Gegen die Schließung der Klinik in Wolfhagen

Weiterer Protest gegen Klinikschließung: Wolfhager Ärzte sprechen mit GNH

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Lautstarker Protest: (Vorne von links) Heiko Weiershäuser vom Förderverein Kreisklinik Wolfhagen, Ena, Celina und zahlreiche weitere Wolfhager vor dem Dorfgemeinschaftshaus in Istha.

Der Protest gegen die Schließung der Klinik in Wolfhagen geht weiter. 100 Wolfhager trafen sich in Istha, um zu zeigen, wie wichtig ihnen der Standort ist.

Anlass war ein Treffen des Vorstandsvorsitzenden der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH), Michael Knapp, und den Geschäftsführern Stefan Bertelsmann und Anne Bülling mit den in Wolfhagen niedergelassenen Ärzten. 

„Wir hatten alle Mediziner eingeladen, die in die Klinik einweisen“, sagt Ulrike Meyer auf der Heide, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei der GNH. 

Ziel sei gewesen, sich mit den Ärzten auszutauschen. Ein Vertreter der Kassenärztliche Vereinigung Hessen war ebenfalls vor Ort und hat den Dialog konstruktiv unterstützt.

Was passiert, wenn Wolfhagen dicht ist?

Während des Gesprächs seien, so Meyer auf der Heide, auch kritische Fragen gekommen. „Insgesamt ist das Gespräch aber sehr gut verlaufen.“ 

Für einige der anwesenden Ärzte stellt sich die Situation jedoch anders dar. „Was uns dort präsentiert wurde, war sehr rundgelutscht. Da hat man sich im Vorfeld sehr gut vorbereitet“, sagte einer der niedergelassenen Ärzte im Gespräch gegenüber der HNA. 

Er und die anwesenden Kollegen seien irritiert darüber gewesen, dass GNH, Kassenärztliche Vereinigung, AOK und das Hessische Sozialministerium bereits sehr frühzeitig das folgende Szenario durchgespielt hätten: „Was machen wir, wenn Wolfhagen dicht ist?“

Die Antwort auf diese Frage sei nach Meinung der oben genannten Partner ein Ärztehaus mit verschiedenen Fachärzten. Dort sollen die Gynäkologie, Urologie, HNO und Radiologie unterkommen. 

Mindestens zwei Investoren sind interessiert

Denkbar sei zudem ein Neurologe. Auch wolle man sich beim Zulassungsausschuss dafür stark machen, dass sich die Internisten und Chirurgen, die derzeit beide noch an der Kreisklinik tätig sind, im Ärztehaus niederlassen dürften, berichtet ein weiterer Arzt von dem Gespräch.

Die Pläne von GNH und Mitstreitern für das Ärztehaus seien bereits sehr konkret. Das Gebäude soll auf dem ehemaligen Hof Wassmuth in Wolfhagen entstehen. 

Mindestens zwei Investoren haben Interesse angemeldet, die GNH wolle das Objekt mieten, das Ende 2021 ans Netz gehen soll, hieß es gestern aus dem Kreis der Ärzte. 

Solange das Ärztehaus noch nicht eröffnet sei, sollen die Fachärzte in ihren Praxen neben der Klinik bleiben. Zuständig sei nach Schließung des Krankenhauses dann aber nicht mehr die GNH, sondern der Kreis Kassel, dem die Gebäude gehören.

Nur vier echte Notfälle

„Die Gespräche sind alle schon gelaufen. Man hat uns den Wind aus den Segeln genommen.“, sagt einer der Ärzte. Ebenfalls am Gespräch beteiligt waren Vertreter des Krankenhauses in Bad Arolsen. 

Dort müsste für die Am kleinen Ofenberg niedergelassenen Ärzte nach Schließung der Klinik in Wolfhagen eine Belegabteilung eröffnet werden, damit sie dort stationär arbeiten können.

Verwunderung gab es unter den Ärzten, als die GNH Zahlen für die Kreisklinik präsentierte. Die Zahl der für Wolfhagen gelisteten Notfälle sei nach deren Meinung höher als die von der GNH genannten. 

„Offenbar soll es 2018 nur vier echte Notfälle gegeben haben“, sagt einer der Ärzte und meldet an dieser Angabe Zweifel an. „Echte Notfälle“ der Kategorie eins (insgesamt gibt es drei Kategorien) sind Herzinfarkte, Schlaganfälle, Asthmaanfälle, also Situationen, in denen es um Leben und Tod geht.

Spontandemo und weitere Aktionen

Zufrieden mit dem Protest vor dem Dorfgemeinschaftshaus in Istha waren Dieter Schrader und Heiko Weiershäuser vom Förderverein Kreisklinik Wolfhagen. 

Sie hatten am Mittag über Facebook zu der Spontandemo am Abend aufgerufen und waren positiv überrascht von der Resonanz. „Wir geben nicht auf und haben weiter Hoffnung, dass wir die Kliniken retten können“, so Weiershäuser.

„Die Schließung ist noch einmal schlimmer als das Ende der Geburtshilfe“, sagte eine Altenhasungerin während der Demo. Das sei damals schon ein schwerer Schlag für Wolfhagens Bürger gewesen. Sie sorge sich, dass es zu langen Wartezeiten in den anderen Kliniken kommt, äußerte die Frau ihre Bedenken.

Der Förderverein plant in den kommenden Wochen weitere Aktionen. Zu einer Filmvorführung „Der marktgerechte Patient“ mit anschließender Info-Veranstaltung kamen zuletzt etwa 100 Menschen aus dem Wolfhager Land. 

Für die kommenden Wochen hofft Weiershäuser auf eine Podiumsdiskussion mit dem GNH-Vorstandsvorsitzenden Knapp, Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle und Verdi.

Unterschriftenaktion ist angelaufen

Der Förderverein Kreisklinik Wolfhagen hat Anfang der Woche eine Unterschriftenaktion zum Erhalt des Wolfhager Krankenhauses initiiert, die in den nächsten Wochen läuft. Die Listen liegen in folgenden Geschäften, Ämtern und Einrichtungen aus: 

  • Schreibwaren Seidler
  • Buchhandlung Mander
  • Sonnen-Apotheke Schubert
  • Arztpraxis Thielemann/Ruf/Hughes
  • Rathaus Wolfhagen
  • Landratsamt Wolfhagen
  • Raiffeisenbank Wolfhagen
  • Kasseler Bank
  • Modehaus Fricke
  • Eiscafé da Peppo
  • bft-Tankstelle
  • Bäckerei Briesemeister
  • Schuhhaus Kraft
  • Frisör Flörke
  • Raiffeisen Warenzentrale
  • Friseur in Altenstädt
  • Unser Laden in Altenhasungen
  • Schuhfachgeschäft Bernhardt in Balhorn
  • Kreta-Restaurant Wolfhagen
  • Kulturladen Wolfhagen 

(Weitere Geschäfte sollen folgen.)

Wer den Förderverein darüber hinaus unterstützen will, findet neben Unterschriftenlisten zum Ausdrucken hier weitere Informationen.

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