfälscht. Auf der B 450 fahren laut Hessen Mobil täglich 7000 Fahrzeuge, der Anteil an Wagen über 3,5 Tonnen betrage lediglich sieben Prozent. Das sei für eine Bundesstraße nicht überdurchschnittlich hoch.

Die Petition finden Sie hier.

Welche Auswirkungen die Lärmbelastung auf die Menschen hat, erforscht unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Akustik (DEGA). Sie gibt Antworten auf die häufigsten Fragen. 

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