Wolfhager Betrieb gibt Schwerbehinderten eine Chance

Packt an wie alle anderen: Pierre Schmidt ist trotz seiner Behinderung bei den Kollegen anerkannt. Fotos: Brück

Menschen mit Behinderung haben es schwer einen Arbeitsplatz zu finden. Ein Unternehmen in Wolfhagen geht einen anderen Weg - und profitiert davon.

Wolfhagen. Thorsten Kleinhans stand 2007 vor einem traurigen Weihnachtsfest: Der schwerbehinderte 41-Jährige aus Wolfhagen erfuhr damals kurz vor den Feiertagen, dass ein versprochener Arbeitsvertrag zurückgezogen wurde. Eine harte Nachricht für den gelernten Tischler, der damals schon lange arbeitssuchend war und Hartz 4 bezog.

„Schon die Lehre zu bekommen war nicht leicht“, sagt Kleinhans. Eine anschließende Anstellung als Zeitarbeiter führte dann auch nicht zur versprochenen Übernahme. Stattdessen habe man ihn lange hingehalten.

Aus der folgenden Arbeitslosigkeit gab es kaum einen Ausweg. „Es ist generell nicht einfach Arbeit zu finden, eine Behinderung macht das nicht leichter“, sagt Kleinhans. „Es heißt dann einfach immer, dass man nicht ins Bewerberprofil passt.“

So schien es auch im Dezember 2007 wieder zu laufen, doch dann landete seine Bewerbung auf dem Schreibtisch von Mirco Franke, Geschäftsführer von Energy Glas in Wolfhagen. Thorsten Kleinhans bekam eine Chance - und nutzte diese. „Wir sind von Thorsten bis heute überzeugt“, erzählt Franke acht Jahre später.

Insgesamt beschäftigt das 90 Mitarbeiter starke Unternehmen inzwischen zwei Menschen mit Behinderung. Pierre Schmidt aus Landau ist mit 28 Jahren deutlich jünger als sein Kollege Thorsten Kleinhans, musste aber mit ähnlichen Problemen kämpfen.

Auf ihn ist Verlass: Thorsten Kleinhans bekam 2007 eine Chance und nutzte sie.

Eine Ausbildung konnte er nicht machen. Nach der Schule begann er in der Schreinerei des Vereins „Lebenshilfe Waldeck-Frankenberg“, einer Einrichtung speziell für Behinderte, zu arbeiten. „Bei einer anderen Firma hat es einfach nicht gepasst“, sagt Schmidt. Über den Verein kam er 2013 zu Energy Glas. Nach einem Praktikum wurde er sofort übernommen und trägt heute die gleiche Verantwortung wie seine Kollegen.

„Das sind komplexe Aufgaben, die Fachwissen und viel Interesse erfordern“, erklärt Franke. Gerade in punkto Arbeitssicherheit sei er daher anfangs vorsichtig gewesen. „Wir reden hier immerhin davon Glas in die Maschinen zu legen.“

Enttäuscht hätten ihn die beiden aber nie, und auch bei den Kollegen seien sie voll anerkannt. „Ich kann mich auf Thorsten und Pierre zu hundert Prozent verlassen“, sagt Franke. Eine besondere Schulung habe man dafür nicht machen müssen. Beide seien wie andere Mitarbeiter auch eingearbeitet worden.

„Dabei sind sie hochmotiviert, was heute keine Selbstverständlichkeit ist“, sagt Franke. Daher würde er anderen Unternehmen ebenfalls empfehlen, Menschen mit Behinderung eine Chance zu geben. „Wir suchen einfach gute Leute, ob jemand eine Behindrung hat oder nicht, spielt dabei für mich keine Rolle.“

Für Thorsten Kleinhans und Pierre Schmidt ist diese Einstellung ein echter Glücksfall. Beide wünschen sich weiter bei Energy Glas arbeiten zu dürfen, auch wenn die Arbeit manchmal anstrengend sei. Pierre Schmidt freut sich besonders darüber jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren zu können, da Radfahren sein größtes Hobby ist.

Aber nicht nur die Nähe zu seinem Zuhause schätzt der 28-Jährige: „Wenn ich hier nicht arbeiten dürfte, müsste ich wieder von vorne anfangen“, sagt er. „Und sonst finde ich doch nirgendwo etwas.“

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