Geschichten direkt aus dem Leben

Reinhold Beckmann mit charmant-tiefsinnigen Texten

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Auch als Musiker ein Meister der Wortspielerei: TV-Journalist Reinhold Beckmann begeisterte im Wolfhager Kulturladen.

Ledersofa, Erdnüsse und Reinhold Beckmann: Im Wolfhager Kulturladen ist am Freitag beinahe alles wie bei einem ganz normalen Fernsehabend.

Nur wegzappen kann man Beckmann nicht, denn der beliebte Fernsehjournalist und Moderator ist leibhaftig da. 

Und selbst wenn die Besucher im musikalischen Wohnzimmer der Stadt eine funktionierende Fernbedienung in Reichweite hätten, sie würden sie wohl kaum benutzen.

Schließung der Wolfhager Klinik? Beckmann zeigt sich solidarisch

Die ungewohnte Rolle als Musiker nämlich, in die der TV-Star geschlüpft ist, kommt bei den Wolfhagern an, und das nicht nur, weil er sich solidarisch zeigt und gegen die Schließung der Kreisklinik wettert, noch bevor er überhaupt auch nur einen Ton gesungen hat. „Ich dachte, solch einen Blödsinn gibt es nur in Hamburg, dass Krankenhäuser geschlossen werden“, sagt er und erntet seinen ersten Sturmapplaus des Abends.

Reinhold Beckmann und Wolfhagen sind Freunde

Die Begrüßung sitzt, Beckmann und Wolfhagen sind Freunde, und so soll es auch bleiben, während der 63-Jährige seine liebevoll erzählten Geschichten auspackt. Auch deren Themen erinnern hier und da an den Fernsehabend daheim auf dem Sofa, etwa wenn er in „Gangster“ ausdrücklich nicht über Donald Trump singt, es sich dennoch nicht nehmen lässt, über dessen Sturmfrisur zu witzeln.

Beckmann zur Flüchtlingsproblematik

Oder wenn er ernster wird, in „Wohin in dieser Welt“ seinen Blick auf die Flüchtlingsproblematik richtet, in direkt unter die Haut gehende Worte packt und seine Zuhörer eines der berührendsten Stücke des Albums „Freispiel“ lauschen lässt.

Dass Journalist Beckmann es versteht, mit Worten zu jonglieren, ist nichts Neues. Die Art und Weise, wie er es als Musiker tut, ist dann aber doch eine erfrischend andere. Er erzählt Geschichten direkt aus dem Leben, anders als in seinen Talkshows nicht aus dem Leben anderer, sondern aus seinem eigenen. Und die entführen dann gern mal in eine Marburger Wohngemeinschaft der frühen 1970er-Jahre.

Dort trifft der junge Beckmann auf dem Weg zum Kriegsdienstverweigerer auf den von Jesus Christus zu Karl Marx konvertierten Siggi, er erkennt die Lächerlichkeit von Latzhosen und lernt im Patchouli-Dunst Doro kennen, die sich vor lauter Freiheitsdrang ihres BHs als Dokument der Unterdrückung entledigt und den 17-Jährigen nachhaltig beeindruckt, dass er Jahrzehnte später den Song „Da waren die Tage“ schreibt.

Beckmann verzückt das Publikum

Das lässt sein Publikum schmunzeln und immer wieder vor Verzückung johlen, auch weil der Musiker Beckmann seine charmant-tiefsinnigen Texte mit wohligen und facettenreichen Gitarrenklängen umhüllt, die er gemeinsam mit Gitarrist Johannes Wennrich in einen Abend schickt, der gut ohne Fernseher und erst recht ohne Fernbedienung auskommt.

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