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Abgeschoben nach Bulgarien: Syrische Geschwister sind wieder in Wolfhagen

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Von: Bea Ricken

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Zu Besuch in ihrer ehemaligen Schule: Katia und Mervan (Mitte) sind nach einem Jahr in Bulgarien zurück in Wolfhagen. Mit ihnen freuen sich Schulleiter Ludger Brinkmann und Sozialarbeiter Henning Riedel (links) sowie Lehrer Stefan Zindel (rechts).
Zu Besuch in ihrer ehemaligen Schule: Katia und Mervan (Mitte) sind nach einem Jahr in Bulgarien zurück in Wolfhagen. Mit ihnen freuen sich Schulleiter Ludger Brinkmann und Sozialarbeiter Henning Riedel (links) sowie Lehrer Stefan Zindel (rechts). © Bea Ricken

Die syrischen Geschwister Katia und Mervan Kheder sind zurück in Wolfhagen. Sie werden von der Wolfhager Walter-Lübcke-Schule in Empfang genommen.

Wolfhagen – Ein Jahr lang mussten die Geschwister Katia und Mervan Kheder, die trotz unterschriebener Ausbildungsverträge nach Bulgarien abgeschoben worden waren, in Sofia ausharren. Mit Spenden half die Schulgemeinde bei den Lebenshaltungskosten. Vergangene Woche konnten die beiden ihre Visa in der Botschaft abholen. „Wir sind überglücklich“, sagten die beiden bei einem Treffen in der Wolfhager Schule. 

Katia und Mervan Kheder sind im Glück. Nachdem ihre Unterstützer die beiden syrischen Geschwister am Flughafen in Frankfurt abgeholt haben, ist das Strahlen nicht mehr aus ihren Gesichtern verschwunden. Beim Besuch auf dem Schulhof der Wolfhager Walter-Lübcke-Schule, wo alles begann, werden sie umringt von Schülern und Lehrern. Jeder möchte mit den beiden zuerst sprechen.

Katia hat vorher schon im Unterricht ihrer alten Klasse gesessen, einfach so.

Die Syrischen Geschwister nennen Wolfhagen ihre Heimat

Mervan telefoniert mit seinem neuen Arbeitgeber, der Wolfhager Firma Düsterwald. „Am kommenden Montag will die Chefin mit mir Arbeitskleidung kaufen“, erzählt er den Umstehenden, die sich mitfreuen. Zum Beispiel Schulsozialarbeiter Henning Riedel und Lehrer Stefan Zindel, die die Familie ein Jahr lang persönlich unterstützt haben.

„Hilfe und Zuspruch gab es aus dem ganzen Land“, erzählt Schulleiter Ludger Brinkmann - unter anderem von der Initiative Offen für Vielfalt. Mit Spenden aus der Bevölkerung hat die Schulgemeinde ihre ehemaligen Schüler durch die Zeit gebracht. Für alle sei es nicht nachvollziehbar gewesen, dass diese gut integrierten, sympathischen und leistungswilligen Menschen gehen mussten. Nun sind sie nach einem Jahr wieder in „ihrer Heimat“, wie sie Wolfhagen nennen. In der Schule werden sie allerdings künftig nicht mehr so oft sein. Katia und Mervan fangen schon in der kommenden Woche zu arbeiten an. Die 18-Jährige beginnt direkt mit einer Ausbildung zur Altenpflegerin. Mervan startet zunächst in der Baufirma als Arbeiter und beginnt die Ausbildung im August. Beide wollen nicht länger auf Unterstützung angewiesen sein und ihr Leben in Deutschland selbst finanzieren.

Die Mutter der syrischen Geschwister hat keine Chance nach Wolfhagen zu kommen

„Ein bisschen Hilfe werden sie noch brauchen“, sagt Stefan Zindel, der derzeit fieberhaft nach einer kleinen Wohnung für die beiden sucht. Aktuell hat ihnen Jörg Waßmuth in seinem Hotel Zimmer kostenfrei zur Verfügung gestellt. „Sie brauchen ja noch eine Erstausstattung für die Wohnung, wir müssen noch Flugkosten und Anwaltskosten bezahlen“, so Zindel. Spenden sind deshalb weiterhin willkommen.

Trotz aller Freude gibt es für die jungen Leute einen Wermutstropfen. Katia und Mervans Mutter Azizah Hamou hat bisher keine Chance nach Deutschland zurückzukommen. Sie lebt jetzt bei Verwandten. Ihre Kinder hoffen, sie demnächst unterstützen zu können.

Bis zum ersten Arbeitstag am Montag haben Katia und Mervan noch etwas Zeit. Was sie jetzt vorhaben? „Wir wollen alle unsere Freunde wiedersehen“, sagt Katia und Mervan ergänzt: „Am meisten freue ich mich auf eine Wolfhager Pizza.“ (Bea Ricken)

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