Wolfhagens jüdischer Friedhof wird bis Ende Mai neu gestaltet

Andenken bald in Edelstahl

Wolfhagen – Bereits Ende Mai soll der umgestaltete jüdische Friedhof in Wolfhagen seiner Bestimmung übergeben werden. Das sagte Bürgermeister Reinhard Schaake während der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Stadtentwicklung, wo er die aktuellsten Planungen präsentierte.

Die Arbeiten laufen bereits seit einigen Monaten. Die dichte Hecke, die den Friedhof lange Zeit zur Wilhelmstraße hin abschirmte und an einigen Stellen braun geworden war, wurde bereits entfernt. Nun, so Schaake, soll das Gelände weiterhin derart gestaltet werden, dass die Anlage transparenter werde und so stärker ins Blickfeld der Menschen rücke. Etwa 50 000 Euro werden in den Friedhof investiert. Der städtische Haushalt werde davon nicht belastet, da die Summe über das Regierungspräsidium Kassel weitergereicht werde. Denn die Verantwortung für die jüdischen Friedhöfe in Hessen liege beim Land.

Von der ursprünglichen Idee, die Friedhofsmauer der in Volkmarsen nachzuempfinden, sei die Planungsgruppe, die unter anderem aus Mitgliedern des Arbeitskreises 9. November besteht, abgewichen. In der Nachbarkommune war eine Mauer errichtet worden, in der einzelne Steine fehlen. Diese fehlenden Steine liegen auf der Mauer und stehen jeweils für einen jüdischen Mitbürger, der die nationalsozialistische Hetze und Verfolgung mit dem Leben bezahlte.

In Wolfhagen müssen etwa 60 Namen von Opfern untergebracht werden. „Dafür wäre die Mauer zu kurz“, sagt Schaake. Die neue Idee: Die Namen werden in eine Edelstahlplatte gefräst. Dort, wo dann die Namen der Wolfhager Juden zu lesen sein werden, ist die Platte transparent. Zudem sollen die Edelstahlelemente mit einer Beleuchtung ausgestattet werden. Schüler der Herwig-Blakertz-Schule würden ein Programm mit den Namen der Opfer schreiben, mit dessen Hilfe die Platten hergestellt werden sollen. Die Platten selbst sollen dann in die ebenfalls noch zu errichtende Mauer aus Sandstein integriert werden.

Der Eingang zum Friedhof wird um einige Meter zurückgesetzt. So entsteht vor der Anlage ein kleiner Platz für Besuchergruppen. Reinhard Schaake hofft, dass der jüdische Friedhof Ende Mai fertiggestellt ist. Denn am 27. Mai feiert Wolfhagens einziger noch lebende Jude, Ehrenbürger Ralph W. Mollerick, seinen 90. Geburtstag. Und ihn hätte der Rathauschef gern dabei, wenn das Andenken an die jüdische Gemeinschaft in einem neuen Licht erscheinen wird.

Rubriklistenbild: © Antje Thon

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