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Wolfhager Adreno ist aktuell nahe der russischen Frontlinie im Osten

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Von: Bea Ricken

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Überall Zerstörung: Seit der Krieg in der Ukraine tobt, sind viele Städte und Dörfer zerbombt worden. Der Sanitäter aus dem Landkreis Kassel schickt regelmäßig
Überall Zerstörung: Seit der Krieg in der Ukraine tobt, sind viele Städte und Dörfer zerbombt worden. Der Sanitäter aus dem Landkreis Kassel schickt regelmäßig © aus den Kampfgebieten. Foto: Adreno Callsign

Ein Deutscher, der zuletzt in Ahnatal und Wenigenhasungen gelebt hat, kündigt seinen Job und meldet sich freiwillig als Sanitäter im ukrainischen Kriegsgebiet.

Ahnatal/Wenigenhasungen/Mariupol – Adreno berichtet in mehreren Folgen über die aktuellen Geschehnisse.

Nachdem die russischen Truppen rund um Kiew abgezogen sind, hat sich Adrenos Einheit in Richtung des Ostens der Ukraine aufgemacht, wo ein Großangriff erwartet wird. „Wir sind aktuell in der Nähe von Mariupol. Die Russen haben die Stadt noch nicht vollständig eingenommen, aber es sieht nicht gut aus“, so der 26-Jährige bedrückt. Er ist seit kurzem Leiter der medizinischen Einheit und kümmert sich um Dokumentation, Logistik und Versorgung der Verletzten.

Die Teams wechseln sich ab

„Mein Team besteht aus elf Männern aus den Vereinigten Staaten, Spanien, Frankreich, Irland, Azerbaijan, Georgien, Italien, Polen, England und mir aus Deutschland sowie zwei Frauen aus den Vereinigten Staaten und Italien“, so Adreno. Die Kommunikation laufe vollständig in englischer Sprache und im Einsatz mit Alphabet und Handzeichen.

Die Teams wechseln sich ab: Ein bis zwei sind zwischen drei und fünf Tagen im Kampfgebiet und kehren danach in eine der Basen der Internationalen Legion zurück, während die nächsten die Position übernehmen oder zu einem anderen wichtigeren Ort entsendet werden.

Die Soldaten und Adreno mit seinen Sanitäter-Kollegen sind in einem Gebäude untergebracht. „Wir können inzwischen zweimal die Woche mit einem Bus zu einem Geschäft fahren, um dort Süßigkeiten oder eine gesunde Alternative zum gestellten Essen zu kaufen.“ Leider gebe es dreimal täglich Nudeln mit Hühnchen, Reis mit Hühnchen oder Fisch mit Getreidebrei.

Außerhalb der Ukraine könne sich niemand vorstellen, welche Entscheidungen täglich zu treffen seien

Die fehlende Versorgung mit Vitaminen und anderen wichtigen Stoffen sei für manche schwierig und sorge nach wochenlangem Krieg auch für Konflikte. „Ich sehe es aber so, dass wir dankbar sein können, dass wir außerhalb der Einsätze an einem sicheren Ort untergebracht werden. Dass wir heißes Wasser und etwas zu Essen haben sowie in einem normalen Bett schlafen können. Wir befinden uns nun mal im Krieg.“

Außerhalb der Ukraine könne sich niemand vorstellen, welche Entscheidungen täglich zu treffen seien. „Dieser Krieg passt nicht mehr in unsere moderne Welt, ist aber leider brutale Realität.“ Über kurz oder lang werde er wohl der regulären Armee beitreten oder versuchen Kontakte zu Organisationen wie der Caritas oder anderen Organisationen, die vor Ort im Einsatz seien, zu knüpfen.

Die nächsten Tage werden sehr gefährlich werden, da Adrenos Team die Frontlinie zu den russischen Truppen erreicht. Für alle Fälle hat er Papiere hinterlegt: „Wenn ich sterben muss, möchte ich in ukrainischer Erde beerdigt und nicht nach Deutschland überführt werden.“

Hilfe aus Kassel

Adreno versorgt in der Einheit verletzte Soldaten und Zivilisten. Seit er die Leitung übernommen hat, muss er sich um Dokumentation und Bedarfslisten kümmern. Aus seiner Zeit als Altenpfleger kennt er die Softwarelösung Campian von Medicalnetworks aus Kassel. Das Unternehmen will jetzt dem Sanitäter die Software kostenlos zur Verfügung stellen. 

Zur Person

Adreno (26) lebte bis zu seinem Eintritt in die ukrainische Armee in Ahnatal mit Zweitwohnsitz in Wenigenhasungen. Er arbeitete bis zu seiner Ausreise aus Deutschland als Alten- beziehungsweise Krankenpfleger und hat nach eigenem Bekunden Weiterbildungen für Taktische Einsätze Medizin und Taktische Kampfeinsätze absolviert. Die Ukraine kennt er durch seine Lebensgefährtin, die selbst aktuell im Kriegslazarett arbeitet. 

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