Äußerungen auf Flyern sind populistisch

Wolfhager Apotheker spricht sich gegen Unterschriftenaktion des Berufsverbandes aus

Wolfhagen. Gegen eine Flugblattaktion der Berufsvereinigung Deutscher Apotherkerverbände (ABDA), die sich für ein Versandhandelsverbot ausspricht, hat sich jetzt ein Wolfhager Apotheker ausgesprochen. Die Aussagen, die auf den Flyern zu finden sind, seien ausländerfeindlich. 

 "Stoppen Sie die gefährlichen Einflüsse von außen", steht auf den Flyern, die die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) kürzlich an die 20 0000 Apotheken in Deutschland versendet hat. Alexander Schulze, Besitzer der Schützeberger Apotheke in Wolfhagen, hat sich gegen die Aktion ausgesprochen.

"Weder werde ich die Flyer in meiner Apotheke verteilen, noch meine Kunden dazu animieren, bei der Aktion mitzumachen", sagt er gegenüber der HNA. Die Äußerungen, die auf den Flyern zu finden sind, seien ausländerfeindlich. Die Flyer sind Teil einer Unterschriftenaktion, mit deren Hilfe die ABDA auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) aufmerksam machen und für ein Versandhandelsverbot ausländischer Apotheker im Bundesgebiet werben will. Das Urteil, das der EuGH im Oktober gesprochen hat, besagt, dass ausländische Versandpotheken verschreibungspflichtige Medikamente auch preisgünstiger verkaufen können.

Nach dem Urteil hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) jetzt einen Gesetzesentwurf in den Bundestag eingebracht, der das Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten nach Deutschland vorsieht.

Andere Apotheker im Wolfhager Land nehmen an der Unterschriftenaktion teil: "Die Flyer sind unproblematisch", sagt Andrea Diestelmann von der Apotheke am Habichtswald. "Darin geht es nicht um Ausländerfeindlichkeit, sondern Versandhändler, die ihren Sitz im Ausland haben und uns Schwierigkeiten bereiten."

Die Aussagen habe die ABDA auf den Flugblättern so knapp wie möglich formulieren müssen, sagt Dr. Ursula Sellerberg, Pressesprecherin der ABDA. Sie stünden im Zusammenhang mit dem Gesamtkonzept der Aktion. "Die Apotheker sollen nicht nur Flyer verteilen, sondern mit den Kunden darüber sprechen."

Das besagt das Urteil des EuGH

Das Urteil, das der Europäische Gerichtshof erst im Oktober gesprochen hatte, besagt, dass ausländische Versandapotheken verschreibungspflichtige Arzneien an deutsche Kunden auch preisgünstiger verkaufen können. Damit müssen sie sich nicht an die Preisbindung halten, die aber nach wie vor für deutsche Apotheken und Versandhändler gilt. Für Apotheken auf dem Land bedeutet die Entscheidung des EuGH ein wirtschaftlicher Schaden. Denn ausländische Versanddienste leisten weder Notdienste, noch versenden sie Opiate oder rühren Tinkturen an. All das ist für die örtlichen Apotheken aufwendig, wird aber nur kaum oder gar nicht vergütet.

Rubriklistenbild: © Foto: dpa

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