Kreisklinik Wolfhagen

Arzt aus Wolfhagen über Schließung der Kreisklinik: "Das ist eine Katastrophe"

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Auf dem Weg zur Betriebsversammlung: Mitarbeiter der Kreisklinik Wolfhagen am Freitagmittag.

"Die Stimmung ist beschissen", sagt ein Mitarbeiter der Kreisklinik Wolfhagen. Die angekündigte Schließung sorgt für Unmut bei den Beschäftigten.

Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt. Als am Freitagmittag immer wieder Mitarbeiter der Kreisklinik Wolfhagen vom Parkplatz auf den Eingang zustreben, will sich kaum jemand zur Situation äußern, in der sich nach der angekündigten Schließung des Standortes die Belegschaft befindet. Die meisten wissen auch, dass sie ohne Genehmigung der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) gegenüber den Medien nichts sagen dürfen. Dennoch gibt es Reaktionen.

„Die Stimmung ist beschissen“, ruft ein Mitarbeiter, der zusammen mit weiteren Kollegen die für 12.30 Uhr einberufene Betriebsversammlung besuchen will. Dort wird unter anderem der Aufsichtsratsvorsitzende der GNH, Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle, sprechen und die Wolfhager Belegschaft über die für viele plötzlich und unerwartete Situation informieren.

Eine Gruppe von Frauen ist sauer, dass sie aus der HNA erfahren musste, dass die Klinik Am Kleinen Ofenberg geschlossen werden soll. Die Nachricht habe sie völlig kalt erwischt. Mehr wollen sie nicht sagen und bewegen sich Richtung Eingang.

Deutlichere Worte findet eine Krankenschwester, die ihren Arbeitsplatz seit über 40 Jahren in dem Krankenhaus hat. „Für mich fühlt sich das an, als wenn man selbst in Insolvenz gehen müsste.“ Ihren Namen möchte sie nicht nennen.

 Die Gründe dafür, dass der Standort in den roten Zahlen sei, lägen nicht alle bei der Kreisklinik. „Wir sind nicht die alleinige Ursache dafür, dass sich die GNH in einer finanziellen Notlage befindet.“ Die angekündigte Schließung sei deprimierend und falsch. Von November bis April herrsche in vielen Krankenhäusern Bettennot und in Wolfhagen würden wichtige Kapazitäten platt gemacht.

„Das ist eine Katastrophe“, sagt ein Mediziner aus Wolfhagen. Bei der Erstversorgung von Patienten komme der Klinik Wolfhagen eine tragende Rolle zu. Gesundheit sei für einen Menschen doch das Wichtigste. Medizin sei nicht immer kostendeckend. Und ob im Gesundheitssystem immer alles leitliniengerecht sein müsse, bezweifelt er als erfahrener Arzt ebenfalls.

Kritisch sieht er auch das Modell, wonach jeder Patient aus dem Wolfhager Land in 30 Minuten eine Klinik erreichen könne. Das sei eben auch nur eine theoretische Berechnung, ob die in jedem Fall stimme und der ein oder andere Patient diese Annahmen nicht mit seinem Leben bezahle, bleibe dahingestellt.

„Ich hoffe, dass ein Aufschrei durch das Wolfhager Land geht“, sagt Andrea Barthel aus Dörnberg, die am Freitag von einer Untersuchung kommt. Die Stimmung im Haus sei am Boden, einige seien wütend. „Die Nachricht von der Schließung kann ja niemanden erfreuen.“ 

Barthel arbeitet in der ambulanten Pflege und weiß, was es für Patienten heißt, in ein Krankenhaus zu müssen. Viele seien froh, dass es die kleine Klinik gäbe, wo die Wege kurz seien und die Atmosphäre menschlich.

Als kurz vor zwei die ersten Mitarbeiter das Klinikgebäude verlassen, ist die Stimmung gereizt. Niemand äußert sich zum Verlauf der Versammlung, fast so, als wären sie mundtot.

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